Stromkonto

Auf Brettern geschlafen, aber mit Stromkonto: Mario May im Studentenwohnheim angekommen

Ellwangen / Lesedauer: 5 min

„FernOstalb“: Nach gefühlt ewiger Quarantäne ist Mario May nun endlich angekommen
Veröffentlicht:07.11.2022, 19:00
Aktualisiert:07.11.2022, 19:16

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Wohnst du noch oder lebst du schon? Nachdem sich mein Einzug in das Studentenwohnheim für internationale Studierende der Universität Nanjing aufgrund von Corona-Fällen nahe des Universitätscampus immer wieder verzögert hatte, war ich zunächst einfach nur froh, als nach fast einem Monat seit meiner Abreise aus Ellwangen der Einzug ins Wohnheim endlich möglich war.

Bis am Abend vorher war immer noch nicht sicher, ob ich auf den Universitätscampus darf, der momentan eigentlich weder von außen betreten noch von innen verlassen werden darf, da das umliegende Stadtgebiet zum Corona-Risikogebiet erklärt wurde. Dann ging aber alles ganz schnell. PCR-Tests mussten gemacht, Gesundheitserklärungen abgegeben und in der universitätseigenen App musste ein Campuszugangscode beantragt werden.

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Im 16. Stock des Studentenwohnheims für internationale Studierende ist mein Zimmer. (Foto: May/Schwäbische.de)

Der Campus, auf dem ich wohne, liegt einige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums von Nanjing , wo sich der andere und ältere Campus der Universität befindet, vor dessen Toren ich die vergangenen Tage auf meinen Einzug ins Studentenwohnheim gewartet habe.

Zur Abwechslung war ich über die mit der Pandemie verbundenen Maßnahmen einmal froh, denn so wurde die Gruppe von ungefähr 30 internationalen Studierenden, die alle bereits mehrere Tage auf den Einzug ins Studentenwohnheim gewartet hatten, mit dem Bus direkt zum Wohnheim gefahren. Anderenfalls hätte ich mit meinem ganzen Gepäck mit der Metro zum Campus fahren müssen.

Ohne Unterschrift keine Unterkunft

Nun durfte ich also endlich die Koffer auspacken und ankommen. Im Studentenwohnheim musste zunächst der Mietvertrag unterzeichnet und die Kaution bezahlt werden. Danach erhielt ich einen Chip für meine Zimmertür. Im 16. Stock des großen Gebäudes sollte ich ein Zimmer mit eigenem Bad mit einem Kommilitonen aus Göttingen teilen.

Der erste Eindruck von diesem Zimmer war nicht gerade wohnlich. Alles war zwar sehr geräumig und es gab viele Schränke, die Sauberkeit ließ jedoch zu wünschen übrig. Nachdem das Zimmer mit in einem der vielen Supermärkte auf dem Campus besorgten Utensilien gereinigt war, sah dann alles schon viel besser aus.

Wie kommt man nur an Elektrizität? Mit einem Stromkonto

Nun stellte sich mir die Frage, wie ich an Elektrizität komme. Denn Strom hat man in seinem Zimmer nur, wenn ein entsprechendes Stromkonto in der Universitätsapp mit Geld von dem eigenen Studierendenausweis gefüllt ist. Nach einigem Hin und Her gelang es schließlich, Geld von meinem chinesischen Bankkonto über Alipay auf den Studierendenausweis und von dort dann auf das Stromkonto zu transferieren.

Bei Licht besehen kam anschließend zum Vorschein, dass das Bett in meinem Zimmer lediglich aus einem Metallgestell mit einigen Holzbrettern besteht. Glücklicherweise hatte ich die Bettwäsche und eine dünne Matratzenauflage aus dem zweiten Quarantänehotel mitgenommen. Eine richtige Matratze gab es aber vorerst nicht.

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181022- Logo Tagebuch China_Querformat (Foto: Marcus Fey)

Mit etwas Eingewöhnungszeit und gutem Willen schläft es sich auf meinem Bretterbett aber ganz gut. Und alles, was darüber hinaus noch fehlt, kann ganz bequem per Taobao – dem chinesischen Amazon, auf dem es so ziemlich alles gibt – in die campuseigene Postzentrale bestellt werden.

Es gibt keine Heizungen

Heizungen gibt es im Studentenwohnheim nicht. Lediglich Klimaanlagen mit Heizfunktion sind in jedem Zimmer. Für Heizungen liege Nanjing zu weit südlich, habe ich mir sagen lassen. Kalt wird es hier trotzdem. Da die Klimaanlage aber zu viel Strom frisst und mein Stromkonto schnell leerräumen würde, bleibt die Klimaanlage aus. Dann zieht man sich halt einen dicken Pullover an, dass ist man ja seit diesem Herbst auch schon aus Deutschland gewohnt.

Wilde Wohnheimpartys gibt es nicht

Nachdem es mir schließlich gelungen war, mich mit dem WLAN der Universität zu verbinden, war alles Nötige für das Wohnen im Studentenwohnheim zunächst geklärt. Wie aber ist es um das Leben in chinesischen Studentenwohnheimen bestellt? Auf jeden Fall anders als in deutschen Studentenwohnheimen.

Wilde Wohnheimpartys bis früh in den nächsten Tag? Fehlanzeige! Stattdessen gibt es beschränkte Besuchszeiten und Ausgangssperren. Bis 23.30 Uhr muss jeder im Wohnheim sein. Die Stockwerke sind nach Geschlechtern getrennt.

Unterschiede zu Tübingen und Göttingen ausgemacht

Auch in der Ausstattung unterscheidet sich mein neues Wohnheim von denen, die ich aus Tübingen und Göttingen kenne. Es gibt zwar einen Waschraum, aber nur eine kleine Küche für das gesamte Wohnheim, in dem auf 18 Stockwerken immerhin so einige Studierende leben.

Groß angelegte Kochversuche sind deshalb nicht zu empfehlen, aber in einer der vielen Mensen auf dem Campus kommt man auch viel schneller und bequemer an eine gute und günstige Mahlzeit. Nach einigen Tagen habe ich mich gut eingelebt, sodass ich nun sagen kann, tatsächlich nicht mehr nur in einem chinesischen Studentenwohnheim zu wohnen, sondern auch zu leben.

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Und einige Dinge sind dann doch ganz ähnlich wie in deutschen Studentenwohnheimen, seien es lustige Begegnungen im Tischtennis-Zimmer oder auch nur die ständigen Nachrichten in der Wohnheimgruppe, dass die Wäsche im Trockner fertig ist und doch bitte schnellstmöglich abgeholt werden soll.

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