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Klimaprotest Altdorfer Wald

Dokumentarfilm über Waldbesetzung kommt ins Kino

Vogt / Lesedauer: 4 min

„Von Menschen, die auf Bäumen steigen“ heißt der Film über die Klimaaktivisten im Altdorfer Wald. Hier sehen Sie den Trailer und Vorführtermine für die Region. 
Veröffentlicht:23.02.2023, 09:00

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Ein neuer Kinodokumentarfilm erzählt die Geschichte der oberschwäbischen Klimaaktivisten.

Der Film des Berliner Videojournalisten und Filmemachers Christian Fussenegger und seiner Projektpartnerin Bernadette Hauke zeigt, wie sich Klimaaktivismus in Oberschwaben gestaltet und was die Menschen antreibt, sich für ihre Ziele einzusetzen.

Zentrales Thema des Films „Von Menschen, die auf Bäume steigen“ ist auch die Waldbesetzung bei Vogt–Grund und die Diskussion um den umstrittenen Kiesabbau.

Am Samstag, 25. Februar, hat der Film um 20 Uhr Premiere im Kulturzentrum Linse in Weingarten. Danach soll er auch in anderen Kinos in ganz Deutschland zu sehen sein.



In Oberschwaben stoßen die Klimaaktivisten auf eine sehr unterschiedliche Resonanz. Während sich einige Umweltschützer über den zivilen Ungehorsam und über ein klares Bekenntnis zur Umwelt freuen, fragen sich andere, ob die Protestform so überhaupt akzeptiert werden kann.

Bisher kannte man diese Art der politischen Meinungsäußerung in Oberschwaben nicht. Bisher gab es keine Baum– oder Waldbesetzungen und keine Demonstrationen mit mehreren Hundert Teilnehmern auf den Dörfern. Es herrscht teilweise sogar Unverständnis über die Protestformen.

Anderer Aktivismus als in der Hauptstadt

Genau das machen Fussenegger und Hauke zum Thema in ihrem Dokumentarfilm. „Es ist doch etwas anderes, wenn Klimaaktivisten in Berlin demonstrieren oder in Oberschwaben. In Oberschwaben sind die Adressaten die lokale Bevölkerung, die lokale Politik und es werden konkret regionale Themen wie der Kiesabbau aufgegriffen.

Das fand ich sehr spannend und macht einen Unterschied“, sagt Fussenegger. Herausstechend seien die kreativen Protestformen im konservativ geprägten Süden der Bundesrepublik. So sei die Idee zum Dokumentarfilm entstanden.

Der Videojournalist, der unter anderem bereits für den deutsch–französischen Sender Arte drehte, begleitete über 18 Monate hinweg mit Bernadette Hauke die Aktivisten im Baumhausdorf im Altdorfer Wald, bei ihren Aktionen im Schussental, bei der Besteigung der Basilika oder beim Versuch, das Ulmer Münster zu besteigen.

Sie waren auch bei den Mahnwachen vor dem Amtsgericht Ravensburg dabei, als die Aktivisten wegen ihrer Aktionen vor Gericht standen. 33 Drehtage absolvierten sie mit den Aktivisten. Sie kletterten auf Bäume und erkundeten den Altdorfer Wald.

Erstmals erfahren hat Christian Fussenegger von dem Protest aus der Zeitung, als er auf Heimaturlaub in Wangen war. Dort ist er aufgewachsen, lebt aber mittlerweile seit 25 Jahren in Berlin.

Die Aktivisten kommen zu Wort

Der 93 Minuten dauernde Film kommt ganz ohne Kommentar aus. Im Film sprechen lediglich die Protagonisten und berichten von ihrer Motivation zum Protest und wie sie damit umgehen.

Herausgekommen sei ein „porträthafter, polarisierender Film, der überall in Deutschland relevant ist“, heißt es in der Filmbeschreibung. Und weiter: „Eine Hommage an den größten Wald Oberschwabens. Und die Menschen, die ihn bewahren.“

Protestplakate im Altdorfer Wald
Protestplakate im Altdorfer Wald (Foto: Richter)

Im Zentrum dabei sind Samuel Bosch und Charlie Kiehne, die seit Gründung der Waldbesetzung „Alti“ im Altdorfer Wald leben. Es sprechen auch Rosmarie Vogt, Martin Lang, Manfred Scheurenbrand und Gudrun Bosch, die sich für die gleiche Sache engagieren und im Umfeld von Oberschwabens größtem zusammenhängenden Wald leben.

Aber es kommen auch Menschen aus dem bürgerlichen Umfeld zu Wort, die die Bewegung unterstützen.

Das sind die Termine:

Nach der Premiere des Films am Samstag um 20 Uhr ist auch ein Filmgespräch avisiert.

Weitere Vorführungen des Films sind am 26. Februar um 16.30 und 19 Uhr — ebenfalls in der Linse — geplant. Am 27. Februar ist die Dokumentation um 19.30 Uhr im katholischen Gemeindezentrum St. Ulrich in Wangen im Allgäu zu sehen, am 28. Februar um 18 Uhr im Kino Seenema in Bad Waldsee und am 2. März um 19 Uhr im Stadtteilhaus Gaisental in Biberach. Danach soll der Film in weiteren Städten in Deutschland gezeigt werden. So gebe es bereits Interesse von Kinos in West– und in Ostdeutschland an dem Film.

Entstanden sei der Film ohne finanzielle Unterstützung eines Fernsehsenders oder der Filmförderung.