Kulturreihe

„Wenn jemand Russland versteht, dann Thomas Roth“

Aalen / Lesedauer: 4 min

Tagesthemen-Moderator in Aalen zu Gast – SWR-Redakteur Wolfgang Niess im Gespräch
Veröffentlicht:29.03.2016, 18:28
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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In der Kulturreihe „wortgewaltig 2016“ ist der Tagesthemen-Moderator Thomas Roth am Freitag, 8. April, um 20 Uhr zu Gast in der Stadthalle Aalen. Im Gespräch mit dem SWR-Redakteur Wolfgang Niess wird es nicht ausschließlich um aktuelle Tagesthemen gehen. Der Journalist und Moderator des Abends hat vorab dazu Auskunft gegeben.

Das Programm des Abends lautet Medien, Meinung, Weltgeschehen. Wie kam es dazu?

Um diese drei Stichworte wird es am Abend mit Thomas Roth im Kern gehen. Wie wenige kennt er Fernsehen und Hörfunk umfassend aus eigener Arbeit und Erfahrung. Wir sehen heute in ihm vor allem den herausragenden Fernsehjournalisten. Aber in jungen Jahren hat Thomas Roth im Hörfunk des SDR das legendäre Jugendprogramm POINT moderiert und redaktionell betreut. Später war er einige Jahre Hörfunkdirektor des WDR . Er hat also breite Erfahrung und eine weite Perspektive, wenn er über Medien spricht. Und wie kaum ein anderer hat er als Fernseh-Korrespondent aus den verschiedensten Teilen der Welt berichtet: Johannesburg, Moskau, Berlin, New York. Das ist eine einmalige Karriere im deutschen Fernsehen.

Was interessiert Sie persönlich an Ihrem Gesprächspartner?

Zunächst seine heutige Arbeit als Moderator der Tagesthemen. Ich bin sicher, wir bekommen einen Blick hinter die Kulissen dieses herausragenden Nachrichtenmagazins. Mich interessieren aber auch seine Erfahrungen als Korrespondent in Südafrika – er war in den Jahren dort, als nach Jahrzehnten der Unterdrückung der Schwarzen die Apartheid aufgehoben wurde, als Nelson Mandela aus dem Gefängnis freigelassen wurde, als das ganze Land voller Hoffnung war, dass hier ein ganz neues Kapitel der Geschichte geschrieben werden könnte.

Dann die Moskauer Jahre 1991 bis 1995 mit dem Putsch gegen Gorbatschow und der Auflösung der Sowjetunion. 2007 kam Thomas Roth noch einmal für knapp zwei Jahre als Studioleiter zurück und hat auch Putin persönlich kennengelernt. Wenn uns einer helfen kann, Russland und seine heutige Politik zu verstehen, dann ist das Thomas Roth.

An dem Abend wird es um Journalismus, Nachrichten, Fernsehen und Politik gehen. Sind persönliche Fragen zur Person tabu?

Nein. Die Arbeit eines Journalisten hat immer persönliche Komponenten. Ich bin sicher, dass wir an diesem Abend auch dem Menschen Thomas Roth näher kommen werden, dass wir am Ende wissen, was ihn persönlich bewegt und antreibt. Ich werde aber selbstverständlich seine Intimsphäre schützen und respektieren, wie ich das bei jedem meiner Gesprächspartner mache.

Was reizt Sie an diesem Format?

Es gibt doch nichts Spannenderes, als mit Menschen über ihre Arbeit, ihre Erfahrungen, ihr Leben zu sprechen. Ich lerne dabei immer dazu – sei es über die Tagesthemen, über Südafrika, über Russland, über die Hintergründe des Ersten Weltkriegs, über Martin Luther oder die Versäumnisse unserer Geheimdienste. Aber das allein ist es nicht. Ich lerne auch reizvolle und bedenkenswerte Perspektiven kennen, mit denen andere unsere Welt sehen. Und ich kann mich mit faszinierenden Lebensentwürfen beschäftigen, die meine Gesprächspartner oftmals verkörpern. Da bleibt oft etwas hängen, was über den Tag hinaus wirkt.

Sie haben schon in vielen öffentlichen Gesprächen Prominente vorgestellt. Welches Porträt ist Ihnen in besonders guter Erinnerung?

Es gibt nicht das einzelne Gespräch, das alle anderen überstrahlt. Eher eine ganze Reihe, die ich mit einem großen Glücksgefühl abgeschlossen habe, weil einfach alles gestimmt hat: hoch interessante Themen, ein offener Gesprächspartner, der Funke zum Publikum ist von Anfang an übergesprungen. Solche Gespräche sind mir mit Günter Grass in Erinnerung, mit Margot Käßmann und Inge Jens, mit Rafik Schami und Uwe Timm, mit Hanns-Josef Ortheil und Wolfgang Schorlau, mit Reinhold Messner, Jörg Armbruster und mit Ulrich Wickert, der ja einer von Thomas Roths Vorgänger als Moderator der Tagesthemen war.

Was ist die Kunst des Fragens?

Man muss einerseits wirklich an seinem Gegenüber interessiert sein, ihm mit Respekt und Neugier begegnen. Dann kann man eine Atmosphäre schaffen, in der vertrauensvoll vieles zur Sprache kommt – vielleicht sogar ein bisschen mehr. Man sollte andererseits die Perspektive des Publikums einnehmen können und sich als dessen Anwalt verstehen. Im Idealfall ist der Fragende zugleich Dienstleister für sein Publikum und für seinen Gesprächspartner. Der Tod jedes guten Gesprächs ist geschwätzige Eitelkeit des Moderators.