Corona-Pandemie

Abschied von einem Meister der Diplomatie

Weingarten / Lesedauer: 2 min

Zum Tod des früheren PH-Rektors und langjährigen SPD-Stadtrats Dietmar Schillig
Veröffentlicht:28.02.2021, 16:55

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Rauschende oder gar polternde Auftritte in der Öffentlichkeit waren Dietmar Schilligs Sache nie. Und dennoch hat der ehemalige PH-Rektor und langjährige Kommunalpolitiker mit seinem diplomatischen Geschick und umfassenden Wissen unheimlich viel für die Stadt Weingarten und die gesamte Region erreicht. Vor kurzem ist er nach längerer Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben.

Von 1978 bis 1982 leitete Schillig als Rektor die Pädagogische Hochschule Weingarten und war danach weitere zwei Jahre Prorektor. In dieser Zeit konnte er entscheidende Weichen für die Zukunft der damals akut von Schließung bedrohten Bildungsstätte stellen, indem er erfolgreich für den Erhalt der grundständigen Realschullehrer-Ausbildung eintrat. In dieser Zeit gelang es auch, in Kooperation mit der Uni Konstanz, das eingeschränkte Promotionsrecht an der Hochschule zu etablieren. Dies und die Einrichtung weiterer Aufbaustudiengänge sorgten dafür, dass sich die PH Weingarten auf einer soliden Basis entwickeln konnte.

Nutzte politische Netzwerke

Dietmar Schillig nutzte dabei seine im Hintergrund gesponnenen politischen Netzwerke weit in die Region hinein. Der überzeugte Sozialdemokrat agierte dabei nie mit parteipolitischen Scheuklappen. So pflegte er enge Kontakte zum damaligen CDU-Landrat Guntram Blaser, dem er auch freundschaftlich verbunden war. Dem Kreistag gehörte der Geografieprofessor von 2004 bis 2009 an, dem Gemeinderat in den Jahren

1975 bis 1980 und später nochmals von 1994 bis 2009.

In beiden Gremien verschaffte er sich über alle Fraktionsgrenzen hinweg Respekt durch seine fachlich fundierten Wortmeldungen, die er gern mit seinem hintergründigen Humor würzte. So konnte er manch hitziger Debatte die Spitze nehmen. Seiner Wahlheimat Oberschwaben war der gebürtige Schlesier innig verbunden. Sein Engagement für den Erhalt der Umwelt entsprang einer großen Zuneigung zu den Menschen und der heimischen Kultur.So war er Mitherausgeber des Weingartener Heimatbuchs und Mitbegründer der Zeitschrift „Im Oberland“, die er mit zahlreichen Artikeln bereichert hat.

Wissen verständlich vermitteln

Wissen zu vermitteln in allgemein verständlicher Form und seine Kenntnisse tieferer Zusammenhänge in praktische politische Arbeit einfließen zu lassen, war ihm stets ein großes Anliegen. Dabei wirkte Dietmar Schillig nie akademisch abgehoben. Als ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters nutzte er seine Besuche bei Ehe- und Altersjubilaren, um zu erfahren, wo die Menschen der Schuh drückt. Als ihm 2014 die Bürgermedaille verliehen wurde, hob er diesen Aspekt seiner politischen Tätigkeit explizit hervor.

„Für uns war Dietmar Schillig ein unschätzbar wichtiger Berater“, beteuert die SPD-Fraktionsvorsitzende Doris Spieß. Sie blieb auch nach seinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat in regelmäßigem Kontakt mit ihm. Umso mehr schmerzt es sie, dass in jüngster Zeit wegen der Corona- Pandemie keine Besuche mehr möglich waren.