Passierschein

China-Tagebuch: Für die ersten Schritte in Nanjing braucht’s den Passierschein A38

Ellwangen / Lesedauer: 5 min

„FernOstalb“: Die Coronaregeln werden in China sehr genau genommen – Irgendwann ist alles wie bei Asterix und Oberlix
Veröffentlicht:31.10.2022, 12:52
Aktualisiert:31.10.2022, 12:57

Von:
Artikel teilen:

„Nehmen Sie ihr Gepäck und kommen Sie nach unten!“ Auf diesen Satz, der das Ende meiner Quarantäne einläutete, habe ich 14 Tage gewartet. Alles begann vor gut zwei Wochen, nachdem ich auf dem internationalen Flughafen von Nanjing gelandet war.

Als der Boing-Dreamliner – in den nur einsteigen durfte, wer zwei negative PCR-Tests, durchgeführt von anerkannten Teststellen, mit unterschiedlichen Reagenzien innerhalb 48 Stunden vor Abflug mit einem Abstand von mindestens 24 Stunden vorweisen konnte – auf dem Vorfeld zu stehen kam, gab es nicht das übliche Vom-Sitzplatz-Aufstehen und Gepäck-Gewühle wie sonst. Stattdessen waren alle angehalten, vorerst sitzen zu bleiben, denn ab jetzt begannen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung in China .

In Gruppen wurden die Passagiere in mit Chlor ausgesprühten Bussen zur Ankunftshalle gefahren. Dort wurde das Handgepäck desinfiziert, mehrmals Fieber gemessen, ein PCR-Test durchgeführt und die vor dem Abflug auf dem Smartphone erstellten Gesundheitscodes überprüft.

Erst dann durfte ich durch die Passkontrolle und nach China einreisen. Nachdem ich mein desinfiziertes Gepäck vom Gepäckband geholt hatte, wo es wohl schon einige Runden gedreht hatte, wurde ich wie alle anderen Passagiere des Flugzeugs in einem Bus direkt zum zentral organisierten Quarantänehotel gefahren.

Article Image
181022- Logo Tagebuch China_Querformat (Foto: Marcus Fey)

Im Hotelzimmer, das ebenfalls gründlich mit Chlor gereinigt war, stand alles für den täglichen Bedarf bereit. Während der zehn Tage, die ich in dem gut ausgestatteten Zimmer verbrachte, bestand mein einziger persönlicher menschlicher Kontakt in den regelmäßigen PCR-Testungen an der Zimmertür.

Das Essen wurde dreimal am Tag vor die Tür gestellt. Für die letzten vier Tage meiner Quarantäne wurde ich in einem umfunktionierten Hotel der Universität untergebracht. Und dann war meine Quarantäne an einem Samstagmorgen schließlich beendet.

Vorerst durfte ich aber noch nicht auf den Universitätscampus und ins Wohnheim einziehen, sondern musste zunächst einen siebentägigen Campus-Transit absolvieren. Während dieser Zeit bin ich in einem ehemaligen Studentenwohnheim außerhalb des Campus untergebracht.

Hier, vor den Toren der Universität galt es nun, die ersten Schritte in meinem neuen Leben als Student in China zu gehen. Als Erstes musste ich mir eine chinesische Handynummer besorgen, was mit der Unterstützung meiner Göttinger Kommilitonen kein größeres Problem war.

Schwieriger war da schon die Eröffnung eines Bankkontos bei einer chinesischen Bank. Um eine Bank überhaupt betreten zu dürfen, braucht es einen Gesundheitscode auf dem Smartphone mit einem Nachweis über einen negativen PCR-Test.

Als diese erste Hürde genommen war, mussten in der Bank einige Formulare ausgefüllt werden, einer chinesischen Belehrung zugehört werden und mehrere Unterschriften geleistet werden. Dann endlich wurde mir ein Konto eröffnet und ich bekam eine Debit-Karte ausgehändigt.

