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Wilhelmstraße bleibt Autorevier

Aalen / Lesedauer: 3 min

Leidenschaftlich ist es im Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik zugegangen. Von einer „miserablen Bankrotterklärung“ sprachen die Grünen.
Veröffentlicht:08.12.2023, 05:20

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Die Idee, die Wilhelmstraße zur Hälfte zu einer Fahrradstraße und zur anderen Hälfte zu einer Einbahnstraße für den motorisierten Verkehr zu machen, ist noch nicht vom Tisch. Aber in seiner Vorberatung am Donnerstag hat der Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Technik (AUST) nun erst einmal mehrheitlich für eine schnelle und günstige Lösung gestimmt, wie die unklare Verkehrsführung auf der Strecke zwischen Aalen und Wasseralfingen neu geordnet werden könnte. Sie erlaubt Radfahrern, entweder in Schrittgeschwindigkeit auf dem Gehweg oder ohne besonderen Schutz auf der Straße zu fahren.

Es ist die Variante, für die sich bei drei Gegenstimmen bereits der Ortschaftsrat ausgesprochen hatte. Im Gemeinderatsausschuss wurde sie bei fünf Gegenstimmen von der Grünen-Fraktion und zwei Enthaltungen angenommen. „Wir sind nicht zufrieden mit dieser Lösung“, resümierte Oberbürgermeister Frederick Brütting nach längerer Diskussion. „Aber wir müssen tätig werden.“ Die Stadt müsse auf der Wilhelmstraße, die seit geraumer Zeit ganz ohne Markierungen auskommt, die Verkehrssicherheit wiederherstellen.

Nur bei einer Enthaltung beschloss der Ausschuss allerdings auch, die Einbahnstraßen-Idee weiter prüfen zu lassen. Dabei würde die Wilhelmstraße hälftig als reine Fahrradstraße umgewidmet werden. Autos und Laster würden in einem Ringverkehr über die Wilhelmstraße, Charlottenstraße, Appenwang und Auguste-Kessler-Straße geführt. Für die Busse wolle man erreichen, dass sie weiter in beiden Richtungen auf der Wilhelmstraße fahren können, ergänzte Brütting. Die OVA habe sich gemeldet und zu bedenken gegeben, dass ein zeitaufwendiger Umweg östlich der Bahn eine Verschlechteriung des ÖPNV-Angebots bedeuten würde, erklärte auch Ortsvorsteherin Andrea Hatam (SPD).

Die Verwaltung hatte weitere Varianten vorgeschlagen, über die aber nicht abgestimmt wurde, etwa über einen Umbau zu einer Straße, die breit genug für Autos, Busse und Laster wäre und einen getrennten Rad- und Gehweg hätte. „Für diese Varianten sind die nötigen Breiten und Flächen nicht vorhanden“, bedauerte Brütting.

„Wir bedauern sehr, dass bei der Kanalsanierung versäumt wurde, den Bordstein um einen dreiviertel Meter zu versetzen, damit in Fahrtrichtung Nord die gleiche Situation ist wie in Fahrtrichtung Süd“, erkärte Josef Anton Fuchs für die CDU-Fraktion. Doch: „Es ist, wie es ist, und ich gehe jetzt nicht auf die Gründe dafür ein.“ Nun beschließe man den Status Quo, wie er seit 50 Jahren herrsche. Aber es sei die praktikabelste Lösung, deshalb sei seine Fraktion dafür.

Fuchs schlug dann noch vor zu prüfen, ob man nicht die Radfahrer über die Straßen östlich der Bahn leiten könne.

Auch Ortsvorsteherin Andrea Hatam erklärte: „Uns ist allen bewusst: Eine gute Lösung ist das nicht. Aber sie ist praktikabel, finanzierbar und schnell umzusetzen.“ Gegen die Ringverkehrslösung habe sie große Bedenken. Führe man den Verkehr östlich der Bahn entlang, hätte vor allem der Schwerverkehr Probleme, um die engen Kreisverkehre zu kommen, sie müsste man umbauen. Gleichwohl sei sie dafür, diese Variante zu untersuchen.

Für diese Lösung setzten sich leidenschaftlich die Vertreter der Grünen-Fraktion ein. „Wir streben eine Mobilitätswende an“, sagte zunächst Sigrun Huber-Ronecker. Da passe es nicht, dass die Wilhelmstraße ein Jahr nach ihrer Wiedereröffnung nach der Sanierung immer noch „eine Teerwüste ohne Begrünung“ sei, dass Fußgänger und Radfahrer auf einer Hubbelpiste unterwegs sein müssten, „und so soll es laut Ortschaftsrat auch bleiben“.

Noch deutlicher wurde ihr Fraktionskollege Michael Fleischer. Die Variante, den Gehweg mit der Bezeichnung „Radfahrer frei“ auszuweisen, sei „eine miserable Bankrotterklärung“. „Wir bieten den Radfahrern an, in Schrittgeschwindigkeit auf einem Gehweg in mäßigem Zustand die Hauptverbindung von Aalen nach Wasseralfingen zu befahren. Und das soll die Mobilitätswende sein?“, kritisierte er. Das sei eine ebenso abwegige Lösung wie die, Radler auf den Umweg östlich der Bahn zu schicken.