Diözese

Krise: Der Kirche gehen die Pfarrer aus

Aalen / Lesedauer: 3 min

Pfarrer Stefan Ziellenbach macht sich Sorgen und sieht in dem angekündigten Dialog den richtigen Weg
Veröffentlicht:29.04.2011, 20:50
Aktualisiert:25.10.2019, 18:00

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Dass die katholische Kirche momentan eine tiefe Krise durchmacht, ist für Pfarrer Stefan Ziellenbach keine Frage. Die Auswirkungen bekommen die Menschen allmählich zu spüren: Weil in immer mehr Gemeinden der Pfarrer fehlt. Der Diözese drohen der Nachwuchs und damit die Pfarrer auszugehen. Denn im Priesterseminar in Rottenburg bereitet sich zurzeit ein einziger junger Mann auf die Priesterweihe vor.

Dass immer weniger junge Menschen einen kirchlichen Beruf ergreifen wollen, führt Ziellenbach, der innerhalb der Seelsorgeeinheit Oberkochen hauptsächlich die katholischen Christen in Ebnat und Waldhausen betreut, auf einen allgemeinen gesellschaftlichen Trend zurück: auf eine Gesellschaft, der die Stabilität fehlt. Man wolle sich immer weniger in verbindliche Lebensformen fügen, was sich an den hohen Scheidungsraten ablesen lasse. Der Beruf des Pfarrers sei überdies mit hohen Anforderungen und mit einem besonderen Lebensstil verbunden, mit dem Zölibat und damit dem Verzicht auf Ehe und Partnerschaft. Viele Menschen hätten aber auch schlicht Angst vor der Zukunft.

Erst unter Druck reagiert

Die Krise der Kirche sei im vergangenen Jahr verschärft worden durch die Missbrauchsfälle oder genauer gesagt durch die Art, wie die Kirche mit ihnen umgegangen sei. Man habe versucht, alles unter der Decke zu halten und erst unter Druck so nach und nach Fehlverhalten eingeräumt. Die Kirche habe hilflos agiert, ihre Glaubwürdigkeit sei geschrumpft. Ziellenbach: „Im Glaubensbekenntnis ist von der heiligen katholischen Kirche die Rede, aber da war sie nicht durchgehend heilig. Und diese Spannung ist durchaus wahrgenommen worden.“

In dieser Situation hat Bischof Dr. Gebhard Fürst aus Sicht des Ebnater Pfarrers den richtigen Weg gewiesen, indem er einen Dialog über alle Themen angekündigt hat. Wobei noch offen ist, ob wirklich über alles geredet werden darf. Ziellenbach: „Es scheint so zu sein, dass Zölibat und Frauenpriestertum aus dem Dialog herausgehalten werden sollen.“ Zumal eine tief greifende Änderung in diesen Themenfeldern ohnehin von Rom ausgehen müsste. Ziellenbach: „Reformen in die Richtung, dass der Zölibat aufgehoben wird und Frauen zum Priestertum zugelassen werden, sind unter dieser Kirchenleitung nicht denkbar.“ Dies umso weniger, als aus Sicht der römischen Zentrale die Personalsituation in Deutschland vergleichsweise gut sei, weil in anderen Ländern ein Pfarrer deutlich mehr Gläubige betreuen müsse.

Ziellenbach wünscht sich aber nicht nur einen Dialog. „Es müssen auch Ergebnisse erzielt werden.“ Und wenn nicht, was dann? „Die Kirche wird schrumpfen und dann wird dauerhafter Schaden entstehen“, befürchtet der Geistliche. Denn es sei nicht das Wesen der Kirche zu schrumpfen, sie habe einen weltumfassenden, missionarischen Anspruch. Der aber sei nur einzulösen, wenn es weiterhin den Pfarrer vor Ort gebe, der für die spirituelle Mitte der Gemeinde, die Eucharistie, unentbehrlich sei. Außerdem würde ohne Pfarrer das heute noch große Engagement der Ehrenamtlichen erlahmen, fürchtet er.

Ziellenbach macht sich also um die katholische Kirche große Sorgen, wenngleich er sofort hinzufügt, die Diözese Rottenburg-Stuttgart sei in einer vergleichsweise guten Situation als eine der fortschrittlichsten in ganz Deutschland mit einem hervorragenden Dialogklima. „Wir bräuchten noch viel mehr Bischöfe, die ihre Gemeinden dazu ermutigen.“

Auch auf dem Härtsfeld droht auf absehbare Zeit keine pfarrerlose Zeit. In der Seelsorgeeinheit sei vor zwei Jahren ein neues Modell eingeführt worden, wobei er und sein Oberkochener Kollege Andreas Macho die Leitung in Kooperation übernommen habe. Er trage sich mit keinen Abwanderungsgedanken, denn: „Hier läuft’s gut.“