Welfenfest

Mit Sepp Grimm stirbt eine Weingartener Institution

Weingarten / Lesedauer: 3 min

Sepp Grimm hat sich in vielen Ehrenämtern um seine Heimatstadt verdient gemacht
Veröffentlicht:30.10.2018, 11:20
Aktualisiert:22.10.2019, 15:00

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Über viele Jahrzehnte hat Sepp Grimm das öffentliche Leben in seiner Geburtsstadt Weingarten geprägt wie kaum eine andere Persönlichkeit: sei es in der Fasnet, beim Welfenfest, das zu seiner aktiven Zeit noch Schüler- und Heimatfest hieß, beim Skiverein Welfen, beim Handels- und Gewerbeverein, oder auch und vor allem in der Kommunalpolitik, wo er als Stadt- und Kreisrat maßgeblich die Geschicke Weingartens mitbestimmt hat. Dieser Tage ist Grimm im Alter von 80 Jahren gestorben.

Aus dem öffentlichen Leben hatte sich der einst so umtriebige und vor vermeintlich unerschöpflicher Energie strotzende Mann schon vor längerer Zeit zurückgezogen. Seine körperlichen und mentalen Kräfte waren eben doch nicht unerschöpflich gewesen. Aber er war auch klug genug, sich nicht für unentbehrlich zu halten. So hatte Sepp Grimm schon beizeiten seine beiden Kinder in die Leitung des Schuh- und Sportgeschäfts in der Karlstraße eingebunden und dem Sohn freie Hand gelassen, als dieser sich ganz auf die Sportsparte verlegte.

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„Meine Frohnatur habe ich wohl von meiner rheinischen Mutter geerbt“, erzählte Grimm einmal. Den im Krieg gefallenen Vater lernte er kaum kennen. Geprägt habe ihn vor allem sein Großvater, der ebenfalls in vielfacher Weise öffentlich gewirkt hatte. Der Plätzlerzunft ist Grimm bereits 1951 beigetreten. Über viele Jahre organisierte der langjährige Zunftrat federführend den Plätzlerball. Er hielt die Trauerreden beim Fasnetsverbrennen und kommentierte die Fasnetsumzüge bei großen Landschaftstreffen. Legendär sind aber auch seine Auftritte als Mostclub-Präsident, bei denen Grimm seine Schlagfertigkeit und seinen knitzen schwäbischen Humor ausspielen konnte.

Innenminister zum Rücktritt aufgefordert

Doch er war kein Selbst-Inszenierer, der sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in den Vordergrund drängt und anderen die Drecksarbeit überlässt. Bei allem, was Grimm anpackte, ging es ihm darum, dass sich die Menschen in seiner kleinen überschaubaren Stadt heimisch fühlen, dass es sich hier gut leben lässt. Als Kommunalpolitiker – viele Jahre führte er den Fraktionsvorsitz der Freien Wähler im Gemeinderat – war ihn eine gut funktionierende Infrastruktur Weingartens eine Herzensangelegenheit. Da konnte er schon vehement streiten, wenn es um die Sache ging. Aber er wurde nie verletzend oder gar nachtragend, wenn eine Debatte mal allzu hitzig ausgetragen wurde.

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Mit großer Leidenschaft verkämpfte sich Grimm für den Erhalt der kommunalen Selbständigkeit Weingartens, als die damalige Landesregierung die zwangsweise Eingemeindung nach Ravensburg verfügte. Dabei forderte er den seinerzeitigen Innenminister Schieß öffentlich zum Rücktritt auf.

Es konnte nicht ausbleiben, dass Sepp Grimm für einen gesunden Einzelhandel in der Innenstadt eintrat. Dass ihm das den Vorwurf einbrachte, seine Fraktion sei im Gemeinderat die „Karlstraßenmafia“, trug er mit Fassung und dem ihm eigenen Humor. Wusste er doch genau, dass eine gut funktionierende Nahversorgung lebenswichtig ist, auch und gerade für eine Stadt wie Weingarten, die im Sog der größeren Nachbarstadt steht. Sein Horizont reichte weit über die Karlstraße hinaus. So war es nicht verwunderlich, dass die Wahl auf ihn fiel, als die Stadt Weingarten 2011 erstmals ihre Bürgermedaille verlieh. Kaum ein anderer Bürger hatte das Ideal des engagierten Bürgers so lange und so nachhaltig verkörpert wie er – auch dort, wo er nicht im Licht der Öffentlichkeit stand.