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Extremtourismus

Salemer fährt 508 Tage mit dem Rad durch Wüste, Berge und Dschungel

Weingarten/Salem / Lesedauer: 5 min

Rasende Autofahrer und -17 Grad im Zelt: Darius Braun fuhr eineinhalb Jahre die Panamericana entlang. Nun ist er zurück und erzählt von seinen Erlebnissen.
Veröffentlicht:24.01.2024, 10:32

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Nach 21.020 Kilometern mit dem Fahrrad in eineinhalb Jahren, 508 Tagen, 15 Ländern und rund 50 Medienauftritten ist Darius Braun, ehemaliger Student aus Weingarten, wieder zu Hause in Salem. Er ist die Panamericana-Route vom Norden bis zum südlichsten Zipfel Amerikas gefahren. Dabei hat er Spenden für die Deutsche Tumorhilfe gesammelt, denn er selbst hatte die Krankheit mit 14 Jahren überlebt.

Der 33-Jährige aus Salem ist nach schwerer Krankheit mehr als 21.000 Kilometer mit dem Fahrrad in eineinhalb Jahren vom Norden bis zum südlichsten Punkt Amerikas gefahren. Er hat 15 Länder durchquert und war mehrmals in den nationalen Nachrichten zu sehen.

Mit seiner Geschichte, seine Träume trotz allen Widrigkeiten zu verwirklichen, will er den Menschen Mut machen. Er erzählt von den vielen schönen Begegnungen auf der Strecke, aber auch von den Herausforderungen und den Momenten, in denen er Todesangst hatte.

Das Vertrauen in den Moment

Die Familie und viele seiner Freunde waren gekommen, um Darius Braun, 33 Jahre alt, am Flughafen von Zürich zu begrüßen. Eineinhalb Jahre lang haben sie ihn nicht gesehen, denn er hatte sich allein auf die Reise seines Lebens gemacht. „Ich bin definitiv daran gewachsen, bin gelassener geworden. Ich vertraue auf den Moment und, dass schon alles klappen wird“, sagt er. Das seien die Erfahrungen gewesen, die er in der langen Zeit, in der er allein unterwegs war, gemacht hat.

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Warum er die Fahrt unternommen hat? Im Alter von 14 Jahren wurde bei Braun ein großer Gehirntumor diagnostiziert. Jahre hat er nach der Operation gebraucht, um wieder richtig gehen und sprechen zu können. Von der Hauptschule hat er sich ins Gymnasium hochgearbeitet, studierte in Weingarten an der Pädagogischen Hochschule und wurde schließlich Lehrer.

Aber er wollte sich und auch anderen Menschen beweisen, dass keine Hürde zu groß ist, wenn man nur fest an sich glaubt, und so machte er sich im Juli 2022 auf den Weg, um mit dem Rad vom kanadischen Calgary bis nach Ushuaia in Argentinien zu fahren. Der Anfang war holprig, denn die Airline verlor sein Gepäck samt Fahrrad - und jede Zeitverzögerung kostet Geld. Denn: Sein ganzes Erspartes, Unterstützung von Freunden und Familie sowie Gelder von Sponsoren sind begrenzt.

Größte Herausforderung: Gegenwind

Auf seinem Weg sammelte er Spenden für die Deutsche Tumorhilfe. Er besuchte Krankenhäuser und Schulen, wurde von etlichen Radiosendern und Fernseher-Produktionen interviewt. Dutzende Tageszeitungen haben über ihn berichtet, vor allem die Südamerikaner waren von seiner Geschichte berührt: Darius Braun radelte durch mehrere Klimazonen, fuhr bei 40 Grad Hitze und fror bei -17 Grad. Es galt, Höhenunterschiede von mehr als 4000 Metern zu bewältigen.

Die größte Herausforderung war der Gegenwind, der vor allem in Nordargentinien schlimm war. Da brauchte ich echt Willenskraft,

sagt Braun.

