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Französisches Bistro, Patisserie und mehr: Zuwachs für Ravensburger Gastronomie

Ravensburg / Lesedauer: 5 min

Trend geht hin zum Mix aus Verkauf und Gastronomie – Andere Länder inspirieren die Betreiber
Veröffentlicht:07.09.2022, 19:00

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In der Ravensburger Altstadt wächst das gastronomische Angebot: Häufig lassen sich die Betreiber von anderen europäischen Ländern inspirieren. Die Konkurrenz in der Tagesgastronomie wächst damit deutlich.

Der Trend geht hin zum Mix aus Verkauf und Lokal – aus Sicht der Betreiber trägt das dazu bei, dass das gewerbliche Leben in den Innenstädten eine Zukunft hat.

In der Goldgasse eröffnet Bottega nach Sanierung

In der Unterstadt zieht die Bottega Alto Piemonte von der Adlerstraße in das aufwendig sanierte Domizil in der Goldgasse. Es handelt sich um das Elternhaus von Wilhelm Kuhn , jahrzehntelang war dort eine Druckerei untergebracht. Kuhn betreibt die Bottega zusammen mit seiner Frau Elisabeth. Ab Freitag, 9. September, wollen sie dort ihre Gäste begrüßen.

Die Region des oberen Piemont in Italien hat es den beiden seit Jahren angetan, sie sind zu Botschaftern des Landstrichs und seiner Lebensart geworden.

 Das Alstadthaus in der Goldgasse 3 in Ravensburg vor der Sanierung im Jahr 2020. Die Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen, die Eröffnung der Bottega Alto Piemonte steht unmittelbar bevor.
 Die Bottega Alto Piemonte eröffnet am Freitag, 9. September, in der Goldgasse.

In ihrem Lokal in der Goldgasse verkaufen sie weiterhin die Produkte aus der Region wie beispielsweise Wein, Käse oder Reis. Gleichzeitig bewirten sie Gäste, bieten kleine Pastagerichte, Antipasti, Ofengemüse oder Risotto an.

Langfristig seien auch Weinproben geplant, sagt Kuhn, der aber an der neuen und langfristig angelegten Adresse langsam in den Betrieb starten will.

Einzelhandel und Gastronomie finden an mehreren Stellen zueinander

Immer mehr Geschäftsleute in Ravensburg verknüpfen Einzelhandel und gastronomisches Konzept miteinander. So auch der gelernte Hotelkaufmann Ciprian Meyer , der sich mit dem französischen Bistro „Ciprians“ an der Ecke Kirchstraße/Gespinstmarkt nach eigener Aussage einen Lebenstraum erfüllt hat. Das „Ciprians“ befindet sich im Modehaus Reischmann, Meyer pachtet die Fläche.

 Das französische Bistro „Ciprians“ an der Ecke Kirchstraße/Gespinstmarkt.

Das Konzept hat Meyer mit seinem Lebenspartner Lars Koller, der mehrere Geschäfte für Wohnaccessoires in Ravensburg betreibt, entwickelt. Neben Frühstück, Kuchen und kleinen Speisen wie etwa Flammkuchen und Salaten werden im Ciprians auch Wohnaccessoires und Feinkost aus Frankreich verkauft, wie Meyer erklärt.

Er selbst hat nach einer Ausbildung im Hotel Bareiss in Baiersbronn im Schwarzwald unter anderem im Schloss Elmau in Garmisch-Partenkirchen gearbeitet – nun ist er selbst Gastronom. Er sehe das Produktangebot als Ergänzung zu seiner Tagesgastronomie.

Wachsendes Angebot wird nicht als Problem gesehen

Auch der Geschäftsführer der Firma Reischmann, Thomas Reischmann, hat bewusst Gastronomie in seine Modehäuser integriert, nun also auch am Gespinstmarkt.

