Stadtbibliothek

Die Bibliothek muss bluten

Ellwangen / Lesedauer: 2 min

Die Bibliothek muss bluten
Veröffentlicht:22.07.2010, 22:25

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Die Benutzer der Stadtbibliothek müssen künftig mit einem eingeschränkten Angebot und höheren Kosten rechnen. Im Zuge der Haushaltskonsolidierung hat der Gemeinderat entsprechende Maßnahmen beschlossen, die ab 2011 greifen sollen.

Die Jahresgebühr für Erwachsene wird von acht auf zwölf Euro steigen. Neu eingeführt wird eine kostenpflichtige Verlängerung bei der Ausleihe von Spielfilmen, wenn mindestens die Hälfte der entliehenen Filme ein Mal verlängert wird. Ebenfalls neu werden eine tägliche Säumnisgebühr von zehn Cent pro Medium bei Überschreiten der Ausleihzeit plus ein Euro Mahngebühr pro Mahnbrief sein.

Der andere Teil der Konsolidierungsmaßnahmen betrifft das Personal. Die Verwaltungsangestellte der Stadtbibliothek mit 9,11 Wochenstunden soll in die Kernverwaltung der Stadt im Rathaus versetzt werden. Die Ausgaben der Bibliothek werden im kommenden Jahr pauschal um 10 000 Euro gekürzt. Zudem schlägt die Bibliotheksleitung vor, vorübergehend auf 3000 Euro beim Einrichtungs- und Veranstaltungsetat zu verzichten. Auch könnten 6000 Euro eingespart werden, die für den Einsatz von Hilfskräften zur Verfügung stehen. Deren Arbeit könnten ehrenamtliche Kräfte übernehmen.

All dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Zahl der Nutzer der Bibliothek und der Ausleihungen permanent weiter steigt. Bis jetzt liegen die Ausleihungen im Jahr 2010 schon um 3000 über den zum Jahresende 2009 bilanzierten 117 410. Und das bei einer Personalbesetzung, die im Verhältnis zu anderen Stadtbibliotheken vergleichbarer Größe schon bislang eher bescheiden war.

Die Sparmaßnahmen bleiben nicht ohne Folgen. „Der Wegfall der Verwaltungsangestellten greift massiv in die Öffnungszeiten ein“, sagte Bibliotheksleiterin Doreen Lenz im Gemeinderat. Dieses Risiko, so meinte OB Karl Hilsenbek, müsse man eingehen. So werden im Falle von Urlaub oder Krankheit außerplanmäßige Bibliotheksschließungen wahrscheinlicher, Führungen für Kindergärten oder Schulen dürfte es weniger oder keine mehr geben. Auch muss das Angebot an Veranstaltungen und Projekten deutlich reduziert werden. Was insgesamt wiederum die Zahl der Nutzer und Ausleihungen und damit die Einnahmen senken könnte. Während eine Mehrheit von 19 zu elf Stimmen die von der Verwaltung vorgeschlagene neue Gebührensatzung billigte, gab es in Sachen Personal unterschiedliche Auffassungen. Walter Schlotter (FBE) wollte auf die Versetzung der Angestellten verzichten und dafür weitere Gebührenerhöhungen vornehmen. Rolf Merz (CDU) votierte für Versetzung und pauschal 15 000 Euro Ausgabekürzungen.