Grippe

Für manchen ist Grippe bereits ein Notfall

Aalen / Lesedauer: 2 min

Einsatzzahlen steigen beim Rettungsdienst stetig an – Die 112 wird immer öfter gerufen
Veröffentlicht:28.04.2016, 20:33
Aktualisiert:23.10.2019, 16:00

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In manchen Städten im Ländle sind die Rettungsdienste seit einiger Zeit ungehalten. Sie beklagen, dass sie immer mehr zu Einsätzen ausrücken müssen, bei denen es sich um Wehwehchen handelt. Vor allem am Wochenende würden zudem vermehrt Betrunkene den Notruf 112 wählen, anstatt sich in die Notfallpraxis zu begeben oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu rufen. Dass die Einsatzzahlen insgesamt auch im Ostalbkreis stetig ansteigen, kann der Leiter der DRK-Rettungsleitstelle, Marc Sachsenmaier, bestätigen. Aber so dramatisch, wie es seine Kollegen in Freiburg jüngst im Fernsehen dargestellt haben, sei es nicht.

Hemmschwelle ist gesunken

Einsätze wegen Lappalien wie einem eingewachsenen Zehennagel oder einem blutenden Finger habe es schon immer gegeben. „Allerdings kann ich keine dramatisch zunehmende Tendenz erkennen“, sagt Sachsenmaier. Und auch Anrufe von Betrunkenen, die am Wochenende Hilfe benötigen, hielten sich in Grenzen, sagt der Bezirksgeschäftsführer der Malteser, Torsten Felgenhauer. Was allerdings schon festzustellen sei, ist, dass die Hemmschwelle, die 112 zu wählen, gesunken sei. Sachsenmaier führt das unter anderem darauf zurück, dass die Menschen mit Blick auf Krankheiten einfach sensibilisierter sind als früher. „Vor 25 Jahren hat man halt einen Schlaganfall gehabt, heute werden die Anzeichen für einen solchen frühzeitig erkannt.“

Wer bei der Rettungsleitstelle anruft, dem wird geholfen. Hier entscheiden die Mitarbeiter, ob der Rettungsdienst ausrückt oder der ärztliche Bereitschaftsdienst, also Ärzte, die nachts, an Wochenenden und an Feiertagen Patienten ambulant behandeln. Dieser kann seit Mai vergangenen Jahres unter 116 117 erreicht werden. Wer diese Nummer wählt, schlägt genauso bei der Rettungsleitstelle auf wie Bürger, die die 112 wählen.

Den Notruf nicht blockieren

Die Notrufnummer sollte idealerweise nur bei lebensbedrohlichen Zuständen gewählt werden. „Doch für manche kann bereits eine schwere Grippe eine große Not sein“, sagt Sachsenmaier, der es keinem verwehren möchte, die 112 zu wählen. Doch im Falle einer Erkältung sei schon zu überlegen, ob nicht besser unter 116 117 Hilfe angefordert wird, um nicht den Notruf für schwerwiegende Fälle zu blockieren. Bei nicht lebensgefährlichen Erkrankungen sollte außerhalb der Sprechstundenzeiten beim Hausarzt in erster Linie ohnehin die Notfallpraxis im Krankenhaus die erste Anlaufstelle sein. Beim ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen soll nur, wer aus medizinischen Gründen nicht selbst zur Notfallpraxis fahren kann.

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