Grundbesitz

Bopfingen verteilt den Grundbesitz neu

Bopfingen / Lesedauer: 2 min

Keine Flächen mehr im Industriegebiet – Gewerbe droht mit Abwanderung – „Böses Blut“
Veröffentlicht:29.04.2016, 18:05
Aktualisiert:23.10.2019, 16:00

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Die Stadt Bopfingen möchte das Flochberger Gewerbegebiet erweitern. Auch mehrere Firmen dringen darauf. Bisher scheiterte dies am Widerstand einiger Grundbesitzer. Deshalb greift die Stadt jetzt zu einem drastischen Mittel: der gesetzlichen Baulandumlegung. Damit soll gleichzeitig ein lange blockiertes Wohnbaugebiet in Flochberg möglich werden.

Großes Zuschauerinteresse herrschte im Gemeinderat, Murren war zu hören, vereinzelt war von Enteignung die Rede. Ähnlich wie bei der Flurbereinigung werden bei der Baulandumlegung alle Flächen in einem Gebiet in einen Topf geworfen. Anschließend teilt sie ein Ausschuss, entsprechend der Besitzverhältnisse, neu zu. Fläche, die zur Erschließungsstraße wird, fällt an die Stadt. Die Eigentümer müssen die Erschließungskosten tragen und für den Umweltausgleich aufkommen. Der Gemeinderat ordnete in einem ersten Schritt das Baulandumlegungsverfahren an – bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung.

Betroffen ist unter anderem ein Gebiet im Gewerbegebiet Flochberg-Nord-Ost, das in Richtung Bopfingen erweitert werden soll. Dafür hatte der Gemeinderat eigens noch in der selben Sitzung einen Bebauungsplan aufgestellt. Zum Einzugsbereich gehört aber auch das seit langem geplante Baugebiet Kapellfeld III im südöstlichen Wohnbereich von Flochberg. Hier scheiterte die vom Ortschaftsrat lange gewünschte Erschließung – es gibt in Flochberg sonst keine Bauplätze – vor allem am Widerstand eines Grundbesitzers.

Für Bürgermeister Gunter Bühler geht es ums Ganze: „Es könnte 120 Arbeitsplätze betreffen“, fürchtet er. Konkret wolle eine Bopfinger Firma ihre Anlagen erweitern, eine andere wolle sich in Bopfingen ansiedeln und finde keinen Platz dafür. „Wir können momentan nicht genügend Flächen anbieten“, so Bühler, der an die Firma Arnold erinnerte, die ihren Stahlbetrieb vor einigen Jahren nach Essingen verlagert hat. Das sei auch deshalb geschehen, weil in Bopfingen nicht genügend Flächen vorhanden waren.

„Wir suchen weiterhin nach einvernehmlichen Lösungen mit den Grundbesitzern“, sagte Bühler. Dies bestätigte auch der Leiter des Amts für Stadtentwicklung, Andreas Rief. Die Baulandumlegung könne als Druckmittel der Stadt gegenüber den Grundbesitzern gesehen werden. „Wir möchten damit erreichen, dass wir die Grundstücke kaufen können.“ Gleichzeitig sollen die Verhandlungen weitergehen. „Das könnte böses Blut in Flochberg geben“, prophezeite Stadtrat Martin Schmid (Freie Wähler). „Böses Blut steht hier gegen Nicht-Mehr-Entwicklung“, antwortete Bürgermeister Bühler.