Ufermauer

Ufermauer mit subtiler Botschaft

Aalen-Wasseralfingen / Lesedauer: 2 min

Die „Hölderlinwand“ am Sieger-Köder-Weg ist eine Brücke in die Gegenwart
Veröffentlicht:29.05.2017, 20:08
Aktualisiert:23.10.2019, 05:00

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Es ist eine sinnige Reminiszenz auf Beton und mit Boot: Wortfragmente aus Hölderlins Roman „Hyperion“, ein Zitat aus einem Brief von Sieger Köder und die literaturgeschichtliche Betrachtung von Hermann Bausinger . Diese drei Persönlichkeiten erfüllen mit ihrem Dreiklang die Kocherinsel „Im Kies“. Da also, wo sich die Kunst am Sieger-Köder-Weg verdichtet. Der hat nun mit der „Hölderlinwand“ von Joachim Wagenblast und Andreas Welzenbach einen weiteren sinnierenden wie hintersinnigen „Denkstein“. Hermann Bausinger war extra zur „Enthüllung“ der Uferwand gekommen.

Perle auf dem Kunstweg

Die „Hölderlinwand“ ist quasi die Fortsetzung der Ausstellung „S‘ Ländle“ vom Bund für Heimatpflege mit anderen Mitteln und eine weitere Perle auf dem Kunst-Weg. Sie erschließt sich bei oberflächlicher Betrachtung nicht sofort, das ist durchaus gewollt und Hilfe gibt es ohnehin auf der Hinweistafel. Auf dem grauen Zweckbau gegen Hochwasser stehen Wortbausteine aus dem wohl bekanntesten Roman von Friedrich Hölderlin, „Hyperion“. Worte und Halbsätze wie „Albluft“, „Übernacht ich im Dorf“. Diese Wortfragmente sind in der deutschen gedruckten Frakturschrift (ab dem 18. Jahrhundert) geschrieben. In Blau.

Darunter in Gelb und als Verbindung zu den Wasseralfinger Stadtfarben steht in einem Art Graffiti-Stil einer dieser augenzwinkernden Köder-Sätze – „So dacht‘ ich nächstens mehr.“ Wagenblast hat ihn aus einem Brief von Köder. An der Ufermauer ist ein Boot festgemacht. Keiner der für Tübingen typischen Neckar-Kähne, sondern ein indianischer Einbaum. Den hat wieder Wagenblast als rastloser Sammler und Kunst-Archivar irgendwie, irgendwo aufgetrieben und schwimmt parallel mit seiner Spitze zum Wort „Kahnfahrt“.

Kunst überall im Land verteilt

Bausinger, der emeritierte Professor an der Uni Tübingen, geht vor der Lesung aus seiner neuen „Schwäbischen Kulturgeschichte“ detailreich ein auf seine persönlichen Bezüge zu Köder. Auf seine Kunst, die „überall im Land verteilt ist und darüber hinaus, im Ostalbkreis verdichtet und in Wasseralfingen nochmal verdichtet ist“. Die „Hölderlinwand“ an diesem „idyllischen, perfekten Platz“ (Ortsvorsteherin Andrea Hatam) stellt für Bausinger die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit her. Der Sieger-Köder-Weg ist für eine „naheliegende Erinnerung auf Dauer“, die „gelungene Verbindung zwischen Kunst und Natur“ und für Hatam zudem ein „sehr schönes Alleinstellungsmerkmal“ für Wasseralfingen. Hölderlin liebte die griechische Mythologie und Tradition, Köder seinen Roman „Hyperion“. Und so schließt sich mit der „Hölderlinwand“ der Kreis.