Abbruchbagger

Abbruchbagger reißt eingestürztes Haus ab

Weingarten / Lesedauer: 3 min

Ein Teil des Gebäudes ist nicht mehr zu retten – Feuerwehr und THW sind bis nachmittags im Einsatz
Veröffentlicht:11.03.2013, 16:50
Aktualisiert:25.10.2019, 02:00

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Mit Krachen und Knirschen frisst sich der Abrissbagger ins Gebälk. Nichts zu machen: Das Haus muss abgerissen werden. Ein Teil des Gebäudes in der Weingartener Liebfrauenstraße ist eingestürzt. Es steht seit Jahren leer, sagt seine Eigentümerin. Deshalb wird niemand verletzt, Menschen sind nicht gefährdet. Es ist Nachmittag.

Die Weingartener Feuerwehr wird um halb neun am Montagmorgen alarmiert. Vor Ort ist schnell klar: Hier muss Verstärkung her. Das Technische Hilfswerk wird hinzugezogen. Die THW-Einsatzkräfte rücken mit speziellem Equipment an. Mit einem Lasermessgerät können sie kleinste Veränderungen am Gebäude registrieren. Das ist wichtig, um permanent im Blick zu haben, ob sich das Haus noch weiter verändert und man damit rechnen muss, dass das es noch weiter einstürzt. Die Fassade sieht aufgeplatzt aus, ausgebeult. Ein bisschen so, als ob man sich in einen Anzug zwängt, der nicht mehr passt. Die THW-Kräfte haben ein Einsatzgerüstsystem dabei. Damit wird der Teil des Hauses abgestützt, der noch nicht eingestürzt ist. Das Gebäude grenzt direkt an die Scherzach an. Auch deshalb müssen die Einsatzkräfte besonders aufpassen. Würden Trümmer in den Bach stürzen, könnte sich das Wasser stauen und über die Ufer treten. Seit dem Hochwasser 2011 sind die Weingartener sensibilisiert. Für alle Fälle steht ein Bagger bereit, um Bauschutt aus der Scherzach zu fischen.

Dass das Scherzach-Hochwasser dem Gebäude 2011 zugesetzt haben könnte, ist unwahrscheinlich: „An dieser Stelle ist so gut wie kein Wasser, die Mauer ist hier auch noch intakt“, sagt Feuerwehrkommandant Horst Romer. Zudem hätte das Hochwasser an anderer Stelle seinen Schwerpunkt gehabt.

Ursache ist noch unklar

Unklar ist allerdings noch die genaue Ursache des Einsturzes. Um das zu klären, sind auch Bauexperten der Feuerwehr vor Ort. Es sehe aber so aus, als ob es an der maroden Bausubstanz des Gebäudes liegt, ist vor Ort zu erfahren. Ein kleiner Pavillon dient der Feuerwehr als Besprechungsstützpunkt. Auf zwei Biertischen haben Mitarbeiter des Stadtplanungsamts alte Pläne ausgebreitet. Mit akribischem Blick nehmen Sie die teils schon vergilbten Pläne in Augenschein. „Auf diese Weise können wir sehen, wie die Gebäudeteile ineinander verschachtelt sind, wo Trennlinien sind“, sagt Walter Kuon, Leiter des Stadtplanungsamts.

Weil die Einsatzkräfte das Gebiet abgesperrt haben, Autos umleiten und eine kleine Brücke über die Scherzachstraße für Fußgänger eigentlich unpassierbar ist, bleiben immer wieder Schaulustige stehen. Der Lärm von Kettensägen erfüllt die Luft, als Einsatzkräfte Holzstücke zum Abstützen zurechtsägen, andere tragen Gummireifen her, auf denen der Abbruchbagger später bis nah an die Scherzach heranrollen kann. Gegen Abend können die Bewohner des vorderen Gebäudeteils in ihre Wohnungen zurückkehren. Sie sind vorsorglich während des Abbruchs aus dem Haus gegangen.

Vor bald acht Jahren musste bereits das Haus nebendran weichen: Das als „Maxgut“ bekannte Gebäude wurde im Zug der Stadtsanierung 2005 wegen der beengten Verkehrsverhältnisse abgerissen.