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Inflation

So teuer wird das Schul- und Kitaessen in Aalen 

Aalen / Lesedauer: 5 min

Ab 2024 zahlen Eltern mehr, wenn ihr Kind in der Schule oder in der Kita etwas essen soll. 2025 wird es nochmal teurer. Wie die Stadt das rechtfertigt und was noch teurer wird.
Veröffentlicht:04.12.2023, 11:54

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Das Essen an den Aalener Schulen und Kitas wird zum Jahresbeginn 2024 teuer. Statt vier Euro für ein Mittagessen im Ganztagsbereich zahlen Eltern dann 4,30 Euro. Ab Januar 2025 kostet es noch mehr, nämlich 4,60 Euro.

Mehr Qualität beim Essen ist für die Schülerinnen und Schüler elementar

Kevin Erath

Der Erhöhung hat der Gemeinderat mehrheitlich zugestimmt. Mit dem Preis soll aber auch die Qualität steigen. Deshalb hat die Stadt im September eine Ernährungswissenschaftlerin eingestellt. Und bis Anfang 2025 soll ein städtisches Konzept erstellt werden.

„Es geht um zwei Seiten einer Medaille“, warb Oberbürgermeister Frederick Brütting in der jüngsten Sitzung um Zustimmung zu den Plänen. Mit der Preiserhöhung gehe mehr Qualität einher. Auch der Jugendgemeinderat habe sich mit dem Thema befasst und ein positives Votum abgegeben.

Bündel an Maßnahmen wurde beschlossen

Was dessen Sprecher Kevin Erath bestätigte. „Mehr Qualität beim Essen ist für die Schülerinnen und Schüler elementar“, sagte er, besonders bei der meist einzigen warmen Mahlzeit des Tages. Die Erhöhung sei moderat und annehmbar.

Aber es ging nicht einfach nur um 30 Cent mehr oder weniger, sondern um ein ganzes Bündel von Beschlüssen, über die einzeln abgestimmt wurde. Erst fiel die Entscheidung über das Mittagessen für 4,30 Euro an den Kitas in städtischer, kirchlicher und freier Trägerschaft.

Dann folgte die gleiche Preiserhöhung an den Schulen im Ganztagsbereich. Beidem stimmten die Gemeinderäte bei fünf Gegenstimmen und zwei Enthaltungen zu.

Halbtags-Schüler dürfen mitessen

Drittens ging es um die Schülerinnen und Schüler, die nur halbtags zur Schule gehen. Sie können künftig am Mittagessen der Ganztagskinder teilnehmen - aber nur dann, wenn sie danach Nachmittagsunterricht haben, ihre Eltern eine Betreuung gebucht haben und die Schule noch Kapazitäten frei hat. Als Beispiel, dass dies nicht selbstverständlich sei, wurde die Greutschule genannt.

Bis dort ein Neubau für die Betreuung fertig sei, werde es an dieser Grundschule nicht möglich sein, ein Mittagessen für Schülerinnen und Schüler im Halbtag anzubieten. Wo dies doch möglich ist, zahlen ihre Eltern so viel, dass die Stadt nichts mehr zuschießen muss: zwischen sechs und acht Euro.

Der Grund: Die Stadt will das Angebot der Ganztagsgrundschule in Wahlform stärken. Ein weiterer Ausbau des Mittagessensangebots für Halbtags-Schüler würde aber den Halbtag attraktiver machen. Gegen diesen Beschluss gab es nur eine Gegenstimme.

Schulkindbetreuung wird ebenfalls teurer

Viertens wird auch die Schulkindbetreuung nicht billiger. Die Elternbeiträge sollen jeweils im Folgejahr automatisch an die Empfehlungen der kirchlichen und kommunalen Landesverbände angepasst.

Durchschnittlich lagen die Erhöhungen in den vergangenen Jahren bei rund 3,7 Prozent. Gegen diese Regelung stimmten sechs Stadträte.

Fünftens kostet auch im Sekundarbereich das Essen bald mehr. Auch hier wird der Preis 2024 und 2025 jeweils um 0,30 Euro erhöht. Diese Entscheidung ging bei sieben Gegenstimmen durch.

Und sechstens will die Stadt mehr Qualität beim Mittagessen der Kinder und beschäftigt deshalb seit September eine Ernährungswissenschaftlerin mit einer halben Stelle. Gegen diesen Beschluss wandte sich nur Thomas Rühl mit einer Gegenstimme.

Monatsbeiträge steigen

Nun die Zahlen. Rund 2000 Kinder erhalten derzeit Gemeinschaftsverpflegung in den städtischen Kitas wie auch an den Schulen im Stadtgebiet. Insgesamt geht es um mehr als 20 Standorte.

Bislang zahlten ihre Eltern fürs Mittagessen pro Monat 75 Euro. Im kommenden Jahr werden es 80 Euro, 2025 dann 85 Euro sein. Auch die weiteren Mahlzeiten werden teurer. Eine Familie, die für ihr Kind neben dem Mittagessen auch Frühstück und Nachmittagsimbiss in Anspruch nimmt, muss ab 2025 insgesamt 110 Euro pro Monat berappen.

Die Erhöhung der Verpflegungsstandards gilt laut Verwaltung trägerübergreifend auch für die Aalener Kitas in kirchlicher und freier Trägerschaft.

Inflation trägt Schuld

Hintergrund: Alles wird teurer, sowohl Nahrungsmittel - sie waren im März 2023 rund 22,3 Prozent teurer als im Vorjahr - als auch die Personalkosten. „Es ist schwierig, Personal zu finden“, erklärte OB Brütting. „Um die Arbeit attraktiver zu machen, sind Lohnanpassungen nötig, sonst haben wir bei der Betreuung Löcher.“ Dies habe auch der Gemeinderat so gewünscht. Und auch die Tarifsteigerungen spiegelten sich wider.

Zum anderen hatte die Stadt bereits zum Jahresende 2022 sowohl von ihrem Getränkelieferanten, als auch von zwei Caterern, die die Kitas und Schulen in Aalen mit Mittagessen versorgen, eine Mitteilung zur Preisanpassung erhalten. Sie verlangen nun vier bis fünf Euro je Essen und liegen somit bereits jetzt über dem Preis, den die Eltern in Rechnung gestellt bekommen, so die Verwaltung.

Rechne man den weiteren Aufwand rund ums Essen dazu, koste das Mittagessen in der Kita und der Schulkindbetreuung die Stadt zwischen 8 und 10 Euro. Insbesondere seien die Portionierung sowie die Vor- und Nachbereitung des Essens sehr personalintensiv.

Stadt zahlt Hunderttausende für Schulessen

Allein im Schulbereich habe die Stadt bei der Versorgung mit Mittagessen im Jahr 2022 dabei insgesamt rund 200.000 Euro aufgewendet, die nicht durch Kostenbeiträge der Eltern gedeckt wurden.

Und schließlich bezeichnet die Stadt eine kindergerechte und gesunde Verpflegung in den Einrichtungen als ein zentrales Anliegen. Deshalb solle zukünftig noch mehr in die Qualität beim Mittagessen investiert werden.

Die neue Ernährungswissenschaftlerin (Ökotrophologin) solle qualitative Standards aufbauen, ein zeitgemäßes Ernährungskonzept für die Einrichtungen entwickeln, Ansprechpartnerin sein und mit den Caterern der Kitas und Schulen zusammenarbeiten.