Geburtstagsfeier

Der Ostalbkreis: Ein Erfolgsmodell feiert Jubiläum

Aalen / Lesedauer: 5 min

Zum Festakt im Landratsamt gab es eine Tanzperformance, Musik und die Enthüllung eines symbolhaften Kunstwerks.
Veröffentlicht:22.01.2023, 01:00

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„Niemand braucht in diesem Jubiläumsjahr in den Urlaub zu gehen“, hat Landrat Joachim Bläse am Sonntag im Landratsamt augenzwinkernd verkündet. Denn der Ostalbkreis biete seinen Bürgerinnen und Bürgern zum 50-jährigen Bestehen ein vielseitiges Veranstaltungsprogramm.

Den Auftakt bildete eine schwungvolle Matinee im großen Sitzungssaal: mit einer Festrede von Innenminister Thomas Strobl, mit der Stumpfes Zieh und Zupfkapelle und der „Ostalb-Hymne“, mit einer umjubelten Tanzperformance und der Enthüllung eines Kunstwerks, an das die Bürger- und Oberbürgermeister der 42 Städte und Gemeinden des Kreises im Saal letzte Hand anlegten. Auch eine Rede mit Rück- und Ausblick fehlte keineswegs.

Aus Zwangsheirat wird Erfolgsmodell

„Wie entstand der heutige Ostalbkreis?“ fragte Bläse rhetorisch und rief den 250 geladenen Gästen – von Regierungspräsidentin Susanne Bay über die Abgeordneten und die Kreisräte bis hin zu den Vertretern der Kirchen, Behörden, Vereine, Blaulichtorganisationen, der Wirtschaft, der Banken, des Bildungswesens und vielen mehr – den 1. Januar 1973 in Erinnerung.

Nach mühsamen Diskussionen trat damals als Kompromiss das „Erste Gesetz zur Verwaltungsreform“ in Kraft. „Über Nacht war somit der Ostalbkreis geboren und die beiden Kreise Aalen und Schwäbisch Gmünd gehörten der Vergangenheit an“, erklärte Bläse. Damit entstand am Reißbrett der drittgrößte Landkreis in Baden-Württemberg mit damals 275.000 und heute 318.00 Einwohnern.

Bläse hielt nicht zurück, dass die Reform mit Protesten und heftigen Diskussionen verbunden war, dass die Rivalitäten und Vorbehalte zwischen einzelnen Kommunen „nicht ohne“ waren. Vor allem war da „die emotionale Sache mit dem Kfz-Kennzeichen“. Doch, freute sich der Landrat, war die Abschaffung des GD-Kennzeichens zwar „ein Ärgernis erster Klasse“, aber nur bis 2013.

Heute habe sich die Reform bewährt, der Ostalbkreis sei zusammengewachsen und ein Erfolgsmodell.

Ein Gmünder als Landrat

„Wer hätte vor 50 Jahren gedacht, dass ein Gmünder einmal Landrat werden kann?“, fragte Bläse schmunzelnd, um dann auf die wirtschaftliche Stärke des Kreises zu verweisen. Im Prognos-Zukunftsatlas würden ihm „sehr hohe Zukunftschancen“ attestiert, von 400 Kreisen in ganz Deutschland finde sich der Ostalbkreis auf Platz 41.

Künftige Herausforderungen

Nichtsdestotrotz halte die Zukunft Herausforderungen bereit. „Aktuell stehen wir auch im Ostalbkreis vor massiven, tiefgreifenden Veränderungen“, sagte Bläse, „insbesondere bei den ’3Ds’ Digitalisierung, Decarbonisierung und Demografie, ergänzt durch Herausforderungen wie die Corona-Pandemie, den Angriffskrieg auf die Ukraine sowie den ersten Vorboten des Klimawandels mit Tornados, Hitze, Trockenheit und Starkregen“. Entscheidend sei, wie man damit umgehe, so Bläse.

