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Wegen Artenschutz

Windpark Alttann verschwindet aus Teilregionalplan Energie

Wolfegg / Lesedauer: 4 min

Artenschutzrechtliche Gründe waren wohl ausschlaggebend. Warum die Firmen, die ihn bauen wollen, trotzdem an dem Windpark festhalten.
Veröffentlicht:22.11.2023, 12:00

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Die Planungen für den Windpark Alttann in der Gemeinde Wolfegg sind schon sehr konkret. Im Oktober haben die Projektpartner Laoco GmbH aus dem Kreis Biberach und die Energiequelle GmbH aus Brandenburg die Details vorgestellt. Ein paar Wochen später dann die Überraschung: Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben stellte die Flächen für Windenergie vor ‐ jedoch ohne den Windpark Alttann. Was bedeutet das für das Projekt nun?

Zum Hintergrund: Der Regionalverband hat in den vergangenen Monaten den Teilregionalplan Energie erstellt. Dabei muss der Verband die Vorgaben der Bundesregierung umsetzen. Das Wind-an-Land-Gesetz verlangt, 1,8 Prozent der Fläche der Region für den Ausbau der Windenergie zu reservieren. Die Regionalplanung soll dabei steuern, wo Windräder gebaut werden, damit nicht einfach überall wahllos Windparks entstehen. Bei einer ersten Suchraumkarte des Regionalverbands war der Windpark Alttann noch enthalten, bei der endgültigen Karte fiel er aber raus.

Fläche ist weiter geschrumpft

Bei der ersten öffentlichen Präsentation der Suchräume im Sommer in Bad Waldsee sagte Verbandsdirektor Wolfgang Heine bereits, dass bei dieser Karte noch nicht alle Kriterien abgearbeitet sind. Das ist jetzt geschehen. „Die Fläche bei Alttann ist über den Sommer hinweg weiter zusammengeschrumpft“, sagt die stellvertretende Verbandsdirektorin Nadine Kießling auf Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Grund dafür seien artenschutzrechtliche Gründe. Es habe geringfügige Veränderungen bei den Vorgaben gegeben, die letztlich den Ausschlag gegeben haben. Unter anderem wurde der Fachbeitrag Artenschutz, eine Planungsvorgabe des Landes, nochmal geändert. Um welche Arten es sich hierbei handelt, sagt sie nicht.

Auch beim Windpark Wannenbühl zwischen Enzisreute und Bergatreute waren artenschutzrechtliche Bedenken ausschlaggebend dafür, dass die Fläche nicht in der Suchraumkarte auftauchte. Dort plant die Bio-Energie Allgäu aus Kempten fünf Windräder.

Faire Verteilung in der Region

Aufgabe der Regionalplanung ist zudem die Raumordnung, bei der es nicht nur darum geht, die gesetzlichen Ziele umzusetzen, sondern die Flächen für Windkraft in der Region möglichst fair zu verteilen. Die stellvertretende Verbandsdirektorin Nadine Kießling nennt hier „das Prinzip der dezentralen Konzentration“. Der Regionalverband verfolge dabei das Ziel, dass potenzielle Gebiete für Windräder möglichst groß und fair in der Region verteilt sind, und dass möglichst wenig Einzelflächen entstehen. Auf den Flächen im Teilregionalplan sollten mindestens zwei bis drei Windräder stehen. „Letztlich sind die geringe Flächengröße und der Artenschutz ausschlaggebend gewesen“, so Kießling. Und weiter: „Im Rahmen der Anhörung, die ab Januar 2024 startet, kann sich hier aber noch etwas ändern.“

Laoco will am Projekt festhalten

Ein Ende des Windparks bedeutet das aber noch lange nicht, weil der Teilregionalplan noch nicht gültig ist. Wird der Windpark noch vor Ende 2025 von der Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt Ravensburg, genehmigt, kann der Windpark in Alttann wie geplant gebaut werden. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass alle Gesetze eingehalten werden. Weil es momentan keine Regionalplanung zum Thema gibt, dürfen Windräder als sogenannte privilegierte Bauvorhaben im Außenbereich überall gebaut werden.

Die Projektpartner Laoco und Energiequelle sehen keine Probleme beim Artenschutz, verweisen auf die Detailgutachten und die Informationsveranstaltung in Wolfegg. Deswegen wollen sie am Windpark festhalten und den Antrag auf Genehmigung beim Landratsamt Ravensburg einreichen. Wie die Beispiele Windpark Hoßkirch und Röschenwald zeigen, dauert ein solches Verfahren etwa ein Jahr.

Das ist im Waldstück geplant

„Über die Entscheidung des Regionalverbandes waren wir im ersten Moment überrascht, weil uns signalisiert worden war, dass die Fläche aufgenommen wird. Auch die Gemeinde Wolfegg war überrascht, vor allem weil es bei diesem Projekt auch kaum Bedenken vonseiten der Bevölkerung gibt“, sagt Laoco-Geschäftsführer Christian Böhm.

Die Pläne sehen drei Windräder des dänischen Herstellers Vestas vom Typ V172‐7,2 mit einer Leistung von 7,2 Megawatt vor. Insgesamt kommt der Windpark Alttann nach der Realisierung auf eine rechnerische Leistung von rund 21 Megawatt. Prognosen der Laoco zufolge könnte damit der Strombedarf von rund 6000 Haushalten produziert werden.

Die Nabenhöhe der Windräder beträgt 175 Meter. Damit kommen die Alttanner Windräder auf eine Gesamthöhe von 261 Meter. Zum Vergleich: Das Ulmer Münster hat eine Höhe von 162 Meter und der Stuttgarter Fernsehturm misst 216 Meter.