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Schlier

So kann gutes Leben auch im fortgeschrittenen Alter gelingen

Schlier / Lesedauer: 3 min

Das Haus steht leer und macht viel Arbeit - doch es gibt Alternativen, wie Senioren ihren Alltag nachhaltig gestalten können. Schlier macht sich auf den Weg.
Veröffentlicht:04.12.2023, 05:00

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Das Projekt „Solidarische Gemeinde“ will Impulse für eine seniorengerechte Entwicklung in den Kommunen setzen. Schlier ist mit dabei. Der Startschuss ist im Februar 2021 durch die Zustimmung des Gemeinderats gefallen. Inzwischen hat sich einiges getan. Aktuell hat eine Aktionsgruppe Fridolin Koch vom „K-Punkt Ländliche Entwicklung mit dem Vortrag „Wohnen im Alter - Wohnen neu denken“ ins Dorfgemeinschaftshaus in Unterankenreute eingeladen. Koordiniert wir das Projekt in Schlier von Cilia Röder von der Caritas. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Was will das Projekt „Solidarische Gemeinde“ erreichen?

Durch demografischen und sozialen Wandel sowie die Digitalisierung kommen auf die Städte und Gemeinden viele Veränderungen zu. Das Projekt richtet sich vorrangig an ländliche Kommunen, die Impulse für eine seniorengerechte Gemeindeentwicklung setzen wollen. Ziel ist es, mit der Kommune, den Bürgern und den örtlichen Akteuren auch künftig gute Lebensbedingungen für Senioren zu sichern.

Welche Kommunen aus dem Landkreis machen mit?

Aitrach, Aulendorf, Berg, Fronreute/Wolpertswende, Reute-Gaissbeuren und Schlier.

Wie ist die Situation von Senioren in ihrem eigenen Zuhause?

Vor einigen Jahrzehnten träumten viele vom eigenen Haus mit Garten und Auto. Solange Kinder im Haus sind, bot ein eigenes Haus meist tatsächlich rund 20 Jahre lang auch hervorragenden Komfort. Danach ist dann aber noch einiges an Lebenszeit übrig, und mit der Zeit werden die Pflege von Haus und Garten beschwerlicher, mitunter sogar zur Last. Mit dem Auto sind einige im Alter auch nicht mehr so gerne unterwegs. Doch auf dem Land hapert es nicht selten mit der Nahversorgung.

Welche Wohnformen erleichtern das Älterwerden, und wo gibt es bereits Beispiele dafür, wie das läuft?

Die Genossenschaft Kalkbreite in Zürich steht für kluge, innovative Lösungen beim gemeinschaftlichen Wohnen und Arbeiten und in der Quartierentwicklung. Mitten in der Stadt leben in der Schweizer Hauptstadt etwa Bewohner aller Altersgruppen in kleinen Einzimmerapartments. Bastelzimmer, Büros oder Nähzimmer werden gemeinsam genutzt. Auch im Schloss Blumenfeld in Tengen wird ein ähnliches Konzept verfolgt: Dort verfolgt Rehabitat einen umwelt- und sozialgerechten sowie gemeinwohlorientieren Ansatz hat. Im Vordergrund steht naturnahes, nachhaltiges und minimalistisches Wohnen auf kleinem Raum.

Unterbelegte Einfamilienhäuser werden in gender- und altersgerechte Mehrpersonenhäuser umgestaltet. Eine weitere Möglichkeit bieten Tiny-Häuser. Ein Beispiel dafür ist das Quartier Burgrieden in Biberach. Weitere alternative Wohnformen finden sich im Schlosshof Uttenweiler mit Tagesbetreuung, betreutem Wohnen und einer Demenz-WG. In Eichstetten haben sich die Gemeinde und ihre Bürger dazu entschlossen, die vielfältigen Aufgaben des Generationenvertrages selbst in die Hand zu nehmen: Dort unterstützen Bürger - meist Frauen aus dem Dorf - ältere Menschen mit hauswirtschaftlicher und pflegerischer Hilfe.

Welche Bausteine ermöglichen ein gutes Älterwerden auf dem Land?

Wichtige Bausteine sind Nachbarschaftshilfe, Betreutes Wohnen Zuhause, barrierefreies Wohnen in der Ortsmitte, Tagespflege, Pflegewohngemeinschaften oder Demenz-WGs.

Was ist in Schlier bisher passiert?

Es haben sich verschiedene Planungsgruppen gebildet. Eine davon lädt im April zu einer Veranstaltung mit Vereinen und Akteuren, um aufzuzeigen, welche Angebote es bereits gibt. Eine weitere Gruppe will offene Begegnungsangebote schaffen; eine dritte Gruppe beschäftigt sich mit dem Thema „Wohnen im Alter“. Dazu gibt es Vorträge und Exkursionen. Darüber hinaus ist eine Umfrage geplant.

Wo steht Schlier jetzt?

Mittendrin. Jetzt ist noch Zeit mitzumachen, mitzudenken und mitzugestalten.


Wer sich an dem Projekt beteiligen möchte, kann sich bei Cilia Röder melden: [email protected]