Brüdergemeinde

Aufarbeitung der Missbrauchsfälle soll weitergehen

Wilhelmsdorf / Lesedauer: 2 min

Aufarbeitung der Missbrauchsfälle soll weitergehen
Veröffentlicht:19.07.2016, 17:46
Aktualisiert:23.10.2019, 14:00

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Die Aufarbeitung der Geschichte der Kinderheime der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal in Korntal und Wilhelmsdorf der 1950er- bis 1980er-Jahre soll weitergehen. Das gibt die Brüdergemeinde bekannt. Wie es in einer Pressemitteilung heißt, soll ein neuer Prozess gestartet werden. Die Konstituierung soll Ende September abgeschlossen sein.

Elisabeth Rohr und Gerd Bauz (beide Frankfurt/Main) konnte die Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal als Mediatoren gewinnen. Sie seien vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, empfohlen worden. Elisabeth Rohr ist Erziehungswissenschaftlerin und als Supervisorin tätig. Gerd Bauz war bis zu seinem Ruhestand Leiter des evangelischen Instituts für Personalberatung, Organisationsentwicklung und Supervision.

Ihre Aufgabe sei es, in Einzelterminen mit den Sprechern der Beteiligten die Grundlagen für den neuen Prozess zu erarbeiten und diesen bis zu einem guten Abschluss zu moderieren. Das erklärte Ziel sei es, eine „Auftraggebergruppe“ aus betroffenen ehemaligen Heimkindern, ehemaligen Mitarbeitern sowie Vertretern der Brüdergemeinde zu bilden. Diese soll eine unabhängige Aufarbeitung durch eine externe Fachkraft veranlassen und begleiten.

Die Betroffenengruppe um Detlev Zander , der 2014 das Thema öffentlich machte, sieht den Vorschlag erst einmal kritisch, will aber auf jeden Fall Gespräche aufnehmen und „sich kennenlernen“, so Zander. Wie berichtet, war der Aufarbeitungsprozess ins Stocken geraten, nachdem die Gruppe Zander der Landshuter Professorin Mechthild Wolff das Vertrauen entzogen hat.

Zum Hintergrund: Den Angaben Zanders zufolge sollen mehr als 350 Kinder physische und psychische Gewalt in den Heimen erfahren haben. Ein Tatort soll auch das Sommerferienlager am Lengenweiler See in Wilhelmsdorf gewesen sein. Die Brüdergemeinde Korntal hat sich bereits als Täterorganisation bekannt. Nach dem SZ-Artikel „Unter Kinderschändern“ vom 20. Mai hätten sich weitere Wilhelmsdorfer Betroffene bei Zander gemeldet.