Frust

Essingen leidet unter VfR-Vandalen

Aalen / Lesedauer: 4 min

Gemeinde fühlt sich vom Verein und der Polizei im Stich gelassen – Fangruppierungen distanzieren sich
Veröffentlicht:31.03.2016, 20:58
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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Wütende E-Mails, zahlreiche Anrufe und persönliche Beschwerden: Essingens Bürgermeister Wolfgang Hofer hat in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Der Grund: Die Gemeinde leidet unter den Schmierereien und Klebeaktionen selbsternannter angeblicher VfR-Aalen-Fans. Essingen fühlt sich vom Verein und der Polizei im Stich gelassen.

Seit geraumer Zeit leide die Gemeinde unter den Vandalen, berichtet der Bürgermeister, doch erst jetzt entlade sich der gesamte Frust der Essinger und lande bei ihm auf dem Schreibtisch. „Die Beschwerden der Bewohner sind bitterböse – allein zehn davon kamen seit vergangener Woche bei mir an“, erklärt er. Bushaltestellen seien so verunstaltet worden, dass der Maler anrücken muss. Einen Ortsplan hätten die Unbekannten großflächig bemalt. Der Schaden: 1400 Euro. Auch Laternenmasten wurden so zugeklebt und schwarz-weiß bepinselt, dass das Reinigen unmöglich wurde. Hofer vermutet hinter den Aktionen, die bislang bis zu 15000 Euro an Geldern verbrannt haben, Anhänger oder Sympathisanten der „Crew Eleven“, einer Ultragruppierung des VfR Aalen. „Durch diese Aktionen wird der Verein doch lediglich in den Schmutz gezogen“, sagt er sauer.

Regelmäßige Gespräche zwischen Stadt, Verein und Polizei

Bernhard Kohn warnt jedoch davor, voreilige Schlüsse zu ziehen: „Aufgeschmierte und -gesprayte Crew-Eleven-Symbole könnten auch von anderen genutzt worden sein, um diese Gruppierung schlecht aussehen zu lassen“, sagt der Sprecher des Aalener Polizeipräsidiums.

Dass der Vandalismus auf den VfR Aalen zurückfällt, ärgert auch Markus Thiele, Sicherheitsbeauftragter des VfR Aalen: „Es könnte jemand sein, der dem VfR Aalen schaden will, weil sich der Verein in eine gute Richtung bewegt“, mutmaßt er. Der Verein stehe in engem Austausch mit den Fangruppierungen und spreche das Thema dort immer wieder an. „Die Fangruppierungen distanzieren sich ganz klar von solchen Aktionen, denn sie versuchen ja, den VfR Aalen mit nach vorne zu bringen“, sagt Thiele. Dennoch: „Wir können leider nicht nachvollziehen, ob es sich bei den Schmierern um Mitglieder der Ultraszene handelt, oder ob da Unbeteiligte aus dem Dunstkreis des VfR im Verborgenen tätig sind.“

Auch bei gemeinsamen Gesprächen zwischen Stadt, Verein, Polizei, Sicherheitskräften und Fanbeauftragten geht es regelmäßig um das Thema Vandalismus. Viel mehr könne der Verein aber nicht ausrichten, sagt Thiele: „Wir können ja nicht selbst Nachtstreifen fahren.“

Bei aller Leidenschaft für den VfR, so Bürgermeister Hofer, haben es die Essinger satt. Nun sei eine Belohnung ausgesetzt worden: 500 Euro für Hinweise, die den Täter überführen. Gleichzeitig fühlt sich der Bürgermeister im Kampf gegen die Vandalen von dem Verein und der Polizei „im Stich gelassen“. Er vermutet, dass man aufgrund des „noch zu geringen Schadens“ die Fälle nicht intensiv verfolge. Diese harsche Wortwahl kann die Polizei nicht nachvollziehen. „Für die Enttäuschung habe ich Verständnis“, so Bernhard Kohn, im Stich lasse man aber keinen. „Wir können nicht an jeden Laternenmasten einen Polizisten stellen“, kritisiert der Sprecher des Aalener Polizeipräsidiums die Aussage und zeigt sich für konstruktive Lösungsvorschläge offen. Es sei aber schwer, da beispielsweise massenweise Sticker im Internet für wenig Geld gekauft werden können.

30 Fälle bearbeitet die Polizei allein in Essingen

Darüber hinaus handele es sich um ein aktuelles gesellschaftliches Problem. „Wie die Lemminge warten manche, um neue Stromkästen und Ähnliches zu beschmieren.“ 30 solcher Fälle bearbeite die Polizei aktuell in Essingen. Ein Beamte sei am Donnerstag vor Ort und dokumentiere neue Schäden. Nicht nur in der Gemeinde, auch entlang der Bundesstraße Richtung Ellwangen, in Böbingen und in Trochtelfingen hat es bereits Ärger wegen VfR-Aufklebern gegeben. Den Vorwurf, dass das Präsidium nicht mit Hochdruck ermittele, lässt Kohn aber nicht auf sich sitzen. „Ich mutmaße ja auch nicht, was in den Rathäusern gearbeitet wird“, sagt der Sprecher und merkt an, dass die Gemeinde die neuen Schmierattacken bislang nicht angezeigt hat. Er gibt aber auch zu, dass noch kein Täter ermittelt wurde. Vor allem Zeugen seien bei solchen Fällen wichtig.

Um die Sache zu klären, nahm Bürgermeister Hofer am Donnerstag Kontakt zum VfR auf. Mitte nächster Woche wollen sich die Gemeinde Essingen und der Verein gemeinsam an einen Tisch setzen.