Radwegenetz

Die Stadt investiert kräftig ins Radwegenetz

Aalen / Lesedauer: 5 min

Zahlreiche Ausbaumaßnahmen für die nächsten Jahre geplant – Teil 1 (5): Stuttgarter Straße im Bereich Neues Tor
Veröffentlicht:29.05.2016, 12:22
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Die Stadt Aalen will kräftig in ihr Radwegenetz investieren. Denn der Radverkehr hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, wie die zuständige Ingenieursgesellschaft Dr. Brenner nach eingehender Analyse darstellt. Im Verkehrsentwicklungsplan 2030 schlagen die Ingenieure eine Reihe von Ausbaumaßnahmen vor. Entwickelt wurden die Vorschläge in einer Arbeitsgruppe, in der unter anderem der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ( ADFC ) Aalen ein Mitspracherecht hatte. Die Aalener Nachrichten stellen in einer fünfteiligen Serie einige Schwerpunkte daraus vor und nennen mögliche Ergänzungsmaßnahmen.

Weil immer mehr Aalener E-Bikes benutzen und auch das Umweltbewusstsein der Bewohner gestiegen ist, werde der Radverkehr in Aalen noch weiter an Bedeutung gewinnen, prognostiziert das Büro mit dem Schwerpunkt Verkehrs- und Straßenwesen. Insbesondere in den Tallagen bestünden für den Ausbau der Radwege ausgezeichnete Voraussetzungen, so das Urteil der Experten. Auf so genannten Umweltachsen sollen dem umweltfreundlichen Verkehr, also Bussen, Radfahrern und Fußgängern, Vorteile eingeräumt werden. Als „Rückgrat des Radwegesystems“ sollen entwickelt werden:

Gartenstraße

Wilhelm-Merz-Straße/Kocherparallele Süd

Gmünder Straße – Friedhofstraße – Kocherparallele Nord

Wasseralfingen – Berufsschulzentrum – Ostalb-Klinikum

Neue Welt-Unterführung – Kettelerstraße – Grauleshof

Ein wichtiges Ziel ist laut Wolfgang Steidle , Erster Bürgermeister von Aalen, ein weiterer Rückbau der alten B 29, die unter anderem durch die Stuttgarter Straße führte.

Für ganz Aalen listen die Experten insgesamt 42 kleinere und größere Maßnahmen auf, die entweder kurzfristig (innerhalb von fünf Jahren), mittelfristig (in fünf bis zehn Jahren) oder langfristig (in mehr als zehn Jahren) realisiert werden sollen. Ein Kernstück ist die aufwendige Umgestaltung im Bereich Neues Tor (Stuttgarter Straße zwischen Landratsamt und Amtsgericht ). Die Umsetzung ist mittelfristig geplant.

Steidle: ein großer Wurf

Auf der Stuttgarter Straße schlagen die Planer vor, zwischen Landratsamt und Amtsgericht mehrere recht breite Grünstreifen anzulegen. Bisher gibt es hier nur vereinzelte Querungshilfen, also kleine Inseln in der Mitte der Fahrbahn. Die Grünstreifen haben erstens den Effekt, dass die Autospuren kurz vor der Einmündung zum östlichen Arm der Wilhelm-Merz-Straße (weiter oben beim Amtsgericht) von zwei auf eine reduziert werden. Zweitens haben sie einen „psychologischen Effekt für Autofahrer“, wie Verkehrsplanerin Anja Uphoff formuliert, denn diese würden vom Rasen abgehalten. Und schließlich würden die begrünten Flächen zu einer angenehmeren Atmosphäre in diesem Bereich beitragen.

Die westliche Einmündung zur Wilhelm-Merz-Straße direkt hinter dem Landratsamt ist bereits eine Einbahnstraße nach Süden (Richtung Burgstallkreisel). Zusätzlich soll die östliche Einmündung von Kraftfahrzeugen nur noch in die entgegengesetzte Richtung, also zur Stuttgarter Straße hin, befahren werden können. Radfahrer haben hier auch künftig freie Fahrt. „Dadurch können wir die Kfz-Fahrbahn verringern und mehr Platz für Rad- und Gehwege schaffen“, erklärt Bürgermeister Steidle.

Konkret ist geplant, die Fahrbahn für motorisierte Verkehrsteilnehmer von derzeit 10,20 Metern auf 6,50 Meter zu verkleinern. Dann bleiben nur noch zwei Fahrspuren in Richtung Innenstadt übrig. Der rechte Gehweg wird dann um 60 Zentimeter auf 2,20 Meter verbreitert, der linke bleibt bei 2,50 Metern Breite. Zusätzlich soll in Fahrtrichtung Innenstadt ein Schutzstreifen von 1,25 Metern für Radfahrer entstehen, in Gegenrichtung ein 1,85 Meter breiter Radfahrstreifen. Steidle bezeichnet diese Planungen als „großen Wurf“, denn dieser Weg zur Stuttgarter Straße werde für Radfahrer und Fußgänger sicherer. Und Autofahrer müssten höchstens einen Umweg von 100 Metern in Kauf nehmen.

Keine Runden um die Innenstadt

Um zu verhindern, dass Autofahrer um die Innenstadt herum „Runden drehen“, wie es Steidle ausdrückt, ist angedacht, dass die Linkskurve der Stuttgarter Straße am Amtsgericht zukünftig für normale Kraftfahrzeuge gesperrt wird. Ein Bussonderstreifen soll Linienbussen das Einfahren erlauben, auch Radfahrer haben hier weiterhin freie Fahrt. Autofahrer, welche die Stuttgarter Straße weiter befahren wollen, müssten aber zunächst geradeaus weiter und dann eine kleine Schleife fahren. Der Fußgängerüberweg mit Ampel vor dem Amtsgericht entfiele damit.

An der Zufahrt zum Landratsamt, wo die beiden Arme der Wilhelm-Merz-Straße zusammentreffen, sollen schließlich verschiedene Radfahrstreifen und Querungshilfen eingerichtet werden. Dadurch entsteht ein Radfahrknoten, an dem sich zahlreiche Radfahrer treffen, die von außerhalb in Richtung Innenstadt fahren. Auch der gerade entstehende Kochertal-Radweg wird dann hierhin geleitet. Die Stelle wird damit quasi zu einem Haupteinfallsweg in die Fußgängerzone.

Viele sind mit dem Radwegenetz zufrieden

Die meisten Menschen auf der Ostalb sind mit dem Radwegenetz in der Region zufrieden. Allerdings sind die Meinungen hierzu stark geteilt. Das haben die Aalener Nachrichten/Ipf- und Jagst-Zeitung bei einer Telefonumfrage herausgefunden. Mitarbeiter stellten den insgesamt 251 Teilnehmern die Frage: „Ist das Radwegenetz im Ostalbkreis ausreichend ausgebaut?“ 113 Teilnehmer antworteten mit „Ja“, das entspricht 45 Prozent der Befragten. 98 antworteten mit „Nein“, das sind 39 Prozent. 40 Ostälbler antworteten schließlich mit „Weiß nicht“, was rund 16 Prozent entspricht.

Teil zwei unserer fünfteiligen Serie zum Thema Radverkehrsnetz in Aalen folgt in der kommenden Woche. Das Mobilitätskonzept soll am 2. Juni im Ausschuss für Umwelt- und Stadtentwicklung diskutiert und am 16. Juni im Gemeinderat beschlossen werden.