Konflikt

„6000 Studierende lassen sich nicht wegdiskutieren“

Weingarten / Lesedauer: 4 min

Studenten geben Stellungname ab zur schwierigen Situation in der Oberstadt
Veröffentlicht:29.04.2011, 18:45
Aktualisiert:25.10.2019, 18:00

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Studentische Stellungnahme an die Schwäbische Zeitung zum Thema „Konflikt Oberstadt“.

Weingarten , 28.04.2011

In den vergangenen Wochen ist eine öffentliche Diskussion bezüglich der Konflikte zwischen Anwohnern der Oberstadt und Studierenden der beiden Hochschulen Weingartens entstanden. Wir möchten nun die Auseinandersetzung aus studentischer Sicht beleuchten und dabei die Arbeit des Runden Tischs Oberstadt erläutern.

Der eigentliche Sinn eines Runden Tisches, und damit auch des Runden Tisches Oberstadt, ist es gemeinsam nach Lösungen für entstandene Probleme zu suchen. Mit diesem Vorhaben sind wir, die studentischen Institutionen (PH/FH Asta/Usta, Alibi, Hoki, EKHG) und die Vertretungen der Wohnheime, mit den Anwohnern zusammengekommen. Nachdem dieser Runde Tisch in den vergangenen Jahren jedoch nur sporadisch durchgeführt wurde, und jedes Mal in wenig zielorientierten, gegenseitigen Vorwürfen endete, sollte der im Juni 2010 gegründete „neue“ Runde Tisch dem entgegenwirken. Unter der Führung von Herrn Ewald war das Ziel, auf der Basis wertschätzender Kommunikation, eine Plattform der Begegnung zu schaffen. Damit sollte genau jene Art der destruktiven Vorwurfshaltung, wie sie im letzten Zeitungsartikel dargelegt wurde, vermieden werden. Zumal der Runde Tisch bei den vergangenen Treffen genügend genutzte Gelegenheiten geboten hat, um dem bestimmt auch berechtigten Ärger, von Seiten der Anwohner, Luft zu machen. Angestoßen wurde die Gründung des Runden Tisches zwar, um genau diese Begegnung zu ermöglichen und damit ein verträgliches Miteinander zu gewährleisten, aber bei dieser „neuen Generation“ des Runden Tisches sollten auch weitgreifende Ziele in den Vordergrund gerückt werden. Themen waren dabei beispielsweise kulturelle Angebote, öffentlicher Nahverkehr, Schaffung von Wohnraum für Studierende, Transparenz schaffende Öffentlichkeitsarbeit bezüglich studentischer Veranstaltungen, die Zweitwohnsitzsteuer und einiges mehr. Zusammengefasst sollen für die Zukunft neben der „Symptombekämpfung Ruhestörung“ vielschichtige Maßnahmen für ein studentenfreundliches Weingarten umgesetzt werden, um eine Identifikation der Studierenden mit der Stadt Weingarten zu fördern. Unserer Meinung nach ist dies eine wichtige Grundlage für ein langfristig harmonisches Miteinander. Der Runde Tisch könnte und sollte ursprünglich hierfür die Vorarbeit leisten. Leider rücken stattdessen nun wieder als alleiniges Thema die Ruhestörungen in den Vordergrund. Die Art und Weise wie das Thema nun in der Öffentlichkeit diskutiert wird, führt zu einer Verhärtung des Konflikts: Anwohner werden besonders hellhörig auf nächtlichen Lärm und Studierende beziehen Protesthaltung. Aus dieser Situation heraus ist es schwer die Lage zu entspannen. Die von unserer Seite aus vertretbaren Möglichkeiten zur Lärmeingrenzung wurden unternommen und werden eingehalten. Neben den bereits vorhandenen Auflagen für die Großveranstaltungen, gibt es von Seiten der Studentenkneipen Vorkehrungen, die zum Rückgang der Lärmbelästigung beitragen sollen. Dazu gehören strikte Beschränkung der Ausschankzeiten und des Zeitraums der musikalischen Beschallung, Überwachung des Außenbereichs durch Türsteher und zahlreiche Hinweise, sich auf dem Nachhauseweg leise zu verhalten. Leider gibt es, wie überall, auch unter den Studierenden „Schwarze Schafe“, die sich bei Privatparties und dem nächtlichen Heimlaufen nicht angemessen verhalten. Gegen diese Ausreißer sind die studentischen Kneipenbetreiber und Partyveranstalter jedoch machtlos. Weitere Maßnahmen, wie die Abschaffung von Wohnheimsgrillplätzen, stärker verkürzte Öffnungszeiten, Reduktion von Gemeinschaftsräumen oder eine reglementierte Anzahl an Geburtstagsfeiern in den Wohnheimen sind Kollektivstrafen, die sich gegen alle Studierenden richten, nur weil sich einige wenige nicht benehmen können. Anzeigen gegen Veranstalter treffen zudem ausgerechnet diejenigen engagierten Studierenden, die sich für ein harmonisches Miteinander einsetzen. Bevor man Anzeige gegen die Organisatoren erstattet, sollte man sich überlegen, was wäre, wenn keiner der Studierenden sich mehr den Schuh des Aufpassers anziehen würde und die Feiern sich von den Studentenkneipen auf die öffentlichen Plätze und in den EB-Park verlagern würden. Die eigentlichen Störenfriede werden mit all den geforderten maßregelnden Sanktionen ohnehin nicht erreicht.

Fast 6000 Studierende in Weingarten lassen sich weder wegdiskutieren noch wegreglementieren. Sie sollten von den Anwohnern nicht als ein Fremdkörper, sondern als gleichwertige Bürger Weingartens und als durchaus bereichernder Teil der Stadt empfunden werden. Wir rufen unsere Kommilitonen dazu auf dem so gut dies geht gerecht zu werden und am kulturellen Geschehen zu partizipieren. Die Anwohner bitten wir die Problematik differenziert zu betrachten und unsere ehrliche Intention eines guten Miteinanders durch Verständnis und konstruktiven Dialog zu unterstützen.

Die studentischen Institutionen Weingarten