Stadtbücherei

„Die Ostalb-Onleihe wird rasend angenommen“

Aalen / Lesedauer: 5 min

Die Stadtbücherei Aalen hat kräftig in digitale Angebote investiert – eBooks sind besonders nachgefragt
Veröffentlicht:29.08.2016, 21:29
Aktualisiert:23.10.2019, 13:00

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In Zeiten des digitalen Wandels müssen auch Stadtbüchereien mitgehen. Digitale Inhalte haben zwar noch einen kleinen Anteil an den Ausleihen, ihr Anteil nimmt aber immer weiter zu. Im Gespräch mit Jasmin Amend hat Michael Steffel , Leiter der Stadtbücherei Aalen, erklärt, wie man in Aalen auf die neuen Herausforderungen reagiert, warum eBooks der Renner sind und warum das digitale Angebot gerade für Sachinformationen unerlässlich ist.Stichwort digitaler Wandel:

Wie gut ist die Stadtbibliothek Aalen hier aufgestellt?

Wir haben in den vergangenen Jahren in diesem Bereich viel gemacht und unsere Bestände um digitale Angebote ergänzt. Denn nur mit dem konventionellen Bestand vor Ort kommt man heute nicht mehr weit. Vor allem im Bereich der Sachinformation gibt es durch das Internet einen riesengroßen Konkurrenzdruck.

Welche digitalen Inhalte bietet die Stadtbücherei Aalen?

Das vorab, wir haben ein großes Problem: Durch die Konkurrenz frei zugänglicher Angebote im Internet sind die Ausleihen im Bereich Sach- und Fachliteratur rückläufig. Gleichzeitig geht die nachgefragte Sachinformation immer mehr in die Breite und inhaltlich in die Tiefe. Da kann eine Stadtbücherei unserer Größenordnung nicht mithalten. Auch der Anspruch an die Aktualität wächst. Deshalb braucht es digitale Angebote.

2011 sind wir deshalb mit digitalen Datenbanken für unsere Kunden eingestiegen. Die Munzinger-Archive bieten biografische Informationen und Länderinformationen und beinhalten Zahlen, die man sonst nur schwer oder gar nicht bekommt. Damit gab es zum ersten Mal die Möglichkeit, rund um die Uhr Daten zu bekommen. Eine Redaktion prüft diese Informationen sorgfältig.

Seit 2014 gibt es außerdem die Ostalb-Onleihe. Das ist eine virtuelle Bibliothek, aus der man das ganze Jahr über rund um die Uhr unabhängig vom Standort eMedien ausleihen kann. Darunter fallen eBooks, eAudios – also Hörbücher –, ePapers und eMagazines. Auf eVideos und eMusic haben wir bewusst verzichtet. Da gibt es so viele kommerzielle Streamingdienste im Internet, gegen die wir nicht anstinken können und auch nicht wollen.

Wie wird die Ostalb-Onleihe angenommen?

Rasend. Wir betreiben das Portal gemeinsam in einem interkommunalen Verbund aus 14 Bibliotheken im Ostalbkreis und im Kreis Heidenheim sowie einer Bibliothek im Kreis Göppingen. Aalen macht derzeit die Geschäftsführung. Vier Wochen nach dem Start hatten wir bereits 1000 Nutzer. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 3500, 980 davon alleine in Aalen. Das sind jeweils etwa zehn Prozent unserer aktiven Büchereinutzer. Das ist eine ordentliche Hausnummer. Im vergangenen Jahr hatten wir im Verbund über 71000 Ausleihen, davon in Aalen mehr als 20000. Das sind etwa 3,5 Prozent unserer Ausleihen. Wir sind zwar auch die größte Stadt im Verbund, aber unsere Kundschaft in Aalen ist besonders rege unterwegs auf der Ostalb-Ausleihe. Dieses Jahr werden wir im gesamten Verbund voraussichtlich die 100000er-Marke bei den Ausleihen knacken.

Welches Medium in der Onleihe ist am stärksten nachgefragt?

Der Schwerpunkt der Beschaffung liegt bei eBooks. Hier ist die Nachfrage riesig. Es ist einfach eine feine Sache, wenn ich das Smartphone oder das Tablet im Urlaub dabei habe. Mittlerweile hat ja jedes Hotel und sogar jeder Campingplatz sein kostenloses W-Lan, und wenn mir der Lesestoff ausgeht, lade ich mir einfach aus der Onleihe was Neues runter. Außerdem hat die Stadtbücherei Aalen Nutzer weit über Aalen hinaus. Sie können ganz bequem online ausleihen und müssen nicht extra vorbeikommen.

Wie funktioniert die Ausleihe bei Hörbüchern? Kann ich sie mir auch einfach auf mein Smartphone laden?

Nein, leider nicht mehr. Ursprünglich hat das als Download funktioniert, in Form von mp3s. Das ist aber technisch zu aufwendig, denn die eMedien sind kopiergeschützt. Mittlerweile funktioniert das nur noch als Stream bei bestehender Internetverbindung. Das geht entweder über den Browser oder über eine App auf Android- und Apple-Geräten.

Welche digitalen Angebote gibt es noch?

Wir sind in einem Verbund von neun überwiegend größeren Bibliotheken, der seit 1. Februar eine neue Datenbank zur Verfügung stellt. Sie nennt sich „Genios-Presseportal der öffentlichen Bibliotheken in Baden-Württemberg“. Mit einem gültigen Bibliotheksausweis hat man hier Zugriff auf über 300 deutsche, aber auch internationale Tages- und Wochenzeitungen, unter anderem auf die Schwäbische Zeitung (Mutterblatt d. Aalener Nachrichten, Anm. d. Red.), und auf Publikums- sowie Fachzeitschriften. Über eine Suche kann man hier auf Einzeldokumente zugreifen. Das heißt, ich bekomme keine bestimmte Zeitungsausgabe im Volltext, sondern immer den entsprechenden Artikel, in dem ein Suchbegriff auftaucht. Im Moment beinhaltet das Portal über 220 Millionen Einzeldokumente, tagesaktuell, teilweise aber auch bis zu 20 Jahre alt. Der Schwerpunkt liegt auf Fachzeitschriften, auch alle Leitmedien sind vertreten.

Wie wichtig ist es für eine Stadtbibliothek wie Aalen, ein solches Digitalangebot neben dem konventionellen Medien vorzuhalten?

Unverzichtbar, wenn wir unserem Anspruch nach einem Angebot umfassender Information gerecht werden wollen. Mit dem Genios-Angebot sind wir anderen Bibliotheken weit voraus, da müssen andere erst mal nachziehen. Kurzfristig drängt sich deshalb kein neues digitales Angebot für uns auf, wir müssen die bestehenden erst mal betreuen: Die Onleihe ist angekommen, ohne dass wir viel Werbung hätten machen müssen. Die anderen Angebote sind aber vermittlungbedürftig. Die müssen wir erst mal an den Nutzer bringen anstatt ständig was Neues rauszuhauen.