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Weingartens Freibad könnte bald wieder 25 Grad warm sein

Weingarten / Lesedauer: 4 min

Wolfgang Habisreutinger ist das Wasser zu „kebbelig“. Deshalb möchte er es mithilfe von Sponsoren nachhaltig erwärmen. Und was ist das mit dem Förderverein?
Veröffentlicht:08.08.2023, 07:00

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Das Freibad in Nessenreben wird zur nächsten Saison 2024 möglicherweise wieder so richtig warm. Dafür will Wolfgang Habisreutinger, früherer Chef des gleichnamigen Holzhandelsunternehmens in Weingarten, mit weiteren Unterstützern sorgen. Er ruft Firmen und Privatpersonen zum Sponsoring auf. Außerdem sind weitere Schwimmfans gerade dabei, einen Förderverein für das Hallen– und Freibad zu gründen.

Erst in der vergangenen Woche hatte Weingartens Oberbürgermeister Clemens Moll der Bevölkerung eröffnet, dass das Freibad trotz der nötigen Sparmaßnahmen — anders als zunächst geplant — doch nicht geschlossen wird. Ein „Investor aus der lokalen Wirtschaft“ wolle mit der Stadt kooperieren, um das Bad am Laufen zu halten. Dabei gehe es laut OB um einen sechsstelligen Betrag. Seitdem scheint es aufwärts zu gehen mit der Badekultur in der Welfenstadt.

Nie mehr unter 25 Grad

Denn: Wolfgang Habisreutinger möchte, dass die Wassertemperatur ab der kommenden Saison 2024 nicht mehr unter 25 Grad fällt. 2021 hatte die Stadt beschlossen, das Bad nicht mehr mit Gas zu beheizen, sondern nur noch über die schon existierende Absorberanlage, die allerdings nur etwas bringt, wenn die Sonne scheint. „Ich bin begeisterter Schwimmer, die Wassertemperatur von durchschnittlich etwa 21 Grad ist mir aber zu kebbelig“, sagt der Mann, der bis 2012 das Holzbauunternehmen Habisreutinger mit heute rund 400 Mitarbeitern geführt hat.

Er sei ins mollig warme Ehinger Freibad gegangen und habe festgestellt, dass unter anderem deren Absorberanlage genau dreimal so groß ist wie die in Weingarten, nämlich 1800 Quadratmeter. Also hat er sich hingesetzt und einen Plan für Nessenreben entwickelt, den er auch schon dem OB und der Stadtverwaltung mitgeteilt hat. Erwärmt werden soll das Bad fortan nachhaltig mit einer Solaranlage, Wärmepumpen und einer vergrößerten Absorberanlage. Habisreutinger: „Die Stadt hat das Vorhaben sehr begrüßt.“

So sehen die Zettel aus, die Wolfgang Habisreutinger im Freibad ausgelegt hat. Wer spenden will, oder sonst Ideen hat, kann sich bei ihm per Mail unter aw.habisreutinger@habisreutinger.de melden.
So sehen die Zettel aus, die Wolfgang Habisreutinger im Freibad ausgelegt hat. Wer spenden will, oder sonst Ideen hat, kann sich bei ihm per Mail unter [email protected] melden. (Foto: Stefanie Rebhan)

PV–Anlage; Wärmepumpe und Absorberanlage

Gefallen habe der Verwaltung auch das Angebot der Bürger–Energiegenossenschaft Weingarten (BEG), die eine Solaranlage für das Freibad zur Verfügung stellen möchte. Die kann die Stadt dann mieten. Unter den 120 ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern der BEG sind viele Experten, die die Anlage schnell und kostengünstig herstellen können. Das sagt Klaus Meyer, Vorsitzender der BEG und selbst Maschinenbauingenieur. Derzeit würden die technischen Rahmenbedingungen mit der Stadt geklärt werden.

Der durch die Photovoltaik–Anlage erzeugte grüne Strom könne im weiteren Verlauf für die geplanten Wärmepumpen genutzt werden. Die ganze Anlage werde vermutlich mindestens 500.000 Euro kosten, schätzt Wolfgang Habisreutinger. Darum wolle er die nächste Zeit auf Firmen in der Region zugehen, um sie von einem Sponsoring zu überzeugen — dazu gehöre auch sein eigenes früheres Unternehmen. Eine dritte Säule ist die schon bestehende Absorberanlage am Freibad. 

Wir wollen sie verbessern und am besten auch vergrößern, 

erzählt Habisreutinger weiter.

Dazu brauche er jedoch zusätzlich die Unterstützung aus der Bevölkerung. Deshalb hat er im Freibad kleine Zettel ausgelegt, die jeder mit seinen Kontaktdaten ausfüllen und an der Kasse abgeben kann, der helfen möchte. Habisreutinger: „Im Herbst werde ich mich mit diesen Bürgern dann in Verbindung setzen, um alles Weitere zu besprechen“. Schließlich zähle jeder Euro.

Förderverein will beide Bäder verbessern

Gleichzeitig möchten mehrere Bürger einen Förderverein gründen, um das Hallen– und das Freibad zu unterstützen. Neben Wolfgang Habisreutinger und Klaus Meyer sind auch die Vorsitzenden der DLRG und des Schwimmsportvereins Weingarten mit dabei. „Wir können die Erfahrungen aus Baienfurt nutzen, die vor einigen Jahren ebenfalls einen Förderverein gegründet haben, um ihr Hallenbad zu retten“, sagt Klaus Meyer.

Die möglichen Vereinsmitglieder würden Kompetenz und Erfahrung mitbringen, um auch in Zukunft weitere finanzielle Mittel beschaffen zu können. Meyer: „Wir könnten beide Bäder besucherfreundlicher gestalten, etwa, die Bereiche für Kinder zu verbessern. Ein Gedanke wäre es auch, die Sauna zu erhalten“. Termine und weitere Gespräche mit der Stadt seien auf jeden Fall schon abgemacht.