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Blick hinter die Kulissen

100 Beamte im Einsatz: Unterwegs mit der Polizei bei einem Hochrisikospiel

Aalen / Lesedauer: 4 min

BaWü-Derby in Aalen: In der 3. Liga trifft der SSV Ulm auf Waldhof Mannheim. So erlebt die Polizei das Spiel. 
Veröffentlicht:12.02.2024, 05:00

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Im Vorfeld ist es als Hochrisikospiel eingestuft worden, das Baden-Württemberg-Derby in der 3. Liga zwischen dem SSV Ulm und Waldhof Mannheim.

Die Ulmer setzten sich mit 3:1 durch und bleiben in der Aalener Centus Arena somit weiterhin unbesiegt. So hat die Polizei Aalen den Tag erlebt.

Pyrotechnik aus dem Mannheimer Block

Um kurz vor 14 Uhr wurde es in der Polizei-Kanzel in der Centus Arena unruhig. Bei den Fans von Waldhof Mannheim wurde Pyrotechnik entdeckt. Die Fans im rappelvollen Gästeblock verschwanden für kurze Zeit hinter einer großen Choreografie.

Pünktlich zum Anpfiff ging es dann los. Es wurde Pyro gezündet und Raketen schossen durch die Luft. Der Anpfiff verzögerte sich dadurch um einige Minuten. „Die Fans hatten schon Minuten vor dem Spielbeginn begonnen, sich zu vermummen. Von daher war recht früh absehbar, dass nachher Pyrotechnik gezündet wird. Durch so eine Aktion bringen sich die Fans selbst in Gesundheitsgefahr, da der im Rauch enthaltene Staub extreme gesundheitsgefährdend ist“, so Einsatzleiter Andreas Tellbach vom Polizeipräsidium Aalen.

Wenn eine Fangruppierung etwas reinbringen will, schafft sie es in der Regel auch.

Andreas Tellbach

Er erklärt, dass Pyrotechnik und Raketen eventuell bereits im Vorfeld der Partie in der Centus Arena deponiert wurde. Ansonsten besteht die Erfahrung, dass trotz aller Sicherheitsvorkehrungen: „Wenn eine Fangruppierung etwas reinbringen will, schafft sie es in der Regel auch. Da nutzen leider oft auch die besten Durchsuchungsmaßnahmen des Ordnungsdienstes nichts.“ 

Arbeitstag beginnt mit der Einsatzbesprechung

Der Arbeitstag für die Polizei Aalen begann bereits am Vormittag mit der Einsatzbesprechung mit den Einsatzabschnittsleitern. Andreas Tellbach gab dabei die wichtigsten Instruktionen und Informationen, wie zum Beispiel: Wie viele Zuschauer werden von beiden Seiten erwartet, um wie viel Uhr kommen diese an, mit welchen Verkehrsmitteln reisen sie an, oder wie viele Angehörige der aktiven Fanszenen Störenfriede gibt es bei beiden Vereinen, deren Aufeinandertreffen in der An- und Abreisephase verhindert werden soll.

Polizeisprecher Rudolf Bihlmaier beobachtet das Geschehen bei der Ankunft der Ulmer Fans am Greutplatz. Die Polizei hat die Lage durchweg im Griff.
Polizeisprecher Rudolf Bihlmaier beobachtet das Geschehen bei der Ankunft der Ulmer Fans am Greutplatz. Die Polizei hat die Lage durchweg im Griff. (Foto: tim)

Die Besprechung dauerte dabei knapp eine Stunde. Gegen 11.30 Uhr machte man sich dann auf, Richtung Centus Arena. Da die Partie vom DFB als Hochrisikospiel eingestuft wurde, waren auch mehr Polizisten als üblich im Einsatz.

