StartseiteRegionalOberschwabenSchlierFalsch verstandener Tierschutz? Hirsch läuft weg und wird erschossen

Gehege-Zaun zerschnitten

Falsch verstandener Tierschutz? Hirsch läuft weg und wird erschossen

Schlier / Lesedauer: 3 min

Unbekannte schnitten Löcher in den Zaun des Wildtiergeheges. Der Besitzer sieht in der Aktion falsch verstandenen Tierschutz. Facebook-Nutzer reagieren emotional.
Veröffentlicht:12.10.2023, 07:00

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Der Zaun eines Hirschgeheges wird zerschnitten, ein Hirsch haut ab und wird ein paar Wochen später von einem Jäger erschossen: Das hat sich so vor Kurzem in Schlier ereignet. Auf Facebook reagieren die Menschen mit Wut und Trauer.

Der Damhirsch lebte zusammen mit acht weiteren Tieren im Wildtiergehege in Fuchsenloch. Er war sechs Jahre alt und der älteste unter den Hirschen, sagt Bernhard Uhl, dem das Gehege gehört. Er berichtet, was vor rund drei Monaten passiert ist: Unbekannte hätten den Zaun beschädigt. „Der Zaun wurde mehrfach durchtrennt, und es wurden Löcher hineingeschnitten.“

Tier bekam Stromschlag an Weidezaun

Der Hirsch habe dann durch den kaputten Zaun das Gehege verlassen und sei weggelaufen. Das alleine sei noch nicht schlimm gewesen, sagt Bernhard Uhl. Denn Hirsche seien Herdentiere und würden in solchen Fällen von selbst wieder an den Zaun zurückkommen. „Dann hätte man ihn wahrscheinlich wieder ins Gehege hineinlocken können“, vermutet Uhl.

Unglücklicherweise sei der Hirsch beim Weglaufen aber an den stromführenden Weidezaun eines Nachbargrundstücks geraten. „Er hat einen Stromschlag bekommen und ist erschrocken“, sagt der Besitzer. Deshalb sei der Hirsch dann nicht mehr zurückgekommen. Er sei zwar noch eine Weile immer wieder in einer Entfernung von rund 500 Metern gesehen worden, „aber das Tier war dann zu verstört, als dass man es hätte einfangen können.“

Der Vorfall löst auf Facebook emotionale Reaktionen aus

Irgendwann sei der Damhirsch dann nicht mehr aufgetaucht. Kurz darauf erfuhr der Besitzer, dass ein Jäger den Hirsch erschossen hatte. „Das dürfen die Jäger, und das verstehe ich auch“, sagt Bernhard Uhl. Was er aber nicht verstehen könne, sei die Tatsache, dass jemand absichtlich den Zaun aufgeschnitten habe, um offenbar den Hirsch zu befreien. „Das ist falsch verstandener Tierschutz“, findet Uhl. „Den Hirschen geht es sehr gut im Gehege“, sagt er. „Sie werden dort geboren, wachsen dort auf und sind es gewöhnt.“

Er sei enttäuscht und traurig, sagt Bernhard Uhl. „Ich habe diesen Hirsch über viele Jahre begleitet, habe gesehen, wie er heranwächst und sich entwickelt. Auch auf Facebook, wo ein Nutzer in der Gruppe „Weingarten live“ über den Vorfall berichtete, reagierten einige Menschen mit Wut und Trauer. So schreibt eine Frau: „Schade. Tut mir leid.“ Eine andere findet es „unfassbar“, und ein weiterer Nutzer schreibt: „Einfach nur mega traurig sowas. Hoffe, dass man denjenigen oder diejenige findet.“

Das Wildtiergehege in Fuchsenloch gibt es seit mehr als 50 Jahren. Es ist ein beliebtes Ausflugsziel bei Familien und Wanderern.