Wohnraum

Mehr Wohnraum für schmale Geldbeutel

Aalen / Lesedauer: 4 min

Zuschusssystem schafft Anreize für Bauherren – Belegungsrechte für mittlere Einkommen
Veröffentlicht:30.05.2016, 20:10
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Aalen will nicht nur den sozialen Wohnungsbau vorantreiben. Die Stadt plant auch, mehr Wohnraum für Haushalte mit mittlerem Einkommen freizumachen. Als Anreiz sollen Bauherren und Wohnungsbesitzer künftig einen Zuschuss erhalten. Die genauen Richtlinien hierzu hat nun eine Arbeitsgruppe entwickelt. Die Vorlage soll am 16. Juni vom Gemeinderat beschlossen werden. Vorberatungen finden am Donnerstag, 2. Juni, im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung statt. Vorab haben Oberbürgermeister Thilo Rentschler, Aalens Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle und Robert Ihl , Geschäftsführer der Wohnungsbau Aalen, in einem Pressegespräch über die Vorhaben informiert.

Im Oktober 2015 hat der Gemeinderat die Grundzüge des Aalener Modells zur Wohnraumförderung beschlossen (wir berichteten). Dieses Modell besteht aus drei Bestandteilen: Erstens will die Stadt beziehungsweise die Wohnungsbau Aalen GmbH Baugrundstücke vergünstigt an Bauherren abgeben, die sich verpflichten, darauf Sozialmietwohnungen zu bauen. Zweitens will die Stadt an neuen und gebrauchten Wohnungen Belegungsrechte für mittlere Einkommensbezieher erwerben. Drittens verzichtet die Wohnungsbau Aalen zunächst für vier Jahre auf eine Ausschüttung von Dividenden. Die frei werdenden Mittel werden zweckgebunden zum Bau von Sozialwohnungen verwendet.

Zuschuss für Bauherren

Derzeit sind bei der Wohnungsbau Aalen mehr als 300 Haushalte geführt, die eine Sozialmietwohnung suchen. Beim Grundsatzbeschluss im Jahr 2015 wurde vorgeschlagen, dass die Stadt Aalen Grundstücke für den Bau von Sozialmietwohnungen zur Verfügung stellt. Demnach könnten allerdings nur Bauvorhaben gefördert werden, die auf Grundstücken entstehen, welche die Stadt verkauft. Um das Vorhaben auszuweiten, schlägt die Stadtverwaltung nun vor, einen generellen Zuschuss an Bauherren zu gewähren, die sich verpflichten, Sozialmietwohnungen neu zu errichten. Die Höhe des Zuschusses liegt bei 180 Euro pro Quadratmeter bei einer verpflichtenden Laufzeit von 15 Jahren. Damit sollen wirtschaftliche Verluste ausgeglichen werden. So würde sich beispielsweise der gesamte Zuschuss einer 75-Quadratmeter-Wohnung auf 13500 Euro belaufen.

Über die Zuschüsse soll der Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung entscheiden. Das Bau- und Liegenschaftsamt überprüft jährlich, ob die Wohnung korrekt belegt ist. Im Haushalt 2016 sind für diese Zuschussförderung 90000 Euro, für die beiden Folgejahre jeweils 45000 Euro vorgesehen, sodass bei einer durchschnittlichen Wohnungsgröße von 75 Quadratmetern circa 13 Sozialmietwohnungen in den nächsten drei Jahren durch die Stadt gefördert werden können. Zusätzlich erhält der Wohnungsbesitzer Fördermittel vom Land Baden-Württemberg.

Auch Wohnungen für mittlere Einkommensbezieher will die Stadt fördern. Aalen erwirbt hierzu Belegungsrechte an neuen und gebrauchten Wohnungen. Bauherren und Wohnungsbesitzer, die sich verpflichten, ihre Wohnungen an Haushalte mit mittlerem Einkommen zu vermieten, bekommen den Differenzbetrag zur ortsüblichen Vergleichsmiete erstattet. Der Mieter zahlt dafür eine ermäßigte Miete, die sich aus dem Haushaltseinkommen und der Personenzahl im Haushalt errechnet. Ein Beispiel: Ein Dreipersonenhaushalt mit einem monatlichen Gesamteinkommen von 62725 Euro zahlt nur 85 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete. Den Differenzbetrag zahlt die Stadt.

Aufwandspauschale für Vermieter

Zusätzlich erhält der Vermieter eine Aufwandspauschale. „Insgesamt erhält er damit zwischen acht und zehn Prozent mehr Miete, als er üblicherweise einnehmen würde“, sagt Ihl von der Wohnungsbau Aalen. Die Stadt rechnet pro Belegungsrecht mit Kosten von 1700 bis 1900 Euro pro Jahr. Es ist ein Förderzeitraum von zehn Jahren vorgesehen. Würde die Stadt also 50 Wohneinheiten zehn Jahre lang auf diese Weise fördern, hätte sie Mehrkosten von circa 900000 Euro, macht jährlich 90000 Euro.

Die Stadt plant noch zahlreiche weitere Maßnahmen, um neuen Wohnraum in Aalen zu schaffen. So soll nicht oder kaum genutzter Bestand im Stadtgebiet reaktiviert werden (wir berichteten). Bürgermeister Steidle nannte als Beispiel, alte landwirtschaftliche Gebäude abzureißen, um auf den frei werdenden Flächen neu zu bauen. In Dorfquartieren der 50er und 60er Jahre wolle die Stadt zudem umfangreiche Sanierungen bezuschussen. Damit soll die Innenstadtentwicklung weiter vorangetrieben werden.

Die Wohnungsbau Aalen GmbH hat noch zahlreiche eigene Bauvorhaben in Planung. In der Kernstadt und den Ortschaften sollen in den kommenden acht Jahren auf circa fünf Hektar Grundstücksfläche weitere 390 bis 400 Wohneinheiten entstehen. Die Grundstücke sind überwiegend bereits erschlossen, teilweise laufen noch Verhandlungen. Die Grundstücke haben einen Gesamtwert von 9,5 bis zehn Millionen Euro (inklusive Grunderwerbssteuer). Die geplanten Bauinvestitionen machen zusätzlich 90 Millionen Euro aus. Die Wohnungsbau Aalen investiert hier also insgesamt 100 Millionen Euro.

Projekte der Wohnungsbau Aalen GmbH

Von den neu entstehenden Wohnungen will die Wohnungsbau Aalen 50 Prozent verkaufen (auch zur Vermietung) und 50 Prozent selbst vermieten, davon 111 als Sozialmietwohnungen.

So sind in Hofen acht neue Wohneinheiten geplant (davon zwei Sozialmietwohnungen), in Wasseralfingen 51 (16 Sozialmietwohnungen), in der Kernstadt nach derzeitigem Stand bis zu 285 (75), in Unterkochen 26 (16), in Unterrombach/Hofherrnweiler acht (drei) und in Dewangen 15 (vier).

Robert Ihl, Geschäftsführer der Wohnungsbau Aalen, nannte stellvertretend die Memellandstraße. Hier sollen ab dem Frühjahr 2017 22 neue Wohneinheiten (vier Sozialbau) entstehen. Im Langäcker in Unterkochen sind die Bauarbeiten bereits gestartet, hier gibt es bald elf neue Wohneinheiten (elf).