 Statt mit durchschnittlich 23 Stundenkilometern, bewegte er sich durch den Wind auf einer Strecke von etwa 2000 Kilometern mit nur 15 Stundenkilometern fort. Das war die Zeit, in der er besonders oft sehnsüchtig an heimische Gerichte wie das Schnitzel dachte. Auch die Kälte sei teilweise kräftezehrend gewesen. 60 Prozent seiner Zeit übernachtete er im Zelt, auch in den Anden in Peru, wo er sich bei -17 Grad im Zelt in seinen Schlafsack rollen musste.

Am Tag hängt der Schlafsack mit weiteren 52 Kilo Gewicht am Fahrrad. Darius Braun: „Mein Rad war mein Haus. Mein Kleiderschrank, meine Küche, mein Office.“ Er musste sich gut auf die verschiedenen Etappen vorbereiten, musste ausrechnen, wie viel Wasser und Nahrung er brauchte, bis er zur nächsten Siedlung kam. Im Schnitt habe er sieben Liter Wasser pro Tag gebraucht, um Zähne zu putzen, zu kochen, zu essen und zu trinken und um alle Utensilien wieder zu reinigen. Auf längeren Strecken musste er diesen Verbrauch stark senken.

Auf der roten Linie ist Darius Braun eineinhalb Jahre entlang gefahren.
Auf der roten Linie ist Darius Braun eineinhalb Jahre entlang gefahren. (Foto: Darius Braun)

Auto fährt Darius in den USA an

Teilweise fuhr der 33-Jährige tagelang in Gebieten, in denen er niemanden traf, etwa in der Salzwüste Boliviens. „Das war von der Natur her das krasseste Erlebnis. Alles weiß, hunderte Kilometer weit. Es war wie ein anderer Planet“, so Braun. Die Tradition, sich mit Rad nackt in der Wüste zu fotografieren, ließ er nicht aus.

Die gefährlichsten Situationen erlebte er allerdings nicht in der Wüste oder mit wilden Tieren. Die Autofahrer, so Braun, nähmen in Amerika keinerlei Rücksicht auf Radfahrer. In St. Francisco in den USA wurde er angefahren, in Südamerika mehrmals fast überfahren. „Gerade in Peru scheint ein Menschenleben nichts wert zu sein. Ein Radfahrer ist da nur ein Hindernis“, sagt er.

Das sei die eine Seite, auf der anderen seien die Menschen in Südamerika besonders gastfreundlich. Er sei vor allem in Mexiko, Kolumbien und Argentinien ständig zum Essen und Übernachten eingeladen worden. Die vielen neuen Bekanntschaften seien mit das Wertvollste an seinem Abenteuer gewesen. Eine alte Frau in Mexiko etwa, habe sich eine Stunde von ihrem Sohn durch die Stadt fahren lassen, um ihm ein Familienerbstück, ein Amulett, zu geben, das ihn beschützen sollte. Der junge Mann trägt es noch immer um den Hals.

Kranken Mut und Hoffnung schenken

Er besuchte Kinderkrankenhäuser und Rehakliniken sowie Schulen und eine Universität, um - erst in Englisch, später auch auf Spanisch - von seiner Geschichte zu erzählen und den Patienten Mut und Hoffnung zu schenken. „Wenn man Schritt für Schritt weitergeht, kann man viel mehr schaffen, als man es für möglich hält. Man darf nicht aufgeben, wenn man auch mal scheitert“, so Darius Braun.

Dieses Lebensmotto möchte er zusammen mit den vielen Bildern und Videos, die er auf seiner Reise gemacht hat, in Vorträgen weitergeben. Braun: „Für mich war die Rückkehr kein Ende, sondern eine Initialzündung in ein neues Leben.“ Sein Traum sei es, als Trainer Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, mit seiner Freundin, einer Psychologin, vielleicht sogar ein Seminarhaus zu gründen. Reisen möchte er weiterhin regelmäßig, wenn auch nicht über eine so lange Zeit und vor allem nicht allein.