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Mobilfunkthema

Beim Mobilfunkthema herrscht Funkstille

Wilhelmsdorf / Lesedauer: 3 min

Keine neuen Signale an die Bürgerinitiative – Ohne Alternativstandort bleiben die Handymasten vorerst auf der Gotthilf-Vöhringer-Schule
Veröffentlicht:03.02.2012, 11:10

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Vodafone, O2, Telekom und E plus haben auf der Wilhelmsdorfer Gotthilf-Vöhringer-Schule ihre Handymasten aufgepflanzt. Eine Tatsache, welche die Menschen im Umfeld der Schule in Sorge versetzt. Sie fürchten sich weniger um den Wertverlust ihrer Immobilien, denn um ihre Gesundheit. Es gibt auffallend viele Krebskranke. Und so hatte eine im Spätherbst 2010 gegründete Bürgerinitiative Mobilfunk, im folgenden kurz BIM genannt, sehr rasch sehr regen Zulauf.

Nicht durch Demonstrationen, sondern durch Gespräche wollte die BIM erreichen, dass die Mobilfunkmasten vom Schuldach bald verschwinden und dass die Gemeinde Bebauungspläne so fasst beziehungsweise ändert, dass solche Masten in Wohngebieten nicht mehr aufgestellt werden dürfen. „Wir nehmen das Anliegen dieser Bürger sehr ernst“, sagte Bürgermeister Hans Gerstlauer und machte es wiederholt zum Gemeinderatsthema. Ein Runder Tisch sollte eingerichtet und von einem unabhängigen Institut mit eine professionelle Standortanalyse gemacht werden. Zuallererst sollte jedoch mit dem Schulbetreiber, den Zieglerschen geredet werden.

Dieses Gespräch verlief nicht so, wie die BIM erhofft hatte. Grundsätzlich zeigten sich die Zieglerschen offen, haben den Zutritt auf ihr Grundstück erlaubt, eine finanzielle Beteiligung an der Untersuchung zunächst jedoch abgelehnt. Das hat sich im vergangenen Herbst geändert. Da haben sie am Runden Tisch, so ihr Pressesprecher Christof Schrade , ihre „Bereitschaft erklärt, ein Standortgutachten mitzufinanzieren“. Wenn dabei „im Konsens mit allen Beteiligten“ ein anderer Standort für die Mobilfunkmasten gefunden wird, würden sie dies auch akzeptieren, sagt Schrade weiter. Doch genau dafür fehlt das Gutachten, um das sich der Bürgermeister selbst kümmern will. Bevor er dies in Auftrag gibt, will er sich „professionellen Rat von unabhängiger Stelle holen. Wie er der SZ sagte, denkt er dabei „zum Beispiel an den TÜV Süd“, von dem er weiß, dass der sich mit der Materie befasst. Er will dies „so bald als möglich tun“ und rechnet damit, „noch in diesem Quartal“ ein Ergebnis zu haben. Jedenfalls nehme man im Rathaus das Problem ernst und er habe es deshalb zur Chefsache gemacht.

Gut gemeint, doch BIM-Sprecher Hansjörg Lehmann denkt, dass der Bürgermeister „viel zu tun hat“ und sich nicht um alles so schnell kümmern kann, wie es Menschen in Sorge um ihren Gesundheitszustand erhoffen. Jedenfalls hat er den Eindruck, „man tritt auf der Stelle“. Politiker und Parteien hätten auf Post aus Wilhelmsdorf zwecks gesetzgeberischer Initiativen zur Vermeidung von Strahlenbelastung eher vage reagiert. In der Gemeinde laufe im Moment Beratung statt Gutachten. Und von den vier Mobilfunkbetreibern, die auf der Schule insgesamt elf Strahlungsanlagen betrieben, hat nur die E plus der BIM geantwortet und erklärt, dass sie zur Verlegung der Anlage kurzfristig keinen Anlass sehe. Sie würden aber „den üblichen Gepflogenheiten es Kommunaldialogs mit der Gemeinde in der Angelegenheit im Gespräch bleiben“, zitiert Lehmann aus dem Schriftverkehr.

Münden diese Gespräche nicht in neue Standortangebote, haben in Strahlenangst lebende Wilhelmsdorfer schlechte Karten. „Erste Kündigungsmöglichkeit für einen Masten besteht zum 31. 12. 2012“ , sagt Schrade und verweist auf das, was auch der Bürgermeister gebetsmühlenhaft wiederholt: Nämlich dass Mobilfunk als Kommunikationsmittel aus der heutigen Welt nicht mehr wegzudenken und auch gesetzlich geregelt ist. Dass er krank macht, sei nicht bewiesen, „aber auch nicht das Gegenteil“, sagt Bürgermeister Gerstlauer. Und darum dauere das Bemühen um eine Lösung an.