Kreislaufwirtschaft

Stichwort Kreislaufwirtschaft: Der Kampf gegen das Plastikproblem beginnt in Ellwangen

Ellwangen / Lesedauer: 3 min

Deponie Reutehau wird Standort für die deutschlandweit effizienteste Thermolyse-Anlage
Veröffentlicht:05.12.2022, 15:43
Aktualisiert:05.12.2022, 16:52

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Auf der Deponie Reutehau will die Enespa AG gemeinsam mit der Gesellschaft im Ostalbkreis für Abfallbewirtschaftung (GOA) den Kampf gegen den Plastikmüll aufnehmen. Das Unternehmen mit Sitz in Appenzell (Schweiz) plant auf dem Areal, die deutschlandweit effizienteste Thermolyse-Anlage zu errichten, die aus gemischtem Kunststoffabfall wieder wertvolles Öl produzieren kann. Der erste Spatenstich ist für den 15. Dezember geplant.

Die Lösung des weltweiten Plastikproblems heißt laut einer Mitteilung der Enespa AG Kreislaufwirtschaft. Hierbei fließen die bestehenden Güter, die meist als Abfall deklariert sind, wieder in den Produktkreislauf ein. Weltweit würden jährlich 370 Millionen Tonnen Plastik produziert, das ohne sachgerechte Entsorgung und Recycling rund 400 Jahre bis zur vollständigen Zersetzung im Ökosystem Schaden anrichte. In den Weltmeeren schwimmen nach Aussage des Unternehmens geschätzte 86 Millionen Tonnen gemischte Kunststoffabfälle. Damit die Kunststoffe erst gar nicht in die Ökosysteme gelangten, bedürfe es kluger, innovativer Lösungen.

Eine dieser Lösungen soll die geplante Thermolyse-Anlage sein, die als Pilotprojekt in Ellwangen realisiert wird. Die Inbetriebnahme soll nach dem Bau der Infrastruktur im ersten Quartal 2023 erfolgen. Die GOA soll in der Partnerschaft die Bereitstellung von Flächen und Infrastruktur sowie die Belieferung von bis zu zehn Tonnen gemischten Kunststoffabfällen pro Tag übernehmen und bei den Genehmigungen helfen, während Enespa den Fokus auf das chemische Recycling lege und Betreiberin der Anlage sei, heißt es.

Enespa hat sich laut Mitteilung auf das chemische Recycling von gemischten Kunststoffen spezialisiert. Mittels Thermolyse, also dem Erhitzen eines Stoffes unter Sauerstoffentzug, will die Firma eine Kreislaufwirtschaft für den umweltbelastenden Plastikabfall schaffen. Es entstehe Öl, welches wiederum als Ersatzprodukt für Rohöl diene und in die Produktion von Kunststoffen zurückfließe. Dadurch würden gemischte Kunststoffabfälle nicht länger verbrannt, deponiert oder illegal entsorgt.

Geht das Konzept auf, sollen die Erkenntnisse der Pilotanlage direkt in die Forschung und Entwicklung von industriellen Großanlagen mit einem Durchsatzvolumen mit bis zu 100 Tonnen pro Tag fließen. Als weiterer Partner des Projekts ist nach Angaben von Enespa das Unternehmen Bayern-Oil involviert. Es fungiere als Abnehmer der produzierten Öle. Durch die lokalen Partnerschaften und kurzen Wege, die die Rohstoffe zurücklegten, erreiche man auch hier einen möglichst geringen CO2-Ausstoß bei der Transformation von Abfall in wertvolle Rohstoffe, heißt es weiter.

Der Mehrwert liegt nach Meinung von Enespa nicht nur im Schutz der Umwelt, durch die wirtschaftlich rentable Zusammenarbeit würden die beteiligten Unternehmen wie auch die Region gewinnen. Die Maschinenfertigung für den weiteren Ausbau von Thermolyse Anlagen finde durch die Tochterfirma Enespa-GRT Innovation GmbH statt, die in Aalen ansässig sei. Nach Aussage der Firma werden weitere Arbeitsplätze entstehen und der Standort wird weiter ausgebaut.

Der Betrieb der Anlage in Reutehau soll im Vergleich zur schon existierenden Industrie keine höheren Emissionen verursachen, teilt Enespa mit. Man sei dankbar, dieses Projekt mit „starken und innovativen Partnern“ umsetzen zu können. Gemeinsame Stärken würden gebündelt und es entstünden „politische und gesellschaftliche Möglichkeiten“, um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten.

Der erste Spatenstich der Pilotanlage in Ellwangen soll am Donnerstag, 15. Dezember, um 15 Uhr erfolgen. Als Gast wird Landrat Joachim Bläse zugegen sein.