Papierfabrik

Die letzten Mitarbeiter sind weg

Wolpertswende / Lesedauer: 3 min

Bei Arctic-Paper Mochenwangen sind die Kündigungsfristen abgelaufen – Die Zukunft steht in den Sternen
Veröffentlicht:29.06.2016, 18:28
Aktualisiert:23.10.2019, 14:00

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Seit Weihnachten wird nicht mehr produziert. Heute sind die Kündigungsfristen für die letzten Papierfabrik -Mitarbeiter in Mochenwangen abgelaufen. ist somit abgewickelt. Dennoch wird nicht zugeschlossen. Geschäftsführer und Hausmeister bleiben. Und kein Mensch weiß, wie es auf dem Areal zwischen Schussen und dem Dorf Mochenwangen weitergeht.

Die Gemeinde Wolpertswende hat im April dieses Jahres vorsorglich eine Veränderungssperre über das gesamte Fabrikgelände gelegt. „Ziel dabei ist, eine geordnete städtebauliche Entwicklung zu gewährleisten und sicherzustellen, dass es zu keiner unkontrollierten Nachnutzung kommt“, sagt Bürgermeister Daniel Steiner. Hätte der Gemeinderat das im April nicht so beschlossen, könnte laut Baugesetz sich jegliches Gewerbe ansiedeln, das sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung in die Papierfabrik-Umgebung einfügt. Von der Vergnügungsstätte bis zur Fabrik wäre also alles möglich.

Viele Interessenten, kein Angebot

Was letztlich kommt, deutet sich bislang nicht einmal als Kaffeesatzleserei an. Wie die „Schwäbische Zeitung“ erfuhr, war Günther Karl junior, der Investor auf dem ehemaligen Stora-Enso-Gelände in Baienfurt, in Mochenwangen. „Es haben sich viele Interessenten gemeldet, aber ein Angebot gibt es nicht“, sagte Papierfabrik-Geschäftsführer Lothar Burchardt . Für ein Kaufangebot sei es noch zu früh, es gebe noch zu viele Unbekannte, zum Beispiel wie es mit der Flächenentwicklung weitergeht, was die vom Landratsamt Ravensburg und der Gemeinde Wolpertswende angestrengte Altlastenuntersuchung zutage fördert, wie die Überplanung des Gebietes aussieht und wie schnell der Abverkauf der ausgedienten Produktionsmaschinen läuft. Er rechnet damit, dass dies alles „weit bis ins neue Jahr hineingeht“.

Als Anfang dieses Jahres die Abwicklung des Werkes begann, trat ein Sozialplan für die rund 200 betroffenen Mitarbeiter des Mochenwangener Werkes in Kraft. Heute verlassen die Chefsekretärin und zwei Leute, die bis zuletzt Hausmeisterdienste verrichteten, als Letzte ihren Arbeitsplatz auf dem Fabrikgelände. Andere beenden ihr Arbeitsverhältnis bei der Arctic-Paper-GmbH Mochenwangen zwar offiziell, sind aber seit längerer Zeit schon freigestellt. Bleibt Geschäftsführer Lothar Burchardt dann allein im Haus? Nein, sagt er. Rund zehn Arbeitskräfte würden weiterhin gebraucht, sieben davon fest angestellt. Auch wenn die Hallen weitgehend leer sind, fallen in den vielen Baulichkeiten Alltagsarbeiten an und geht der Maschinenverkauf weiter. Viele der Gebäude und Lagerflächen seien vermietet, sagt Lothar Burchardt – hauptsächlich an Speditionen und vorerst für ein Jahr.

Produktion endete an Heiligabend

Wie viele der rund 200 Mitarbeiter seit Einstellung der Produktion zu Weihnachten 2015 eine neue Stelle gefunden haben und wie viele in die Arbeitslosigkeit entlassen wurden, ist nicht bekannt. „Wir sind froh, dass wir für diese Beschäftigten einen Interessenausgleich und Sozialplan nach den finanziellen Möglichkeiten von Arctic Paper ausgehandelt haben“, sagt Gewerkschaftssekretär Frank Plückelmann von der IG Chemie Bergbau Energie, zu der die Papierindustrie gehört. Vorschläge für eine Zusatzqualifizierung der Kräfte, die sich auf dem Arbeitsmarkt neu orientieren mussten, seien leider nicht durchzusetzen gewesen.