Mobilfunkversorgung

Wolfegger Rat beschließt: Gute Mobilfunkversorgung, aber möglichst wenig Strahlung

Wolfegg / Lesedauer: 3 min

Gleichzeitig möchte Wolfegg eine gute Mobilfunkversorgung – Wie das gehen soll
Veröffentlicht:12.06.2022, 17:00
Aktualisiert:19.06.2022, 00:11

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Eine gute Mobilfunkversorgung in Wolfegg bei gleichzeitiger Minimierung der Strahlung, die von den Mobilfunk-Basisstationen ausgeht: Das möchte der Wolfegger Gemeinderat erreichen. Das Gremium beschloss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig, den Vorschlägen eines Standortgutachtens zu folgen.

Nach diesem sollen in Wolfegg zwar neue Funkmasten aufgestellt, aber auch zum Teil bestehende abgebaut werden. Zudem spielt die Ausrichtung der Antennen bei der Minimierung der Strahlenbelastung eine Rolle.

Schon 2019 lag das Thema Mobilfunk auf dem Wolfegger Rathaustisch: Im Ortsteil Alttann sollte ein 45 Meter hoher Mobilfunkmast gebaut werden. Ein entsprechender Bauantrag der Deutschen Funkturm GmbH im Auftrag der Telekom lag der Gemeinde vor. Es fand eine Informationsveranstaltung statt, dort äußerten sich einige Alttanner besorgt über möglicherweise zu befürchtende Gesundheitsschäden durch Strahlung. Der Gemeinderat entschied sich, die Zustimmung zum Bau des Mobilfunkmastes vorerst nicht zu erteilen. Der Grund: Es sei nicht nachgewiesen worden, weshalb gerade der avisierte Standort geeignet ist, denn die Telekom habe keine nachvollziehbare Standortalternativenprüfung vorgelegt. Denkbar wären auch mehrere dezentrale Standorte.

Rat beauftragte Physiker mit der Untersuchung

Im Mai 2021 hatte der Gemeinderat das EMF-Institut Dr. Nießen in Köln mit der Erarbeitung eines Mobilfunkstandortkonzeptes für die Gemeinde Wolfegg beauftragt. Zielsetzung eines solchen Konzepts ist die Entwicklung von Standortvorschlägen für Mobilfunkstationen, die eine gute Versorgung mit Mobilfunkdiensten gewährleisten und die die Belastung der Bevölkerung mit Strahlungsimmissionen gleichzeitig möglichst geringhalten. In der Gemeinderatssitzung stellte Diplom-Physiker Peter Nießen die Standorte für die Mobilfunkversorgung vor.

Das sagt der Fachmann über gesundheitliche Risiken

„Jeder Funkmast, der aufgestellt werden soll, erregt Widerstand. Und das nicht ohne Grund“, so leitete Peter Nießen vom EMF-Institut seinen Vortrag ein. Zwar sei hinsichtlich der sogenannten thermischen Wirkung der Strahlung, die eine Erwärmung von Körpergewebe verursacht, durch gesetzliche Grenzwerte sichergestellt, dass keine gesundheitlichen Schäden zu befürchten sind.

Grenzwerte in Deutschland höher als in anderen Ländern

Nach wie vor wisse man jedoch zu wenig über die mögliche schädliche Wirkung athermischer Effekte: Hier gebe die Wissenschaft keine klare Antwort, ob Gefahr besteht oder nicht, erläuterte Nießen. Unter anderem werden Kopfschmerzen, Lern-, Schlaf- und Konzentrationsstörungen in einen Zusammenhang mit der Mobilfunkstrahlung gebracht. Auch mögliche Auswirkungen auf Krebserkrankungen oder das Zentralnervensystem werden laut Nießen diskutiert. „Die Grenzwerte in anderen Ländern sind teilweise sehr viel niedriger angesetzt als in Deutschland“, führte er aus. Standortvorschläge der Betreiberfirmen orientieren sich laut Nießen primär an einer kostengünstigen Erschließung.

Endgeräte wie das Handy würden Strahlung abgeben, und zwar umso mehr, je schlechter das Gebiet insgesamt versorgt sei, erläuterte der Physiker. Sei die Versorgung gut, dann hätten die Endgeräte weniger Strahlung, aber: Die Immissionen der Basisstationen würden natürlich auch die Menschen treffen, die Strahlung überhaupt vermeiden wollen, so Nießen.

Diese neuen Standorte werden vorgeschlagen

Der Gemeinderat stimmte schließlich einstimmig dem neuen Standortkonzept zu. Für die Versorgung von Molpertshaus ist ein zusätzlicher Mast vorgesehen. Für den Hauptort wird ein neuer Standort vorgeschlagen, der die Standorte am Geißberg und am fürstlichen Hof ersetzen soll und auch das Gewerbegebiet Grimmenstein mit versorgen kann. Alttann und die nach Norden gehenden Verkehrswege sollen durch einen zusätzlichen Funkmast abgedeckt werden.

In allen Fällen sei es wichtig, auch auf die Ausrichtung der Antennen einzuwirken, erläuterte Nießen. So können wie im Fall von Rötenbach geografische Besonderheiten ausgenutzt werden: Die Hauptstrahlung gehe dort aufgrund des Gefälles über die Siedlung hinweg.

Alle vorgeschlagenen Standorte liegen auf privaten Flächen, die Realisierung wird davon abhängen, ob die Eigentümer bereit sind, die Flächen zur Verfügung zu stellen. „Ohne erheblichen Mehraufwand kann eine Gemeinde leider nicht mehr tun“, fasste Nießen zusammen.