Mehr als 100 Polizisten sind im Einsatz

Mehr als 100 Polizistinnen und Polizisten aus Aalen und Göppingen waren bei diesem Spiel involviert. „Dadurch, dass es ein Hochrisikospiel ist, erwarten wir mehr gewaltbereite Fans. Da keine Freundschaft zwischen den Fanlagern von Ulm und Mannheim besteht, sondern eher eine Feindschaft, wäre es ein unkalkulierbares Szenario, wenn diese aufeinandertreffen würden. Das wollen wir nicht, deshalb haben wir mehr Einsatzkräfte vor Ort“, erklärt Polizeisprecher Rudolf Biehlmaier.

Dabei fügt er an, dass Voraufklärungskräfte und Verkehrskräfte im Einsatz sind. „Die Mannheimer Fans werden im Bereich Anton-Huber-Straße, und die Ulmer Fans Richtung Greut geleitet. Der „normale“ Fan bereitet uns dabei weniger Probleme“, berichtet Rudolf Biehlmaier.

In der Halbzeitpause gab es ein sogenanntes Kurvengespräch, mit allen Sicherheitskräften.
In der Halbzeitpause gab es ein sogenanntes Kurvengespräch, mit allen Sicherheitskräften. (Foto: tim)

Zwischen 12.45 und 13.30 Uhr trafen dann die meisten der rund 5500 Fans ein. Knapp 1500 davon kamen aus Mannheim. Dabei lief auch alles reibungslos ab. Auch in der Centus Arena selbst blieb vor dem Anpfiff alles ruhig. Die Fans beider Lager wurden sicher in die Arena gebracht. Damit man sich ein Rundumbild von der Gesamtlage machen konnte, setzte die Polizei auch eine Drohne ein.

Polizeisprecher zieht ein positives Fazit

Bis auf das Zünden der Pyrotechnik und den Raketen gab es während der Partie keine Zwischenfälle seitens der Fans.

Die Ulmer hatten dabei früh Grund zum Jubeln. Léo Scienza brachte den SSV in der 21. Minute mit 1:0 in Führung. Doch nur vier Minuten später durfte dann auch Mannheim jubeln. Jalen Hawkins glich aus. In der zweiten Halbzeit standen dann zwei frühere VfR-Akteure im Mittelpunkt. Dennis Chessa (48. Minute) und Andreas Ludwig erzielten die Tore zwei und drei für den SSV Ulm.

Durch den Erfolg festigen die Ulmer den dritten Platz. Waldhof Mannheim dagegen bleibt weiter in akuter Abstiegsgefahr. Auch für den VfR Aalen ist die Platzierung von Waldhof Mannheim nicht unwichtig. Sollten die Mannheimer in die Regionalliga Südwest absteigen, gibt es in dieser Saison fünf Absteiger aus der Regionalliga Südwest.

Aktuell belegen die Aalener einen der fünf möglichen Abstiegsplätze. Nach dem Spiel wurden beide Fanlager ohne jegliche Zwischenfälle wieder in ihre Bereiche gebracht. Da einige Fans auch mit dem Zug anreisten, wurden diese zum Teil von der Polizei zum Bahnhof begleitet - natürlich so, dass beide Fanlager getrennt waren.

Auch Reiterstaffeln waren im Einsatz.
Auch Reiterstaffeln waren im Einsatz. (Foto: tim)

Rudolf Biehlmaier zog letztlich ein positives Einsatzfazit: „Der Einsatz ist so verlaufen, wie geplant. Von unserer Seite sind wir sehr zufrieden. Wir haben keine problematischen Einsatzlager gehabt, von daher war alles bestens.“

Ein „Heimspiel“ für den SSV Ulm in der Aalener Centus Arena steht nun noch an. Am 24. Februar trifft das Team von Trainer Thomas Wörle auf den 1. FC Ingolstadt.

Rudolf Biehlmaier beobachtet die Ankunft des Ulmer Mannschaftsbusses.
Rudolf Biehlmaier beobachtet die Ankunft des Ulmer Mannschaftsbusses. (Foto: tim)