Er sei der Überzeugung: Einkaufen müsse mehr sein als der Tausch „Ware gegen Geld“, sagte Reischmann, als die Pläne für das Bistro bekannt wurden. So wolle er das „Einkaufserlebnis“ auch für seine Kunden weiter verbessern.

 Die Firma Reischmann hat eine Fläche im Erdgeschoss ihres Modehauses am Gespinstmarkt an einen Gastronomen verpachtet.

Erst diesen Sommer hat mit dem Café Reck ein paar Meter weiter in der Kirchstraße auch schon ein Tagescafé eröffnet.

Einen steigenden Konkurrenzdruck sieht Meyer aber nicht. „Dort kann man im Wiener Stil Kaffee trinken und bei uns eine Ecke weiter in französischer Lebensart“, sagt Meyer. Das wachsende Angebot befruchte sich gegenseitig.

Konditorei-Chef blickt von außen auf die Stadt Ravensburg

Das sagt auch Michael Weiß von der Friedrichshafener Konditorei „Weber&Weiss“, die in der Marktstraße einen Standort eröffnet hat, direkt hinter dem historischen Rathaus. An zunächst drei Tischen können Gäste sitzen, um Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen.

Es wird aber auch alles zum Mitnehmen verkauft, unter anderem Pralinen und Schokolade, neuerdings aber auch vegane Macarons, deren Rezept sein Sohn Benedict langfristig ausgetüftelt habe, gehören zum Angebot.

Mit Cafés sei Ravensburg schon gut abgedeckt, so Michael Weiß, der von Friedrichshafen den Blick von außen auf die Stadt wirft. „Aber Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt er.

„Jeder hat sein spezifisches Angebot. Ich glaube, man tut sich da nicht weh.“ Er ist der Meinung, dass sich mittelgroße Städte wie Ravensburg und Friedrichshafen in Richtung „Aufenthaltsqualität und Erlebnis“ verändern müssten.

 Das ehemalige Schmuckgeschäft „Konplott“ in der Marktstraße hat die Friedrichshafener Konditorei Weber & Weiss umgebaut.

In Ravensburg werde zur Belebung der Innenstadt und für die viel beschworene Aufenthaltsqualität aus seiner Sicht aber schon viel richtig gemacht.

Was dazu beitrage, sei das gepflegte Altstadtflair: „Die Ravensburger haben es verstanden, ihre Stadt toll zu erhalten.“ Der traditionelle Einzelhandel alleine hätte es aus Sicht von Weiß künftig schwer.

Idee der Vermischung von Handel und Gastronomie gibt es schon länger

Auch Oberbürgermeister Daniel Rapp hat schon mehrfach die Meinung geäußert, die Innenstadt könne nur überleben, wenn sie etwas biete, was es im Internet nicht gibt, etwa den Duft von Kaffee.

Schon vor vier Jahren hat Raphael König mit dem „Nero“ in der Eisenbahnstraße auf den Mix aus Verkauf und Café gesetzt. Auch er erweitert sein Konzept, verkauft künftig auch Wein und hat an der Ecke zur Rosenstraße einen weiteren Raum hinzugenommen, um deutlich mehr Innensitzplätze anzubieten.

Wenn es jetzt Herbst wird, will er den Betrieb dort mehr und mehr aufnehmen. Seine Karte hat er dafür jetzt um Panini und kleine italienische Gerichte erweitert, wie er sagt.

Englisches Teehaus ist für Herbst angekündigt

Die kulinarische Reise durch Europa kann sich voraussichtlich ab Herbst in einem englischen Teehaus unter dem Namen „Lady Grey“ in der Adlerstraße fortsetzen.

Dort machen die Einzelhändler Nicole Köppe und ihr Mann Uwe, bisher Betreiber des Geschäftes „Little Britain“ in der Rosenstraße, zusätzlich den Schritt in die Gastronomie. Sie kündigt typisch britisches Gebäck an – und natürlich Tee.