Ambivalenz

Über die Ambivalenz von Religion in Konflikten

Weingarten / Lesedauer: 2 min

Ausstellung „Weltethos“ noch bis 28. Januar im Tagungshaus Weingarten zu sehen
Veröffentlicht:06.12.2021, 13:10

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„Religionen sind zwar oft an gewalttätigen Konflikten beteiligt, jedoch nicht deren Ursache“, Professor Dr. Andreas Hasenclever von der Universität Tübingen bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Religionspädagogischem Institut sowie Akademie der Diözese im Tagungshaus der Akademie in Weingarten gesagt. In vielen Bürgerkriegen spielen Religionen und ihr Bodenpersonal eine verheerende Rolle. Sie unterstützen die Gewalteskalation und verhindern Verhandlungslösungen. Steckt Gewalt also im Kern von Religion? Von bestimmten Religionen? Bei einer Abendveranstaltung im Tagungshaus Weingarten sprach Prof. Dr. Andreas Hasenclever vor über 40 Anwesenden „Zur Ambivalenz von Religionen in bewaffneten Konflikten“.

Es gebe, so Hasenclever, keine empirischen Befunde dafür, dass religiöse Unterschiede das Risiko von Gewalt erhöhen würden. Vielmehr seien politische Diskriminierungserfahrungen und horizontale Ungleichheiten zentrale Gründe für Konflikte. Es gebe daher auch keine besondere Gewaltbereitschaft des Islam, wie dies immer wieder behauptet werde. Die Konflikte der letzten Jahre ereigneten sich lediglich ganz besonders in Regionen, in denen der Islam verbreitet sei. Die Ursache der Konflikte hatten jedoch keine genuin religiösen Gründe und seien somit nicht im Islam oder einer anderen Religion begründet. Der Zusammenhang von Religion und Gewalt müsse daher in der oft angenommenen Reihenfolge hinterfragt werden: Zuerst stehe der Konflikt. In einem zweiten Schritt erst komme die religiöse Aufladung. Religionen folgen also oft dem Krieg und nicht umgekehrt.

Im Anschluss an den Vortrag und Diskussion mit Professor Hasenclever fand ganz im Sinne des Diskutierten die Eröffnung der Ausstellung Weltethos und der Reihe „Begegnung auf dem Martinsberg: Theologien, Kulturen und Menschen im Dialog“ statt. Es handelt sich um eine gemeinsame Initiative der beiden Weingartener Hochschulen, der ev./kath. Hochschulgemeinde, dem Religionspädagogischen Institut sowie der Akademie in Weingarten. Bis Juli 2022 bietet sich die Möglichkeit, zusammen mit Menschen verschiedener Kontexte, Religionen, Kulturen und Altersgruppen ins Gespräch zu kommen. Ein besonderes und wichtiges Projekt, wie auch Bürgermeister Geiger in seinem Grußwort der Stadt Weingarten betonte.

Das Projekt lädt ein, gemeinsam die Synagoge in Ulm zu besuchen, ein buddhistisches Kloster in Untereschach sowie eine albanische Moschee. Als erste religiöse Stätte wurde am 22. November bereits die Basilika in Weingarten besucht. Die Reihe ermöglicht es, Menschen, Kulturen, Religionen und deren Theologien kennenzulernen, bei einem Fest der Begegnung zusammen zu feiern oder mit Menschen verschiedenster Religionen um Frieden zu beten.