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Welte Nord

Gerangel um das größte Gewerbegebiet Weingartens

Weingarten / Lesedauer: 4 min

Die Stadt vermarktet „Welte Nord“ ab 2024. Das hält die IHK für sehr wichtig und ärgert sich über die Flächenverknappung durch die Politik.
Veröffentlicht:29.11.2023, 07:00

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Mit rund 3,3 Hektar ist das Areal „Welte Nord“ die größte Gewerbefläche im Stadtbereich von Weingarten. Eigentlich hatte das japanische Unternehmen Aida dort bauen sollen, die Pläne aber verworfen. Die Stadt kaufte die Fläche zurück und überlegt sich seitdem, was damit passieren soll. Diesen Sommer wurden hiesige Firmen nach ihren Bedürfnissen befragt. Im kommenden Jahr soll die Vermarktung starten. Die IHK glaubt, dass sich der Wettbewerb um die Flächen künftig noch verschärfen wird.

Stadt sucht innovative Firmen

Der japanische Pressenhersteller Aida wollte auf dem Grundstück „Welte Nord“ im Nordwesten der Stadt zwischen Niederbieger und Altshausener Straße expandieren. Ende 2022 hätte der Neubau mit Platz für rund 100 Mitarbeiter schon stehen sollen, aber die Folgen der Corona-Pandemie und die Entwicklungen im Bereich Automotive hätten dazu geführt, dass Aida die Pläne auf Eis legte und die Fläche an die Stadt zurückverkaufte.

Das war vor rund einem Jahr. Die Stadt Weingarten lässt das Konzept für die große Fläche reifen. Man wolle bedacht und überlegt an die Vermarktung herangehen. „Gesucht sind innovative und zukunftsfähige Firmen und Konzepte“, so Stadtsprecherin Sabine Weisel. Sie sollen den Standort weiterentwickeln. Es gehe auch um Synergieeffekte zwischen den Betrieben.

Örtliche Betriebe werden berücksichtigt

In einem der ersten Schritte wurden hiesige Firmen und Gewerbetreibende zu ihren Bedürfnissen befragt. Diese Ergebnisse liegen der Stadtverwaltung vor, die nur mitteilt, dass die Bedarfe vielfältig sind. Klar ist, dass „innovative Nutzungskonzepte“ gewünscht sind, denn das weitläufige Areal lade zum Experimentieren ein. Es könnten sich beispielsweise einzelne Unternehmen Baugrund und Geschäftsräume teilen. Es könnte energiearm und klimafreundlich gebaut werden. Auch das Thema Parken könnte „neu gedacht“ werden, so die Stadtverwaltung.

Im internationalen Vergleich überteuerte Energiepreise bei fraglicher zukünftiger Versorgung, Lücken in der Verkehrsanbindung und jetzt noch eine künstlich extreme Flächenverknappung: Wie sollen die Betriebe das alles kompensieren?

Bettina Wolf

Um zu entscheiden, welche Unternehmen zum Zug kommen werden, müssten konkrete Vergabekriterien definiert werden. Sie sollen örtliche Betriebe aus Handwerk, Dienstleisung und Produktion, die sich vergrößern oder verlagern möchten, favorisieren. Die Stadt zielt auch auf technologieorientierte Firmen ab. Sollte es Unternehmen geben, die ihren Betrieb ins „Welte Nord“ verlagern möchten, würden wiederum neue Flächen im Stadtgebiet frei werden. Auch das bringe neue Chancen mit sich.

Die Bandbreite an bisherigen Interessenten ist groß, so Sabine Weisel. Großhändler und Logisitikunternehmen möchten gern viel Fläche haben, um sich zu erweitern. Auch produzierende Unternehmen wollen ein Stück vom Kuchen. Kleine und mittelständische Betriebe tummeln sich ebenfalls unter den Interessenten. Im kommenden Jahr soll die Vermarktung starten. Wann die ersten Betriebe anfangen könnten zu bauen, dazu könne sich die Stadt noch nicht äußern.

Jeder fünfte Betrieb will sich erweitern

Die Industrie und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) ist froh über jede Fläche, die Unternehmen angeboten wird, denn die Nachfrage im ganzen mittleren Schussental sei groß. Jeder fünfte Betrieb in der Region möchte sich erweitern - das geht aus der IHK-Konjunkturumfrage vom Oktober 2023 hervor. Und gerade Weingarten müsse aufgrund der geringen Flächenkapazitäten haushalten, sagt Bettina Wolf, Referentin für Regionalentwicklung bei der IHK.

Sie glaubt, dass sich die Situation noch verschärfe, dass der Wettberwerb um Flächen stärker wird. „Die Politik muss sich ehrlich machen und sich wieder mehr an den Sachzwängen orientieren. Gerade, wenn Unternehmen expandieren, betreiben sie keinen exzessiven Flächenfraß, sondern folgen Notwendigkeiten“, sagt Bettina Wolf. Die Betriebe in der Region seien oft familiengeführt und lokal sehr stark verwurzelt. Eine Verlagerung der Produktion oder gar des ganzen Unternehmens sei oft schlicht nicht möglich.

Interkommunale Gewerbeflächen wichtig

Sie verurteilt die Flächenverknappung durch die Landespolitik. Man setze sich in der Region für die wichtige Entwicklung interkommunaler, zusammenhängender Gewerbeflächen ein, doch einige Flächen seien vom Land aus dem sogenannten Regionalplan gestrichen worden. Das heißt, dass 120 Hektar weniger Fläche als geplant zur Verfügung stehe.

Bettina Wolf: „Im internationalen Vergleich überteuerte Energiepreise bei fraglicher zukünftiger Versorgung, Lücken in der Verkehrsanbindung und jetzt noch eine künstlich extreme Flächenverknappung: Wie sollen die Betriebe das alles kompensieren?“ Sie ist sich sicher, dass die Wirtschaft verantwortungsbewusst mit den Flächen umgeht.