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Pelz

Bienen in der Region leiden unter der „Vermaisung“ der Landschaft

Weingarten / Lesedauer: 3 min

Der Film „More than honey“ hat 800 Menschen in die Linse gezogen – Anschließend diskutierten zwei Imker mit dem Publikum
Veröffentlicht:26.11.2012, 14:20

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Wie sehr den Menschen im Kreis Ravensburg die Bienen am Herzen liegen, wurde in der Linse in Weingarten deutlich. 800 Menschen haben den Film „More than honey“ gesehen.

Der Film beginnt mit Szenen aus der Schweiz. Blühende Alpenrosen, saftige Bergwiesen, beeindruckende Berge mit verschneiten Gipfeln – hier scheint das Leben noch in Ordnung und die Bienen gesund. Ein bärtiger Mann mit Filzhut und Strickjacke stellt eine Leiter auf und klopft einen Schwarm Bienen von dem Ast eines Baums in einen Holzkasten.

Markus Imhoof hat mit „More than honey“ einen außergewöhnlichen Film gedreht. Er zeigt das Leben der Bienen in unterschiedlichen Ländern. Ein amerikanischer Imker fährt viertausend Völker in riesige Mandelbaum-Plantagen und kassiert nicht nur Geld für den Honig, sondern auch fürs Bestäuben der Blüten – denn ohne Bienen würde es keine Mandeln geben. Trotzdem wird keine Rücksicht auf sie genommen, es werden auch dann Fungizide gespritzt, wenn sie von Blüte zu Blüte unterwegs sind. In China müssen die Blüten einer Obstbaumplantage von Menschen bestäubt werden in mühseliger Handarbeit, weil es keine Bienen mehr gibt.

Im Anschluss an den Film stellten sich Anton Hoh und Bernhard Worf den Fragen des Publikums, beide sind Imker im Landkreis Ravensburg. „Wie geht es den Bienen bei uns?“ Diese Frage beschäftigte alle Zuschauer. Nicht gut, war die Antwort. Das liegt einerseits an der Varroa, einer Milbe, die im Pelz der Bienen sitzt und sie nach und nach aussaugt. Andererseits aber auch am Rückgang der Artenvielfalt auf Wiesen und Feldern. Die „Vermaisung“ der Landschaft ist unangenehm nicht nur für Spaziergänger, die sich durch Mais-Schluchten bewegen müssen, so Anton Hoh, sondern auch für die Bienen. Maispollen ist ein minderwertiger Pollen, er enthält kein Eiweiß. Bienenvölker, die nur Maispollen zu Verfügung haben, nehmen Schaden.

Durch die Presse ging die verheerende Wirkung eines Beizmittels von Mais, das zum massenhaften Sterben der Bienenbrut im Rhein-Main-Gebiet geführt hat. Dieses Mittel ist inzwischen verboten, aber immer noch gibt es Beizmittel, die Stoffe enthalten, die das Orientierungsvermögen von Bienen schädigen, sie finden nicht mehr zum Stock zurück. Positiv ist, dass sich die Messinstrumente verfeinert haben, die Prüfinstitute untersuchen die Auswirkungen von Stoffen nicht nur auf die Biene, sondern auch auf Ei, Made und Puppe. Wenn Gefährdungen nachgewiesen werden können, werden die Stoffe verboten.

„Was können wir tun?“, fragte eine Besucherin. Anton Hoh: „Blumenwiesen anlegen und nicht dauernd mähen.“ Die Zahl der Imker geht zurück, eine flächendeckende Bestäubung der Blüten in Baden-Württemberg ist kaum noch gewährleistet.