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Missbrauch

Pater fasst Frau an den Po: So hoch ist die Geldstrafe

Weingarten / Lesedauer: 4 min

Ein halbes Jahr nachdem die Vorwürfe bekannt wurden, gibt es einen Strafbefehl. Das parallel laufende kirchliche Verfahren hat noch keinen Abschluss.
Veröffentlicht:14.08.2023, 19:00

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Im Fall des Pallottiner–Paters in Oberschwaben, der beschuldigt wurde, eine erwachsene Frau unangemessen berührt zu haben, wurde das staatliche Verfahren nun mit einem Strafbefehl beendet. Das teilte der Pallottiner–Orden am Montag mit. Wie das Amtsgericht Ravensburg bestätigte, ist der Strafbefehl mit einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro verbunden ist. Ein kirchenrechtliches Verfahren gegen den katholischen Priester läuft noch.

So kam es zu dem Vorfall

Was war passiert? Der sexuelle Übergriff, weswegen der Pallottiner–Pater schon im März von Bischof Gebhard Fürst beurlaubt und nun mit einer Geldstrafe gemaßregelt wurde, hat im Hochschulumfeld in Weingarten stattgefunden. Den Vorwürfen zufolge habe der Ordenspriester zwei jungen Frauen zunächst beim Billardspiel zugeschaut und dann einer der beiden plötzlich an den Po gefasst. Nach dem Übergriff haben sich die beiden Frauen aus Angst eingeschlossen.

Wie der Orden den Strafbefehl bewertet

„Die Pallottiner sehen die Entscheidung des Gerichts vor dem Hintergrund der geltenden Strafbestimmungen, nachdem der Mitbruder eingeräumt hat, dass es eine Berührung gegeben habe, die allerdings nicht übergriffig hätte sein sollen“, teilte der Orden nun mit. Dass sie von der betroffenen Frau dennoch belästigend wahrgenommen wurde, bedauere der Pater ausdrücklich und entschuldigt sich dafür.

Noch ist nichts rechtskräftig

Wie das Amtsgericht Ravensburg auf SZ–Nachfrage mitteilt, wurde der Strafbefehl inzwischen zugestellt. Er ist verbunden mit einer Geldbuße in Höhe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro, also 900 Euro insgesamt. Diese muss der Beschuldigte an die Staatskasse zahlen. Jedoch: Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig, weil die Frist für das Einspruchsrecht des Beschuldigten noch nicht abgelaufen ist.

Pallottiner entschuldigen sich

Jegliche Aufklärungsarbeit der Diözese und der Staatsanwaltschaft habe der Orden ausdrücklich unterstützt, heißt es seitens der Pallottiner. „Wir bedauern den Vorfall ausdrücklich und entschuldigen uns sowohl bei der betroffenen Frau als auch bei der Diözese Rottenburg–Stuttgart und Bischof Gebhard Fürst“, heißt es abschließend in der Mitteilung der Pallottiner. Und weiter: „Wie die Arbeit in Weingarten nun weiter geht, werden Gespräche zwischen der Provinzleitung der Pallottiner und der Diözese ergeben.“

Das Verhältnis zwischen Diözese und Orden scheint angespannt zu sein. Denn, wie die „Schwäbische Zeitung“ schon im Juni berichtete, wurde der Pater schon im Jahr 2016 wegen ähnlicher Vorwürfe von Kanada nach Indien versetzt. Damals gab es weder eine staatliche, noch eine kirchliche Untersuchung oder gar Verurteilung.

Diözese wusste nichts von der Vorgeschichte

Bei der Diözese Rottenburg–Stuttgart habe man von den Vorwürfen in Kanada nichts gewusst, als man den Pater in der Hochschulseelsorge eingesetzt hat. „Wir haben das nach dem Vorfall in Oberschwaben recherchiert“, teilte Bistumssprecher Gregor Moser im Frühsommer auf Anfrage mit. Vorher sei den Verantwortlichen in Rottenburg nichts darüber bekannt gewesen, so Moser, weil der Pallottiner–Orden das hiesige Bistum nicht über die entsprechende Vor–Geschichte des Mannes informiert habe.

Weiterhin keine öffentlichen Messen erlaubt

Stichwort Diözese: In Rottenburg war man nicht erfreut, als man feststellte, dass die Pallottiner den Pater trotz Vorgeschichte mit einer „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ in die hiesige Diözese geschickt hat. Nach dem ergangenen Strafbefehl heißt es nun seitens der Bistumsverwaltung:

Das vom staatlichen Verfahren unabhängige kirchliche Verfahren gegen den Priester ist noch nicht abgeschlossen und wird weitergeführt.

Diözese

 Der regionale Sprecher des Bistums, Markus Waggershauser, erklärt außerdem, dass dem Pater weiterhin die „öffentliche Ausübung seiner Weihegewalt“ in der Diözese verboten bleibt. Das heißt, dass der Priester keine öffentlichen Messen lesen oder andere Sakramenten wie Trauungen oder Taufen spenden darf.

Kirchliches Verfahren läuft noch

Auch, wenn das kirchliche Verfahren immer noch nicht abgeschlossen sei, betont Waggershauser: „Die diesem Verfahren zugrundeliegende sogenannte ’Interventionsordnung für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und schutz– oder hilfebedürftiger Erwachsener durch Kleriker und sonstige Beschäftigte im kirchlichen Dienst’ legt bei der Beurteilung der Tat deutlich schärfere Maßstäbe an als die staatlichen Gesetze.“ Sowohl die Diözese als auch die Pallottiner kündigten am Montag an, ihre Praxis bezüglich der „Unbedenklichkeitsbescheinigungen“ überdenken zu wollen.