Pandemie

Waldhausen feiert die Ehe mit Aalen

Aalen-Waldhausen / Lesedauer: 4 min

1970 war die Eingemeindung erfolgt, wegen der Pandemie wird das 50-Jährige aber erst jetzt begangen
Veröffentlicht:01.07.2022, 05:00
Aktualisiert:01.07.2022, 05:01

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Der Anlass liegt zwar schon zweieinhalb Jahre zurück, die Feier musste wegen der Pandemie zweimal verschoben werden, aber an diesem Freitag, 1. Juli, ist es soweit: Aalen und Waldhausen feiern die 50. Wiederkehr ihrer Vereinigung. Sie erfolgte zum 1. Januar 1970 freiwillig und war der Auftakt der Gemeindegebietsreform im Raum Aalen. Der seinerzeitige Aalener Oberbürgermeister Karl Schübel sprach damals vom Knüller des Jahres, von einer Überraschung ersten Ranges.

„Ein Teil der Stadt Aalen zu sein, hat sich positiv auf unseren Ort ausgewirkt“, sagt jetzt Ortsvorsteher Patrizius Gentner. Durch die Erschließung der Baugebiete und des Gewerbegebietes in Waldhausen seien viele Aalener Bürger zu echten Waldhäusern geworden. „Wir sind stolz darauf, Aalener zu sein, aber wir haben trotzdem den einzigartigen Charakter unseres Ortes Waldhausen und seiner Teilorte immer hochgehalten.“

Waldhausen hat eine wechselvolle Geschichte. 1188 erstmals urkundlich erwähnt, gehörte der Ort lange zur Kommende Kapfenburg des Deutschen Ordens, noch heute im Ortswappen ablesbar. Erst 1806 kam er in napoleonischer Zeit endgültig zu Württemberg. Bis 1938 war er Teil des Oberamtes Neresheim. Nach dessen Auflösung gehörte er zum Landkreis Aalen .

Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre wurde in Baden-Württemberg heftig das Für und Wider einer Kreis- und Gemeindereform diskutiert. Der Gemeinderat von Waldhausen beschloss am 15. Juli 1968 den Zusammenschluss der selbstständigen Kommune mit Aalen. Waldhausen hatte damals 1400 Einwohner und eine Fläche von 2428 Hektar. Die Struktur war bäuerlich mit 118 landwirtschaftlichen Betrieben, davon 42 im Vollerwerb. Das Gewann Krallenhände war damals bereits ein 30 Hektar großes Naturschutzgebiet.

Waldhausen hatte sich aber auch schon zu einer Arbeiterwohngemeinde gewandelt. Von den 350 täglichen Auspendlern fuhren 200 in Richtung Aalen, der Rest nach Wasseralfingen sowie Unterkochen und Oberkochen.

Ein gutes Jahr zogen sich die Verhandlungen hin. Von einem Zusammenschluss der beiden Kommunen versprachen sich Waldhausens Bürgermeister Herbert Kaufmann und Aalens OB Karl Schübel eine Stärkung der Verwaltungs- und Finanzkraft der neuen Stadt und eine Stärkung ihres Gewichts. Immerhin wurde Aalen so die Kommune mit der größten Markungsfläche im Kreis. Vielleicht, so die leise Hoffnung, war dieser Zusammenschluss ein Signal an andere Gemeinden.

Kaufmann nannte damals als Hauptsorge den Ausbau der Landesstraße 1080 zwischen Himmlingen und Aalen. Dies liege ihm auch am Herzen, ließ der OB wissen, ebenso aber der Bau eines guten Zubringers zur künftigen Autobahn und eine starke Reduzierung des Gefälles auf der Landesstraße 1080. Weitere Anliegen waren eine öffentliche Grünanlage auf dem Gelände des Weihers an der Aalener Straße, Wanderparkplätze vor allem in der Nähe des „Dellenhäule“, ein Verkehrsübungsplatz auf Markung Simmisweiler und der Ausbau einer leistungsfähigen Gastronomie.

Mit Verfügung vom 1. September 1969 genehmigte das Regierungspräsidium Stuttgart die Eingemeindung Waldhausens zum 1. Januar 1970. Vertraglich verpflichtete sich Aalen zu einem Zeitplan für Entwässerungsmaßnahmen und Straßenbau, zur Unterstützung beim Bau eines Kindergartens und der Verbesserung des Friedhofswesens. Die Stadt wollte sich um den Anschluss an die künftige Autobahn kümmern, der über die Markung Waldhausen führen sollte, um neue Möglichkeiten des Wohnungsbaus, um Industrieansiedlung, Fremdenverkehr und Naherholung. Beide Seiten waren sich einig, dass nun das Tor nach Osten aufgestoßen wird wie 1938, bei der Eingemeindung von Unterrombach, nach Westen. Man wollte das Stadt-Land-Gefälle beseitigen und einen Beitrag zur Gebiets- und Verwaltungsreform leisten.

Im Unterschied zu Unterrombach wurde Waldhausen jedoch ein zehnköpfiger Bezirksbeirat zugestanden, der aus den Mitgliedern des seitherigen Gemeinderats bestand. Außerdem waren zwei Sitze für Waldhausen im Aalener Gemeinderat garantiert. Alle Bürger sollten gleichberechtigt sein und in Waldhausen sollte eine städtische Geschäftsstelle eingerichtet werden.

Am 19. Dezember 1969 wurde der Zusammenschluss in der voll besetzten Gemeindehalle – auch auf der Empore war kein Platz mehr frei – gefeiert. OB Schübel betonte, dass der Schritt in absoluter Freiwilligkeit erfolgt sei. Dies sei eine wertvolle Vertrauensbasis für einen glücklichen Zusammenschluss und für ein großes und leistungsfähiges Gemeinwesen. Bürgermeister Kaufmann äußerte die Überzeugung, Waldhausen gehe mit Aalen einer glücklichen Zukunft entgegen. Der katholische Pfarrer Szymanski verband die Glückwünsche der Kirchen mit der augenzwinkernden Hoffnung auf eine unauflösliche Ehe.

Der Festakt aus Anlass der Eingemeindung Waldhausens vor über 50 Jahren findet an diesem Freitag, 1. Juli, um 19 Uhr in der Gemeindehalle in Waldhausen statt. Musikalisch umrahmt wird er vom Musikverein Waldhausen, nach dem offiziellen Teil unterhält Bernd Czich (Strahler) mit Musik aus den 70er-Jahren. Reden halten Ortsvorsteher Patrizius Gentner und OB Frederick Brütting, Stadtarchivar Georg Wendt hält einen Vortrag zur Eingemeindung Waldhausens, außerdem wird ein Kurzfilm „Waldhausen im Wandel der Zeit“ präsentiert.