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Lokale Historie

Früher gab’s in Aalen Christbäume nur beim Moosbrugger

Aalen / Lesedauer: 4 min

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden Tannen in der Stadelgasse 8 verkauft. Eine Infotafel erinnert noch an diese längst vergangene Zeit. Warum dieses Geschäft eine Notlösung war.
Veröffentlicht:07.12.2023, 05:00

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Vor einigen Baumärkten und beim Westside Center im Aalener Industriegebiet stehen sie schon in Reih und Glied. Auch auf dem Haldenhof in Hofen gibt es bereits Nordmanntannen und Blaufichten.

In der Vorweihnachtszeit wird es demnächst auch an anderen Stellen, unter anderem vor Supermärkten, Christbäume zu kaufen geben. Vor rund hundert Jahren gab es diese Auswahl noch nicht.

Der Einzige, der in Aalen Weihnachtsbäume verkaufte, war Karl Moosbrugger, Urgroßvater des heutigen Schaustellers Dietmar Kübler, der derzeit mit seinem Almstadel und zwei Ständen auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Spritzenhausplatz präsent ist.

Familie Kübler prägte die Aalener Weihnacht

Die Familie Kübler gehört zur Vorweihnachtszeit einfach dazu. Seit Beginn des Budenzaubers unter den Platanen mischt sie hier mit. Noch bevor es den Weihnachtsmarkt überhaupt gab, waren die Küblers bei den legendären Glühwein- und Bratapfelsonntagen in den 1970er-/1980er-Jahren mit ihrem Naschstand vor dem Alten Rathaus vertreten.

Diese Zeit nicht mehr erlebt hat Karl Moosbrugger, der 1966 im Alter von fast 85 Jahren verstorben ist. Er war derjenige, der 1921 den Schaustellerbetrieb gründete und der Erste, der die Aalener mit Christbäumen versorgte.

So wie wir heute auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein, gebrannte Mandeln und Co. verkaufen, war damals der Christbaumverkauf die Einnahmequelle meines Urgroßvaters.

Dietmar Kübler

Discounter und Baumärkte gab es vor dem Zweiten Weltkrieg in der heutigen Kreisstadt nicht. Weihnachtsbäume konnten die Aalener Mitte der 20er-Jahre nur in dem kleinen Hof gegenüber des Hauses in der Kreuzstraße 8, heute Stadelgasse 8, dem sogenannten „Moosbrugger Höfle“ zwischen der Taverne Dionysos (früher „Fenstergucker“) und dem Hintereingang des Geschäfts „Vom Fass“ erwerben.

Christbaumverkauf als Notlösung

Hier lebte der umtriebige Schausteller Karl Moosbrugger, der gemeinsam mit seiner Frau Marie 1919 das Gebäude kaufte. Die Idee zum Christbaumverkauf entstand aus der Not heraus, um in der Winterzeit, in dem das Schaustellergewerbe mit Kettenkarussell, Schiffschaukel und Losschießbude stillstand, über die Runden zu kommen, erinnert sich Dietmar Kübler.

„So wie wir heute auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein, gebrannte Mandeln und Co. verkaufen, war damals der Christbaumverkauf die Einnahmequelle meines Urgroßvaters.“

Extra in Zuchtanlagen gepflanzte Nordmanntannen gab es damals noch nicht. Geschlagen wurden Weißtannen und Rottannen in den Wäldern rund um Aalen von Moosbrugger selbst. Die Erlaubnis dazu haben ihm die Eigentümer, meist Bauern, erteilt, die die Bäume, die gefällt werden durften, mit einem Zettel markiert hätten.

„Bezahlt wurde schließlich bei Vesper und Most“, sagt Dietmar Kübler, der aus Erzählungen weiß, dass für die Aalener Prominenz besonders schöne Bäume ausgesucht worden seien.

Die Tradition hielt sich bis 1990

Die weniger schönen Exemplare seien zu Reisig verarbeitet worden, der dann von Aalener Bürgern zum Abdecken von Gräbern auf den Friedhöfen, vor allem auf dem Sankt-Johann-Friedhof, abgeholt wurde oder dorthin auch geliefert worden sei.

Nach dem Tod von Moosbrugger pflegte Dieter Weber, Ehemann von Moosbruggers Enkelin, die Tradition bis 1990 weiter. Mit dem Aufkommen des Christbaumverkaufs auf dem Wochenmarkt und der Eröffnung des Gartencenters Dehner sei diese eingestellt worden, weil sie sich nicht mehr gerechnet habe, sagt Dietmar Kübler.

Noch heute erinnert eine Infotafel an einer Laterne in der Stadelgasse 8 an den dortigen Christbaumverkauf unter anderem mit den Worten „Die Erfahrung zeigte: Egal wie groß der Hunger oder wie knapp das Geld -Einen Christbaum wollen die Aalener immer haben.“

Neubau in der Stadelgasse

Auf Wunsch von Dietmar Kübler habe die Stadt nach Verkauf des Gebäudes im Jahr 2016 und dessen Abbruch vor rund fünf Jahren die Tafel anbringen lassen. Und auch anderweitig lebt der Name Moosbrugger weiter, sagt der 57-Jährige und zwar in der Erlebnisgastronomie im Almstadel auf dem Weihnachtsmarkt, der hier unter dem Namen „Küblers von Moosbrugger Hüttenzauber“ betrieben wird.

Auf dem Grundstück in der Stadelgasse 8 soll in naher Zukunft ein Neubau entstehen, die Suche nach einem Investor läuft, sagt die Pressesprecherin der Stadt Aalen, Karin Haisch. Wenn ein solcher erstellt ist, werde die Infotafel über den Christbaumverkauf auf dem „Moosbrugger Höfle“ an dem neuen Gebäude angebracht.