Großprojekt

Ewald: Weingarten will Stuttgart 21

Weingarten / Lesedauer: 3 min

Ewald: Weingarten will Stuttgart 21
Veröffentlicht:20.09.2010, 21:20
Aktualisiert:26.10.2019, 00:00

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Weingartens Oberbürgermeister Markus Ewald unterstützt Stuttgart 21., die Schwäbische Zeitung berichtete. Auf Initiative von Laupheims Bürgermeister Rainer Kapellen (CDU) stellen sich hinter das umstrittene Großprojekt die Bürger- und Oberbürgermeister von Weingarten, Biberach, Friedrichshafen, Ehingen und Laupheim. Oberbürgermeister Markus Ewald hat seinen Vorstoß nicht mit den Fraktionen abgesprochen.

Von unserem Redakteur  Dirk Grupe

In einer gemeinsamen Erklärung der Stadtoberhäupter heißt es: „Stuttgart 21 und insbesondere die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm sind von existentieller Bedeutung für den ländlichen Raum, will man nicht langfristig in den ,Verkehrsschatten‘ geraten.“ Gerade in der ländlich geprägten Region von Ulm bis Friedrichshafen, so die Unterzeichner weiter, sei es zwingend notwendig, nach mehr als 150 Jahren eine neue, leistungsfähige Zugverbindung zwischen Ulm und Stuttgart zu schaffen. „Das Bahnprojekt ist daher das zentrale Verkehrsthema für den ländlichen Raum“, sagt Weingartens früherer Erster Bürgermeister Rainer Kapellen. „Durch die bessere Erreichbarkeit wird der Wirtschaftsstandort deutlich gestärkt.“

Bedeutend für den ländlichen Raum ist vor allem der Ausbau der Bahnabschnitte Stuttgart-Wendlingen und Wendlingen-Ulm. „Mit der Bahn von Ulm in die Landeshauptstadt wird durch Stuttgart 21 die Fahrzeit von 54 auf 28 Minuten verkürzt werden“, sagt Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand.

Genau an diesem Ausbau gibt es aber Zweifel. Kritiker sagen, allein der Steigungen wegen könne die Strecke den Güterverkehr nicht tragen, ein wichtiger wirtschaftlicher Aspekt würde damit verpuffen. Das renommierte Züricher Planungsbüro SMA spricht bei Stuttgart 21 von einem „schwer beherrschbaren Gesamtsystem“ und von „geringer Gestaltungsmöglichkeiten des Fahrplans“. Schwierigkeiten bereitet demnach die Verbindung vom Hauptbahnhof-Stuttgart zum Flughafen und von dort zur geplanten Neubaustrecke in Wendlingen. Das Problem: die nur eingleisige Strecke zum Flughafen-Bahnhof. Dort sind elf Züge pro Stunde geplant – zu viele, sagen die Gutachter, das System damit überlastet. Nicht zuletzt das SMA-Gutachten hat die SPD-Fraktion in Stuttgart bewogen, einen Baustopp für Stuttgart 21 zu fordern. Die oberschwäbischen Stadtoberhäupter hingegen „lehnen einen Baustopp entschieden ab“.

Ravensburgs Oberbürgermeister Daniel Rapp wollte sich den Kollegen nicht anschließen: „Für uns ist die Elektrifizierung der Südbahn entscheidend." Zu Suttgart 21 und Baustopp habe er eine eigene Meinung, das Thema ist ihm aber zu weit weg von Oberschwaben.

Machbarkeit ungewiss

„Es gibt so viele Gutachten. Ich habe nicht die Möglichkeit, die technische Machbarkeit zu beurteilen“, räumte gestern auch Markus Ewald gegenüber der Schwäbischen Zeitung ein. Dennoch setzt er sich für das Projekt ein, weil „wir von der Verkehrsinfrastruktur nicht optimal angeschlossen“ sind.

Der Anschluss soll auch über die Elektrifizierung der Südbahn gelingen, bei der Stuttgart 21 „ganz entscheidend“ helfe, meinen die Bürger- und Oberbürgermeister. Ganz im Sinne vom Bundestagsabgeordneten Andreas Schockenhoff ( CDU ), der kürzlich gegen über Schwäbischen Zeitung sagte, das Thema Elektrifizierung sei 2015 bis 2017 abgeschlossen. Widerspruch bei der Bundestagsabgeordneten Agnieszka Malczak (Grüne), die Schockenhoffs Aussagen kommentierte: „Leere Versprechungen“.

Viele Fragezeichen also und viele Fragen an Oberbürgermeister Markus Ewald, der sagt: „Das war eine kurzfristige Aktion innerhalb eines Tages.“ Die Fraktionen hätte er daher nicht über die Aktion informieren können. Im Gemeinderat gestern betonte er: „Das ist die Sicht der Stadtverwaltung, aber nicht die des Gemeinderates.“ Diskussionsbedarf bestehe daher nicht. Ein Widerspruch.

Der Gemeinderat ist per Definition Teil der Stadtverwaltung, sogar ihr wichtigster.