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Rauschgifthandel

Rauschgifthandel in großem Stil

Aalen / Lesedauer: 4 min

Indizienprozess vor dem Landgericht Ellwangen: Drogendealer müssen ins Gefängnis
Veröffentlicht:22.03.2018, 16:32

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Wegen umfangreichen Rauschgifthandels in Aalen und Konstanz hat die Zweite Große Strafkammer des Landgerichts Ellwangen am Donnerstag drei Männer aus dem Kosovo, darunter ein 37 und 39 Jahre altes Brüderpaar, zu empfindlichen Freiheitsstrafen verurteilt. Dem Urteil war ein siebentägiger Indizienprozess mit akribischer Beweisaufnahme und mühsamem Puzzlespiel vorausgegangen. Die drei Angeklagten, die im Raum Aalen wohnten, sitzen seit August 2017 in Untersuchungshaft und wurden aus den Gefängnissen in Stuttgart, Ulm und Karlsruhe vorgeführt.

Die Kammer verhängte gegen zwei der Angeklagten Freiheitsstrafen von jeweils acht Jahren, der Dritte im Bunde muss sieben Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Es ging um Handel mit Kokain und Marihuana in großem Stil (wir berichteten). Von einem Kilogramm Kokain und fast 20 Kilogramm Marihuana im Gesamtwert von rund 300 000 Euro war die Rede. Eine intensive Telekommunikationsüberwachung von Handys mit einem regen SMS-Verkehr, Observationen und die Auswertung von Navigationsgeräten führte zur Überführung der Täter.

Denn in Bezug auf die Rauschgiftgeschäfte gab es verschlüsselte Botschaften wie „Wir können Party machen“, „Wir schneiden den Kuchen um 22 Uhr an“ und „Sandwich und Salat“. Auch von „Jacken und Baumwolle“ und von einem „Karamell“ wurde gesprochen. Das Marihuana konnte bei einer Wohnungsdurchsuchung in Konstanz sichergestellt werden. Das Brüderpaar äußerte sich nicht zur Sache. Der dritte Angeklagte, ein 42-Jähriger, gestand das Geschäft mit dem Marihuana, mit dem Kokain jedoch habe er nichts zu tun, sagte er. Das Gericht ordnete für den Drogensüchtigen auch die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt an.

Der Vorsitzende der Strafkammer, Vorsitzender Richter Bernhard Fritsch , sagte in der Urteilsbegründung, die Kammer habe keinerlei Zweifel an den Taten. Er sprach von einem organisierten Handel mit einem Kilogramm Kokain ab dem 13. Juli 2017. Das Kokain soll für rund 50 000 Euro in Konstanz weiterveräußert worden sein. Auch in das Marihuana-Geschäft seien alle drei eingebunden gewesen, obwohl der 42-Jährige in seiner Einlassung das Brüderpaar hier in Schutz nahm. Fritsch hegte keine Zweifel daran, dass die drei Männer auf dem Weg zu einer Bande waren.

Staatsanwalt spricht von der „albanischen Mafia“

Erster Staatsanwalt Armin Burger hatte in seinem Plädoyer für jeden der Angeklagten wegen gemeinschaftlichen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln eine Freiheitsstrafe von elf Jahren gefordert. Das Rauschgift kam über die Balkanroute nach Konstanz, war er sich sicher. Bei der Aussage „Wir schneiden den Kuchen um 22 Uhr an“ habe es sich weder um den Anschnitt einer Sachertorte noch einer Schwarzwälder Kirschtorte gehandelt. Vielmehr sei von den erheblich vorbestraften Tätern hoch kriminell und konspirativ gesprochen worden.

Das Kokain sei getestet, bezahlt und übergeben worden und habe eine hervorragende Qualität gehabt, so Burger. „In der Zusammenschau ergibt dies ein schlüssiges Bild.“ Aber: „Was wir heute entscheiden, ist nur die Spitze des Eisbergs.“ Burger hatte keinerlei Zweifel an der Tatbeteiligung der Brüder. Sie seien in die Anbahnung, Abwicklung und Organisation des Geschäfts eingebunden gewesen. Andere hingegen hätten die Drecksarbeit gemacht. Das Brüderpaar sei Teil einer kriminellen Organisation, sagte Burger und sprach von der „albanischen Mafia“, von einem arbeitsteiligen Vorgehen und vom Verwenden von Wegwerfhandys. Und: „Alle drei sind Berufsverbrecher und in höchstem Maße schwerst kriminell.“ Burger lobte die kriminalistische Sisyphusarbeit der Polizei. „Wir haben knapp 20 Kilogramm Marihuana. Das sind 147 000 Konsumeinheiten für den Erstkonsumenten.“

Verteidiger, Rechtsanwalt Daniel Mahler (Ulm), beantragte für seinen Mandanten ebenso Freispruch wie Rechtsanwalt Uwe Böhm (Ulm), der den zweiten Bruder verteidigte. Rechtsanwalt Peter Hubel (Aalen) forderte für seinen drogen- und alkoholabhängigen, geständigen, aber einschlägig vorbestraften Mandanten eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und Unterbringung in eine Entziehungsanstalt. Hinsichtlich des Kokainhandels jedoch verlangte Hubel Freispruch.