Da Bezahlen in China in erster Linie über das Smartphone erfolgt, mussten noch einige Apps und Anwendungen eingerichtet werden und mit meinem neuen Bankkonto verknüpft werden, bevor ich mir zumindest um meine Finanzen in China keine Sorgen mehr machen musste.

Für die Einreise nach China bekommt man als Student ein vorläufiges Visum, das vor Ort in eine Aufenthaltsgenehmigung umgewandelt werden muss. Neben der Immatrikulationsbescheinigung der Universität und dem sogenannten JW202-Formular muss dafür auch eine Gesundheitsüberprüfung vorgelegt werden.

Vor Abflug hatte ich eine solche bereits beim betriebsärztlichen Dienst der Universität Göttingen absolviert, Gesundheitszeugnisse aus den Heimatländern müssen aber von den offiziell zuständigen Krankenhäusern in China anerkannt und verifiziert werden.

Eine der ersten Aufgaben in China war deshalb auch, mit meinem Gesundheitszeugnis, das für mich zuständige Krankenhaus aufzusuchen. Die allgemeine Untersuchung und der Röntgen-Thorax aus Göttingen wurden anerkannt, EKG und Blutabnahme musste ich gegen eine geringe Gebühr erneut durchführen lassen.

Während ich im Universitätsklinikum Göttingen einen halben Tag verbracht hatte, beendete ich in China nach weniger als einer Stunde den sehr gut angeleiteten und unglaublich effektiv organisierten Untersuchungsprozess.

Da man für fast alles in Nanjing momentan einen negativen PCR-Test benötigt, der nicht älter als 48 Stunden ist, sind meine ersten Schritte in China immer von regelmäßigen Testungen begleitet. Teststationen gibt es sehr viele, die Wartezeiten sind in der Regel sehr kurz und die Tests für alle kostenlos.

Da von einem gültigen Testergebnis so viel abhängt, gehe ich jeden Abend zum Testen, weil es auch vorkommen kann, dass ein Ergebnis untergeht und nicht auf dem eigenen Smartphone ankommt. Als meine Teststation aber an einem Tag geschlossen war, versuchte ich mein Glück auf Empfehlung einer koreanischen Austauschstudentin in einem Krankenhaus.

Hier nun begann genau das, was man von Asterix und Obelix kennt, die im „Haus, das Verrückte macht“, in einer Formalität verwaltungstechnischer Art Passagierschein A38 besorgen müssen. Nach der Überprüfung meines Gesundheitscodes durfte ich ins Krankenhaus.

An der Anmeldung wurden meine Personalien und mein Anliegen aufgenommen und ich bekam einen ersten Passagierschein. Mit diesem ging es in einen Untersuchungsraum, in dem mithilfe des ersten Passagierscheins ein zweiter ausgestellt wurde. Mit dem zweiten Schein ging es an die Kasse, an der ich eine geringe Gebühr bezahlen musste.

Alles braucht seine Zeit

Ich erhielt einen Beleg. Mit diesem dann ging es aus dem Krankenhaus hinaus auf den Vorplatz, wo dann der eigentliche Test durchgeführt wurde. Nach wiederholtem Schlangestehen, Anliegen-Vortragen, Weitergeschickt-Werden und mehreren hundert Metern Fußweg quer durch das Krankenhaus, wurde ich nach über einer Stunde dann tatsächlich getestet.

Wenige Tage vor meinem geplanten Einzug in das Wohnheim auf dem Universitätscampus wurde dieser aufgrund von Corona-Fällen in der Umgebung geschlossen. Mein Campus-Transit verlängerte sich um zwei Tage.

Doch langweilig wird es mir in dieser Zeit bestimmt nicht, denn für den Umzug in das Wohnheim – wer hätte das gedacht – müssen noch einige weitere Formulare ausgefüllt und Gesundheitscodes auf dem Smartphone eingerichtet werden.