Konzerttournee

Organist aus Sankt Petersburg begeistert Musikfreunde in Aalen

Aalen / Lesedauer: 2 min

Organist aus Sankt Petersburg begeistert Musikfreunde in Aalen
Veröffentlicht:30.05.2011, 21:10
Aktualisiert:25.10.2019, 18:00

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Zum dritten Mal machte der russische Orgelvirtuose Michail Tschitscherin auf seiner internationalen Konzerttournee Station in Aalen. Dekan Dr. Pius Angstenberger hieß den aus Sankt Petersburg stammenden Künstler am Sonntag in der Marienkirche willkommen. Trotz seiner ausgezeichneten Qualifikation erhalte der renommierte Organist aus politischen Gründen in seinem Land keine Unterstützung. Konzertmöglichkeiten in Russland oder in der Ukraine, wo er jetzt lebe, gebe es nur noch ganz selten. Dazu komme, dass die orthodoxe Kirche keine Instrumente vorsehe und teilweise sogar Orgelmusik verbiete, sagte der Dekan. Die einzige Möglichkeit, als Künstler überhaupt bestehen zu können, liege in den Konzerten im Westen. Deshalb lade die Kirchengemeinde Sankt Maria diesen bedeutenden Organisten gerne zu Konzerten ein.

Weiträumige Melodiebögen

Mit der Passacaglia d-Moll von Johann Kaspar Kerll, einem Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs , eröffnete Tschitscherin sein Programm. Verhaltene Klänge entwickelten sich zu weiträumigen Melodiebögen, deren helle Klarheit in reizvollem Kontrast zum dynamischen Profil wuchtiger Bassregister standen.

Mit faszinierender Leichtigkeit umrankten die dekorativen Passagen die wechselnde Thematik des Werkes. Bachs Präludium und Fuge a-Moll präsentierten sich eingangs wie ein Sturzbach sich jagender Läufe, aus denen sich erst allmählich transparente Strukturen bildeten. Die Fuge registrierte Tschitscherin in leuchtenden Farben über einem warmen Bassfundament. Das Spiel der auf- und absteigenden Bewegungen des fantasievollen Werkes mündeten in ein beeindruckendes Finale. Romantische Klangwelt brachte Mendelssohns Sonate d-Moll ins Programm.

Mystisch anmutende Hymnen prägten den ersten Teil. Kontinuierliche Melodieführung ließen die Serie sich auftürmender Klangpyramiden stets transparent und klar gegliedert wirken. Souveränes Hinauszögern von Höhepunkten korrespondierte mit wilder Beschleunigung. Das verlieh der ideensprühenden Komposition große Wirkung.

Tröstlich und beruhigend

Ein zartes Wiegenlied mit einem tröstlichen und beruhigenden Medienreigen leitete den abschließenden Programmteil ein, der sich nach Frühbarock und Romantik etwas modernerer Musik zuwandte. Alexandre Guilmant (1837-1911), der Komponist des Wiegenliedes, belebte die Pariser Orgelmusikszene mit neuen, interessanten Effekten.

Kaum war das innige Wiegenlied ausgeklungen, riss in der folgenden Sonate d-Moll von Guilmant ein Schwall kraftvoller Akkorde den Zuhörer in die harte Realität zurück. Das volle Werk der Marienorgel verströmte mitreißende Klangpracht. Schrille metallene Register kontrastierten mit wummernden Bassstimmen und das in rasantem, atemberaubenden Tempo. Nach dem gewaltigen Finale hörte sich der Applaus der leider nur wenigen, aber doch dankbaren Zuhörer etwas dünn an. Dank gebührt auch Johannes Vogel, einem jungen Organisten in Sankt Maria, der geschickt und kundig Registrierhilfe leistete.