Graskarpfen

Graskarpfen sind in Weingarten zur Plage geworden

Weingarten / Lesedauer: 3 min

Wasserqualität im Kreuzbergweiher aber besser als angenommen
Veröffentlicht:24.08.2018, 15:36
Aktualisiert:22.10.2019, 16:00

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Im Kreuzbergweiher in Weingarten gibt es zu viele zu große Fische. Einige davon, die Graskarpfen, wurden in den 90er-Jahren in den Weiher eingesetzt, damit sie die vielen Pflanzen im Wasser fressen. Doch die Karpfen sind hungrig, und inzwischen fehlen auch vielen Amphibien die Pflanzen, an denen sie normalerweise ihre Eier ablegen. Außerdem ist das Wasser im Weiher trüb. Eine Lösung wäre, einige Graskarpfen herauszuangeln, doch an diesem Unterfangen ist schon so mancher Angler gescheitert. Die Stadtverwaltung ist trotzdem optimistisch.

Fragt man Rainer Bojaski-Hoffmann aus Aulendorf, den Präsidenten der Vereinigung Naturschutz und Fischerei, nach Graskarpfen, dann hat er kaum ein gutes Wort für die Fische übrig, schließlich leide so mancher Weiher seit Jahren unter ihrem Hunger auf Wasserpflanzen.

Einmal eingesetzt, habe man kaum eine Chance, den Graskarpfen wieder loszuwerden. Nur mit Spezialnetzen lasse er sich fangen. Auf herkömmliche Weise bleibe man hingegen meist erfolglos. „Es gibt wenige Spezialisten, die sie mit der Angel fangen, aber das ist ein mühseliges Geschäft“, so der Experte.

Außerdem seien die Fische, die täglich in etwa ihr eigenes Körpergewicht an Pflanzen fressen, aber Algen verschonen, für so manches umgekippte Gewässer verantwortlich. „Wenn sie Hunger haben, dann fressen sie alles. Aber zuerst sind die Laichkräuter dran“, berichtet Bojaski-Hoffmann. Dadurch wurden auch die Amphibien im Kreuzbergweiher indirekt verdrängt, da sie normalerweise diese Pflanzen als Laichgrund nutzen.

Erst bei der Frage, ob man den Graskarpfen essen könne, verfällt er kurz in Schwärmerei. Dann ist nämlich die Rede von Karpfen-Sushi, filetieren, backen und kaltgeräuchertem Karpfenschinken, und die Stadt Weingarten sitzt mit dem Kreuzbergweiher eigentlich direkt an der Quelle. Trotzdem kann man sich hier kaum über den „sehr guten Speisefisch“ aus Asien freuen. Das liegt neben dem Frust darüber, dass sich der Graskarpfen so ungern fangen lässt, daran, dass Amphibien und Wasserqualität gefährdet sind.

Wasseranalyse läuft noch

Darauf hat die Stadtverwaltung Weingarten nun reagiert. „Die Stadt Weingarten hat im Herbst 2017 ein externes Büro für Gewässerkunde mit einer umfangreichen Analyse beauftragt“, so Sabine Weisel, Pressesprecherin der Stadt. Dabei gilt es herauszufinden, wie es um die Wasserqualität im Kreuzbergweiher bestellt ist und welche Faktoren neben dem Graskarpfen noch für das trübe Wasser verantwortlich sind.

Laut einem Zwischenergebnis der Untersuchung sei das Wasser in einem besseren Zustand als angenommen und die äußeren Einflüsse durch die Landwirtschaft, wie zum Beispiel von den angrenzenden Wiesen einfließender Dünger, geringer als gedacht, so Weisel. Da die Gewässeruntersuchung voraussichtlich bis ins erste Halbjahr 2019 andauern werde, gebe es wenig neue Informationen. „Sobald das ökologische Gutachten vorliegt, werden wird die Ergebnisse veröffentlichen.“ Auch lägen keine Angaben zur Population der Graskarpfen vor.

Jedoch verweist Sabine Weisel darauf, dass sich nach Ansicht des Regierungspräsidiums zu viele und zu große Fische wie Karpfen und Hechte im Kreuzbergweiher befänden. Deshalb würde man in den Jahren 2018 und 2019 keine neuen Fische in das Gewässer einsetzen und 2020 „nur ganz kleine“.

Wer die Herausforderung oder Karpfen-Sushi liebt, kann sein Glück mit der Angel versuchen, sofern er im Besitz eines Angelscheins und Mitglied im Fischereiverein Weingarten ist. Als Köder empfehlen Insider Salatherzen, Spinat und Spargelspitzen. Dabei sollte aber bedacht werden, dass es so manchen Angler gibt, der den Kreuzbergweiher jahrzehntelang beangelt hat, ohne je einen Graskarpfen gefangen zu haben.