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Verbandsversammlung

Gesellschaft und Wirtschaft brauchen einander

Weingarten / Lesedauer: 3 min

IHK begrüßt den Regionalplan – Warum eine gute Wirtschaftsentwicklung für die Region so wichtig ist
Veröffentlicht:21.06.2021, 10:00

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Die Verbandsversammlung des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben entscheidet am Freitag, 25. Juni, über die Fortschreibung des Regionalplans. Laut einer Pressemitteilung der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) sei die Ausweisung von Gewerbeflächen aus Sicht der Unternehmen das zentrale Thema. „Für die Unternehmen der Region sind Entwicklungschancen ein elementarer Standortfaktor. Es ist eine existentielle Frage, ob Unternehmen zukünftig Flächen für eine Entwicklung hier vor Ort haben werden“, wird IHK-Präsident Martin Buck zitiert. Eine auf den Gegensatz zwischen Wachstum und Umweltschutz verkürzte Debatte werde der Wichtigkeit des Themas nicht gerecht.

Selbstverständlich müsse mit Flächen sparsam umgegangen und die Versiegelung möglichst gering gehalten werden. So habe die IHK wiederholt die Einrichtung Interkommunaler Gewerbegebiete gefordert, die zur Flächenersparnis beitragen und besser an den ÖPNV angebunden werden können als kommunale Einzellösungen. In ihrer Pressemitteilung begrüßt es die IHK, dass der neue Regionalplan erstmals solche Interkommunalen Gewerbegebiete vorsehe.

Vernunft und Weitsicht

Die Region Bodensee-Oberschwaben verdanke ihren hohen Wohlstand und überdurchschnittliche Einkommen der guten Wirtschaftsentwicklung. „Damit das so bleibt, plädiert die IHK für eine Gewerbeentwicklung, die von Vernunft und Weitsicht geprägt ist. Wo immer Wirtschaft wächst, werden Flächen benötigt“, so die Pressemitteilung weiter. Wer diesen Effekt aber in andere Regionen oder ins Ausland verschieben möchte, hätte in der Umweltbilanz nichts gewonnen. Die Einnahmen, Arbeitsplätze und positiven Effekte wären für unsere Bevölkerung für immer verloren. „Die Wirtschaft ist Teil der Gesellschaft und entwickelt sich mit ihr weiter“, so Buck .

Aus Sicht der IHK Bodensee-Oberschwaben seien einige wirtschaftsrelevante Aspekte bislang zu kurz gekommen. Beispielsweise die Flächeninanspruchnahme. In der Region Bodensee-Oberschwaben betrage der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche 11,7 Prozent, das sei der niedrigste Wert aller Regionen in Baden-Württemberg und zeige, dass der Ausgleich zwischen Wohnen und Gewerbe, zwischen Umwelt, Tourismus und Landwirtschaft gut gelungen sei. Bei der Versiegelung der gesamten Regionsflächte entfielen 1,4 Prozent auf Gewerbe- und Industrieflächen und 3,2 Prozent auf Wohnflächen. Laut Pressemitteilung könne also keine Rede davon sein, dass hauptsächlich die Wirtschaft für die Flächenversiegelung verantwortlich sei.

Vorausschauende Regional- und Flächenpolitik

Hinsichtlich der Standortverlagerungen von Betrieben müsse eine vorausschauende Regional- und Flächenpolitik außerdem dafür sorgen, über genügend Vorratsflächen für expandierende Betriebe zu verfügen. Die Erfahrung zeige, dass Betriebe eine Entfernung von 30 bis 40 Kilometer als standortnah ansehen. Bei dieser Distanz könnten Fachkräfte im Unternehmen gehalten werden. Eine Schwächung der Wirtschaft und eine Abwanderung von Betrieben gingen tendenziell zulasten der Menschen. Darüber hinaus sei das langfristig zu erwartende niedrigere Flächenwachstum im Entwurf des Regionalplans berücksichtigt, denn die geplanten Gewerbeflächen bewegten sich am unteren Rand der Prognose.

Mit Blick auf die Gewerbesteuer verweist die IHK auf „eine der wichtigsten Einkommensquellen“ für Kommunen. In der Region betrage dieser Anteil am Steueraufkommen mehr als ein Drittel (35,6 Prozent, Stand 2019). Abwanderungen von Betrieben könnten sinkende Gewerbesteuer-Einnahmen nach sich ziehen, was sich auf die Ausgaben für öffentliche Einrichtungen auswirken könnte und somit Schwimmbäder, Büchereien, Wasser-, Abfallgebühren und mehr teurer werden könnten.