Speratushaus

Im Speratushaus ist heute Tanzmusik

Ellwangen / Lesedauer: 2 min

Crailsheimer Salonkapelle Sternenglanz startet beschwingt ins neue Jahr
Veröffentlicht:22.01.2018, 19:58
Aktualisiert:22.10.2019, 22:00

Von:
Artikel teilen:

Wie großartig die Salonkapelle Sternenglanz ist, hat sich auch in Ellwangen herumgesprochen. Während ihr Neujahrskonzert 2017 nur schwach besucht war, gab sich dieses Mal gefühlt die halbe Stadt im Speratushaus die Ehre. Begeisterte Zuhörer erlebten zwei temperamentvolle Stunden mit flotter Tanzmusik, kessen Chansons und immergrünen Schlagern aus der Zeit der Jahrhundertwende über die wilden Zwanziger bis in die 1930er-Jahre. Um Liebesglück und Herzschmerz ging’s im hinreißend arrangierten Programm „So ein Kuss kommt von allein“ nach einem Schlager von Franz Grothe . Konfetti, Glanz und Glitter inklusive.

Man muss sie einfach lieben, diese charmante Kapelle, die Melodien spritzig wie Champagner perlen lässt. Schon der Auftakt mit Gerhard Mohrs Paso doble „Man soll mit dem Feuer nicht spielen“ und Walzern aus Franz Lehárs Operette „Zigeunerliebe“ war verheißungsvoll. Das ungarische Mädel Piroschka schmachtete am Plattensee, bei Fred Raimonds „Perle von Tokai“ floss schwerer Tokaierwein in Strömen, garniert vom Refraingesang der Musiker. Schostakowitschs jazzige Walzer begeisterten ebenso wie der Evergreen „Es leuchten die Sterne“ aus dem Ufa-Revuefilm von 1938. Der berühmte „Orientexpress“ rauschte im Foxtrott-Takt durch die sternenklare Winternacht, der einst von Zarah Leander gesungene Charleston „Yes Sir“ gab sich verführerisch. Schüchtern stolzierte Paul Linckes graziles „Fraureuther Porzellanpüppchen“ daher. In „Einer kleinen Konditorei“ servierten die Salonmusiker Kuchen und Tee.

Schlagzeuger Florian Friederich glänzte als Leroy Andersons rasanter „Typewriter“, als Mann an der Schreibmaschine, die wie ein antikes Relikt anmutete. Dass die Nacht nicht allein zum Schlafen da ist, wusste schon Komponist Theo Mackeben. Cellist und Ensemblechef Jörg Baier schmachtete mit unwiderstehlichem Schmelz in der Stimme Leo Leux‘ Tango „Unter den Pinien von Argentinien“ und sang sich mit „Fräulein Gerda“ und als „Bel Ami“ in die Herzen.

Die Damen, die Geigerinnen Anna Schmid und Daniela Mang und Leona Rötzsch an der Querflöte, hatten ihren großen Auftritt im silbern glitzernden Paillettenfummel. Die Herren mit Kummerbund und blank gewienerten Lackschuhen, Stehgeiger Eckart Baier, Tilman Hartig am Flügel, Felix Kautter am Akkordeon, Hannes Baier am Altsaxofon und Tausendsassa Bernhard Hubner, der Tenorsaxofon und Klarinette (fast) gleichzeitig spielte, standen dem in nichts nach. Jochen Zeuner zupfte am Bass den Rhythmus. Sogar die Verbeugungen waren formvollendet, wie es sich für eine Salonkapelle gehört.

Am Ende baten die Zuhörer im Stehen um drei Zugaben, die „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauss, den Radetzkymarsch und Rudi Schurickes „Für einen richtigen Mann gibt es keinen Ersatz.“ Für die Salonkapelle Sternenglanz, man darf es getrost sagen, auch nicht.