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Es wird laut

Räte stimmen für umstrittenen Neubau des Adolf-Gröber-Hauses

Weingarten / Lesedauer: 4 min

Die Stiftung Liebenau beginnt in diesen Tagen mit dem Abriss. Oberbürgermeister Moll räumt Fehlkommunikation mit den Anwohnern ein.
Veröffentlicht:13.02.2024, 09:00

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Die Nachbarn des Adolf-Gröber-Hauses in Weingarten müssen ab Montag mit Baustellenlärm leben. Denn es steht fest: Ein Teil der Pflegeeinrichtung in der Burachstraße wird abgerissen und neu gebaut.

Der Gemeinderat stimmte den umstrittenen Plänen der Stiftung Liebenau in der vergangenen Sitzung zu. Umstritten vor allem deshalb, weil der Bau nach Angaben der Nachbarn 20 Meter näher an deren Wohnhäuser herankommt als das jetzige Gebäude. Und, weil es danach weniger Pflegeplätze gibt als aktuell.

Räte kritisieren Antragsverfahren scharf

„Das Abstimmungsergebnis macht sehr deutlich, dass wir uns schwergetan haben“, sagte Oberbürgermeister Clemens Moll. Letztlich entschieden sich weniger als die Hälfte der 25 Gemeinderäte für die Umsetzung, sieben enthielten sich. Damit wurde eine einfache Mehrheit erreicht.

„Von einer ‚Nachverdichtung‘, für die wir auch Einschränkungen akzeptiert hätten, kann hier keine Rede sein, denn es entsteht kein Mehrwert an Räumlichkeiten. Mehr Komfort, ja, aber eben nicht für mehr Menschen“, teilte Alexander Jürgens von den Grünen mit und kritisierte, dass das Konzept weniger Pflegebetten als bisher vorsieht, dafür mehr altersgerechte Wohnungen, die sich vermutlich nicht jeder leisten könne. Zu den Preisen kann die Stiftung noch keine Auskunft geben, wie diese mitteilte.

„Wenn das Gebäude ein Leerstand werden würde, dann wäre niemandem geholfen“, verteidigte Udo Mann von der SPD die Pläne der Stiftung. Die gleiche Anzahl von Pflegebetten könnten wegen verschärfter Heimbaurichtlinien und Personalnot eben nicht gehalten werden.

„Es ist mir schwer zu begreifen, warum man sich von der Stiftung Liebenau unter Druck hat setzen lassen“, sagte Peter Wielath von den Bürgern für Weingarten. Die Stadt hätte die verkürzten Abstände zu Nachbargebäuden nicht einfach so hinnehmen dürfen.

Stiftung könnte noch näher ran bauen

Die Stadtverwaltung verwies darauf, dass die Stiftung gesetzlich betrachtet sogar noch näher an die Wohngebäude hätte bauen dürfen, als jetzt geplant. Auch eine Absprache, wonach die Abstände bleiben müssten, wie sie seien, gebe es nicht. Laut Stadt habe mindestens ein Anwohner auf eine solche Verständigung aus den 1960er-Jahren hingewiesen. Daraufhin habe die Stadtverwaltung in den Bauakten von damals nachgesehen. Tatsächlich habe es beim Bau des jetzigen Gebäudes Einwände gegeben. Doch diese seien im Rahmen einer Verständigung zurückgenommen worden.

Die Kommunikation mit den Anwohnern von Seiten der Stadt und der Stiftung kritisierten alle fünf Fraktionen zum wiederholten Male. Horst Wiest von den Freien Wählern sagte: „Eine gute Nachbarschaft geht anders.“ Markus Brunnbauer von der CDU ist der Meinung:

Auch wenn die Kommunikation gelungen wäre, das Ergebnis wäre das gleiche.

Markus Brunnbauer

Der Neubau sei eine sinnvolle Maßnahme für die Zukunft.

Oberbürgermeister Moll räumte ein, dass die Kommunikation hätte besser laufen müssen. Eine Bürgerinformationsveranstaltung habe es aber gegeben. „Wir werden aus dem Prozess lernen“, sagte Moll. Er betonte auch, dass der Neubau politisch gewollt sei, um die Fläche besser auszunutzen. „Wir wollen nicht die Entwicklung auf der grünen Wiese.“

Zeitdruck wegen Fördergeld

Dank der Gemeinderats-Entscheidung für das Projekt kann die Stiftung laut eigenen Angaben ihren Zeitplan einhalten. Das kommt ihr zugute, denn die Stiftung steht aufgrund von bewilligtem Fördergeld in Höhe von 1,2 Millionen Euro unter Zeitdruck. Das Geld von der Kreditanstalt für Wiederaufbau gibt es nur, wenn der Bau hohe energetische Standards erfülle und bis 2027 abgeschlossen ist. Die Stiftung selbst investiert nach eigenen Angaben und aktueller Kostenschätzung insgesamt 17 Millionen Euro.

Die Genehmigung für die Abbrucharbeiten hat die Stiftung nach eigenen Angaben bereits erhalten. Am Montag soll mit den ersten Arbeiten begonnen werden. Die Stiftung schreibt: „Die gesetzlichen Ruhezeiten werden eingehalten, auch im Sinne unserer Bewohnerinnen und Bewohner des Adolf-Gröber-Hauses.“ Falls es dennoch zu Beschwerden kommen sollte, könnten diese an die Bauleitung gerichtet werden. Diese werde mit einem Baubüro vor Ort sein. Die Nachbarn seien vor ein paar Tagen durch einen Brief über den Baustart informiert worden.

Im Zuge der Umbauarbeiten auf dem Gelände soll auch die hauseigene Kapelle abgebrochen werden. Mehrere Räte sowie das ökumenische Seelsorgeteam bedauern das. Gottesdienste soll es weiterhin geben, allerdings in einem Gemeinschaftsraum.

Sobald das Gebäude abgerissen ist, soll mit dem Neubau begonnen werden. Dieser soll Ende 2026 fertig sein. Danach soll das Bestandsgebäude umgebaut werden, damit auch dieses die gesetzlichen Vorgaben der Landesheimverordnung erfüllt.