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Energiewende

Staatssekretärin Franziska Brantner sorgt sich um Wohlstand im Süden

Vogt / Lesedauer: 3 min

„Die Welt wartet nicht auf Deutschland“, sagt Brantner in Vogt. Sie ist überzeugt vom Ausbau der Erneuerbaren Energien. Ihr gehe es dabei auch um den Wohlstand.
Veröffentlicht:04.06.2023, 10:00

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Das Windkraftprojekt Altdorfer Wald mit seinen 39 geplanten Windrädern zieht derzeit auch Gäste aus der großen Politik ins kleine Vogt, wo derzeit hitzig debattiert wird. So kam jüngst die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Franziska Brantner (Grüne) auf Einladung des Vereins „Energiewende Vogt“ ins Gasthaus Adler.

Sie sprach zum Thema: „Wirtschaft — Windkraft — Zukunft: Wohlstand der Region sichern“ und diskutierte mit den über 100 Besuchern — darunter viele Bürgermeister und Vertreter aus Wirtschaft und Politik — anschließend über das Thema.

Zu Beginn sprach Brantner über die Notwendigkeit der schnellen ökologischen Transformation in Deutschland und Europa. Dafür gebe es zwei Gründe: Erstens nicht von einer Abhängigkeit in die andere geraten. Dazu Brantner: „Die geopolitischen Zeiten werden nicht einfacher, tendenziell eher schwieriger.“ Der zweite Grund seien die künftigen Generationen. So setzten zum Beispiel Trockenheit und Dürre den Wäldern zu. Wir sollten in Zukunft keine Rohstoffe mehr verbrennen. Die Älteren hätten noch gute Zeiten gehabt, jetzt heiße es, zur Lösung der Klimafragen gemeinsame Antworten zu finden.

Sorgen um den Wohlstand im Süden

Sorgen bereiten ihr die Erhaltung von Wohlstand und Arbeitsplätzen im Süden Deutschlands. Die grüne Bundestagsabgeordnete für Heidelberg und die Bergstraße sieht die Entwicklung aus der Sicht der Bundesregierung und aus der Sicht ihres Wahlkreises. Im Norden gibt es viel grüne Energie, die günstig und nachhaltig zu haben ist, im Süden sieht es in dieser Hinsicht eher mau aus. Der Ausbau der Windkraft in Baden–Württemberg wird auch in diesem Jahr nur schleppend vorankommen. Die Landratsämter haben im vergangenen Jahr nur 41 neue Windkraftanlagen genehmigt. Das geht aus Zahlen der Bundesnetzagentur hervor.

Zum Vergleich: In Niedersachsen gab es 2022 grünes Licht für 196 neue Anlagen, in Nordrhein–Westfalen für 184. „Wir können auch sagen, hier ist es so schön, dabei wollen wir bleiben, aber dann müssen wir es klar definieren und mit den Konsequenzen leben,“ sagt sie. Brantner sagt, sie hoffe nicht, dass es zu einem Wettbewerb zwischen dem Norden und dem Süden kommt — mit womöglich zwei verschiedenen Strompreiszonen.

Dann würde die Wirtschaft in den Norden wechseln, wo Energie billig und sicher zu bekommen sei.

Wir müssen jetzt handeln, der Reichtum soll hierbleiben.

Franziska Brantner (Grüne)

 Zur Sicherheit der Versorgung des Südens zähle auch der zügige Ausbau der Stromanschlüsse aus dem Norden. Parallel arbeite man auch an dem Anschluss an Trassen aus dem Süden, zum Beispiel Italien. Auch mit ihrem französischen Amtskollegen sei sie zurzeit in intensiven Verhandlungen über eine neue Trasse.

Brantner: „Die Welt wartet nicht auf Deutschland“

Bei den erneuerbaren Energien gibt es für Brantner kein Entweder Oder. „Wir werden davon mehr brauchen. So ist zum Beispiel die Wasserkraft eine fantastische Ergänzung und da haben wir ja gerade in Ravensburg einen Weltmarktführer vor der Haustüre.“ Völlig neue Technologien sollten vorangetrieben werden, ebenso der Ausbau der Digitalisierung. Ebenso im Fokus stehe die Entbürokratisierung. „Die Welt wartet nicht auf Deutschland. Die USA und China legen ein Affentempo vor.“ Brantner ist dennoch zuversichtlich. „Wir haben hier in Baden–Württemberg die innovativste Region der Welt. Wenn wir das nicht schaffen, wer dann?“, sagte sie zum Schluss und versprach wiederzukommen.