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Hier bekommen Sie Ihren Baum

Augen auf beim Christbaumkauf: Wer trödelt, wird bestraft

Ostalbkreis / Lesedauer: 5 min

An mehr als 40 Orten im Kreis werden Weihnachtsbäume angeboten - in unserer Übersichtskarte erfahren Sie mehr. Und Sie sollten sich in diesem Jahr besonders beeilen.
Veröffentlicht:04.12.2023, 17:55

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Eine gleichmäßige Pyramidenform, ein gerader Wuchs mit ausgeprägter Spitze, dicken, gesunden Nadeln und gleichmäßige Kränze - so stellen sich viele Menschen den perfekten Christbaum vor.

Und da die Tage bis zum Fest gezählt sind, hat der Ansturm auf die schönsten Tannen bereits begonnen, im gesamten Ostalbkreis läuft der Verkauf von Tannen und Fichten auf Hochtouren.



Hannes Stoll, Sohn des Neresheimer Christbaumhändlers Karl Stoll, empfiehlt allerdings, sich in diesem Jahr lieber etwas früher als am Ende zu spät nach einem geeigneten Baum umzuschauen. Wegen des schlechten Wetters in den vergangenen Wochen habe sich insbesondere die Ernte der Nordmanntannen als schwierig erwiesen.

„Wegen des vielen Regens konnte man in den Kulturen nicht fahren, die Traktoren versinken im Matsch, man bekommt die Bäume nur sehr schwer aus den Plantagen“, berichtet Hannes Stoll von der eigenen Ernte aus der etwa 200 Hektar großen unternehmenseigenen Christbaumkultur.

Bäume lassen sich kaum noch aus der Erde ziehen

Vor ähnlichen Herausforderungen steht auch der Abtsgmünder Händler Josef Feil auf seinen Plantagen:

„Die Nachfrage ist sehr gut, es ging in diesem Jahr auch schon früher mit dem Verkauf los als in den vergangenen Jahren, dann sind wir aber ein bisschen vom Schnee überrascht worden. Im Moment haben wir das Problem, dass die Bäume mit der Schneelast so schwer sind, dass sie sich fast nicht mehr anheben oder herausziehen lassen. Wir haben die Ernte jetzt erst einmal zwei, drei Tage ausgesetzt und hoffen nun, dass die Temperaturen etwas milder werden.“

Aber nicht nur hierzulande, sondern auch in den Hauptimportgebieten Dänemark, Norddeutschland und dem Sauerland mussten nach Angaben des Neresheimers viele Bäume in diesem Jahr wegen ungünstiger Witterungsverhältnisse und durchweichter Böden stehen bleiben.

Um am Ende der Weihnachtszeit nicht auf ihren gefällten Tannen sitzen zu bleiben, stellen die dortigen Kulturenbesitzer ihre Ernte zu einem bestimmten Zeitpunkt ein und lassen jene Bäume, die witterungsbedingt nicht gefällt werden konnten, bis zum nächsten Jahr stehen.

„Deswegen kann es gut sein, dass die Bäume zum Ende des Jahres knapp werden“, resümiert Stoll und appelliert: „Wer also früh einen Baum kauft, kriegt auf jeden Fall einen, wer erst kurz vor Weihnachten sucht, geht unter Umständen leer aus.“ Betreffen könnte dieser Engpass laut Stoll in diesem Jahr vor allem den Verkauf in Gartencentern oder Baumärkten.

Bäume aus Dänemark für ein größeres Angebot

Händler wie Stoll oder Feil, die eigene Kulturen betreiben, seien damit im Vergleich zu anderen Weihnachtsbaumanbietern im Vorteil, weil sie wesentlich flexibler auf die Nachfrage reagieren und auch kurz vor dem Fest noch letzte Bäume schlagen können. Das bestätigt auch Irene Stoll, deren Mann Fritz Stoll eine Christbaumzucht an der Dorfmerkinger Straße 10 in Neresheim führt.

„Unsere Bäume wachsen nicht an Hanglagen, sind deswegen auch nicht so extremem Wetter ausgesetzt und da ein großer Teil aus eigenen Kulturen kommt, können relativ schnell weitere Tannen holen.“

Wie das Unternehmen von Karl Stoll, bauen auch Fritz Stoll und sein Team selbst Nordmanntannen und Blaufichten an, und kaufen für ein größeres Angebot Bäume aus Dänemark und nördlichen Gebieten Deutschlands zu.

Falls jemand eine regionale, heimische Tanne haben möchte, soll er die ebenfalls bei uns bekommen können.

Klaus Freihart, Landwirt und Christbaumhändler

Der Neresheimer Familienbetrieb von Klaus Freihart bezieht für den Großmarkt seine Nordmanntannen dagegen fast ausschließlich aus Baumschulen in Dänemark. Auf seinen eigenen Kulturen finden sich dagegen vor allem Blau- und Rotfichten, Schwarzkiefern und nur eine kleine Anzahl von Nordmanntannen.

„Falls jemand eine regionale, heimische Tanne haben möchte, soll er die ebenfalls bei uns bekommen können“, erklärt Freihart dazu.

Der Landwirt ist davon überzeugt, dass bisher eine eigene Zucht von Nordmanntannen auf dem Härtsfeld nur bedingt erfolgversprechend ist, unter anderem, weil die Böden zu kalkhaltig, zu flach und vor allem zu sauer seien. „Das alles mag die Nordmanntanne nicht.“

Tannenzucht auf der Ostalb ist schwierig

Wenn ich aber aus Dänemark sicher einen ordentlichen Baum bekomme und wir im Gegensatz dazu hier aber nur eine Ausbeute von 60 Prozent haben, dann überlege ich mir zweimal, ob sich der Aufwand lohnt.“ Wer Tannen hierzulande anbauen wolle, müsse sich sehr genau mit den Voraussetzungen für den Anbau auseinandersetzen.

„Wir werden in Zukunft mehr Nordmanntannen züchten, wir haben mittlerweile auch das Know-how aus Dänemark, aber es wird eben nicht auf jedem Acker funktionieren. Wo ein Weizen oder Mais gut gedeiht, da können sie davon ausgehen, dass da auch ein guter Christbaum wächst.“

Hannes Stoll: Darum lohnt sich die Zucht auf dem Härtsfeld trotzdem

Zuversichtlich, dass sich die Anbaubedingungen durch den Klimawandel eher verbessern als verschlechtern, zeigt sich Hannes Stoll, denn Spätfröste im Frühjahr werden immer seltener. Aktuell gefährden diese Frostperiode oftmals das Wachstum der jungen Tannen oder lassen sie sogar erfrieren.

Dennoch ist Stoll der Ansicht, dass sich der Einsatz lohnt: „Das Härtsfeld ist sicher nicht der perfekte Standort für die Weihnachtsbaumproduktion, wenn man aber gezielt düngt, kann man dem schlechteren Bedingungen ein bisschen entgegenwirken und kriegt trotzdem schöne, grüne Tannen hin.“

Trotz der höheren Kosten für den Transport der Bäume, das Personal, die Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie die Energiekosten haben sich die Preise für Weihnachtsbäume durchschnittlich nur um etwa ein bis zwei Euro erhöht, manche Händler konnten ihre Preise sogar halten. Wie schon im vergangenen Jahr, müssen Kunden demnach beim Kauf einer Nordmanntanne mit 22 bis 28 Euro pro Meter rechnen.