Schmerzhafte Abwägungen

Ökonomie und Ökologie dürften für die Wirtschaft kein Widerspruch mehr sein. Bei Klimaneutralität, Energie- und Mobilitätswende seien Beschlüsse gefasst. „Jetzt müssen wir diese auch umsetzen.“ Nicht alles werde finanzierbar und die Abwägung zwischen Infrastrukturmaßnahmen und sozialen Themen schmerzhaft sein. Gesellschaftlich müsse wieder mehr auf die Eigenverantwortung gesetzt werden. Er sei ein glühender Anhänger von Bürgerinformation, doch eine repräsentative Demokratie brauche auch den Mut, Entscheidungen zu treffen, schloss Bläse.

Im Anschluss begeisterte eine fröhliche Performance des Schwäbisch Gmünder Tanzstudios Vera Braun zu Musik aus der Gründungszeit des Ostalbkreises den ganzen Saal. Bewunderung erntete der Gmünder Gesangssolist Elias Biechele mit seiner Interpretation von „A Million Dreams“ von Pink.

Lob vom Innenminister

Als Thomas Strobl ans Mikrofon trat, packte er zur „Goldenen Hochzeit“ zuallererst Komplimente aus. „Der Ostalbkreis ist für seine Innovationskraft, seine wirtschaftliche Stärke und seine guten Perspektiven bekannt“, lobte der baden-württembergische Innenminister. Darüber hinaus gebe es an vielen Orten Kultur auf Weltklasseniveau.

Auch Strobl erinnerte zunächst an die Entstehung des Ostalbkreises 1973 und an die Vorbehalte und Ängste, die es vor allem im Schwäbisch Gmünder Raum gegeben hatte. Zusammen mit der Gemeindereform sei die Kreisreform „der größte Meilenstein seit der Gründung von Baden-Württemberg 1952“ gewesen. Die kleingliedrige Verwaltungsstrukur sei damals nicht mehr zeitgemäß gewesen, der Wirtschafts- und Verkehrsentwicklung standen 3379 Gemeinden in 63 Kreisen gegenüber. „Das konnte nicht so bleiben.“ Nach Vorschlägen von zwei Kommissionen und langen Beratungen kam eine Neuordnung mit 35 Land- und neun Stadtkreisen in Baden-Württemberg zustande. „Das ist die Landschaft, die wir heute haben“, so Strobl.

Zwei Hüte auf dem Kopf

Die Landkreise seien gestärkt aus der Reform hervorgegangen und hätten im Lauf der Jahre auch immer mehr staatliche Aufgaben der Unteren Verwaltungsbehörden übernommen. Heute hätten sie „zwei Hüte auf dem Kopf: einen kommunalen und einen staatlichen Hut“, so Strobl mit einem Lächeln: „Der Landrat ist demnach ein janusköpfiges Wesen“, und die Landkreise seien „starke kommunale Partner“ des Landes. Der Ostalbkreis, lobte Strobl, dürfe „zufrieden und stolz auf 50 Jahre zurückblicken“. Er sei „ein Erfolgsmodell und ein starkes Stück Baden-Württemberg“.

Bürgermeister bauen Kunstwerk

Nach zwei heiteren Musikstücken von Mitgliedern der Jungen Philharmonie Ostwürttemberg kündigte Bläse den Höhepunkt an. Während draußen vor dem Ostalbkreishaus das meterhohe Originalkunstwerk von der Aalener Künstlerin Jessica Rühmann enthüllt wurde, setzten die 42 Oberhäupter der Ostalb-Kommunen das symbolträchtige Werk im Saal in Miniatur zusammen. Es besteht aus 42 farbigen Stäben, die die Städte und Gemeinden symbolisieren. Sie werden von einem Ring zusammengehalten, der als Sinnbild für den Ostalbkreis steht. Titel: „Ein Kreis hält zusammen.“

„So ist der Ostalbkreis“, schloss Bläse: „Vielseitig, schwäbisch, patent.“