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Gegenverkehr

Move-Erfahrungsbericht: Zum ersten Mal ein Teil der Rennrad-Gruppe

Ravensburg / Lesedauer: 4 min

Ein Erfahrungsbericht vom Gruppentraining beim Rennradprogramm Move
Veröffentlicht:12.07.2022, 19:04

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Vor mir ist der Reifen meiner vorausfahrenden Teamkollegin nur wenige Zentimeter entfernt. Wenn sie bremst, muss ich auch bremsen, sonst hänge ich ihr hinten drauf. Vorn rufen die Trainer: „Vorsicht, Gegenverkehr!“ Wir machen uns schmal, ein scheinbar rasend schnelles Auto schießt an uns vorbei, kratzt noch fast an einem Baum vorbei.

Ich bin mittendrin in einer Rennradausfahrt bei Move, dem Rennradprogramm von Uwe Peschel . Der ehemalige Rennradprofi ist auch mit dabei, zieht am Berg ganz locker an der Gruppe vorbei, um oben ein Foto zu machen. Für mich ist es das erste Mal bei einer Gruppenausfahrt. Zu Beginn erscheint mir alles wie eine perfekt einstudierte Choreografie, bei der ich als Einzige das Training verpasst habe.

Verschiedene Handzeichen schnell gelernt

Handzeichen wie „Halt“, „rechts oder links abbiegen“, „Vorsicht, Löcher im Boden“ oder „Rollsplit auf der Straße“ lerne ich zum Glück schnell. Wir sind 20 Radfahrer auf einer 70-Kilometer-Radtour. Von Tettnang geht es einmal in den Landkreis Ravensburg, fast bis Wangen im Allgäu und dann an Neuravensburg vorbei nach Kressbronn am Bodensee und wieder zurück nach Tettnang.

Es geht hügelig voran, kurze Anstiege und einige Abfahrten wechseln sich ab. Das Tempo kann ich zum Glück ganz gut mitfahren. Die Gruppe ist fit, aber es sind nicht die schnellsten Teilnehmer des Rennradprogramms. Da hätte ich als sporadische Radfahrerin vermutlich keinen Spaß an der Ausfahrt gehabt.

Nebenher unterhalte ich mich mit den Radlern. Elvira kam vor fünf Jahren zu Move, als sie noch gar nicht Rennradfahren konnte. In der Anfängergruppe hat sie gelernt, wie man überhaupt mit dem Rad umgeht. Inzwischen fühlt sie sich sehr wohl in ihrer Gruppe. „Ich finde es gut, dass ich am Abend nicht komplett kaputt bin“, sagt sie.

Das Training im Team schult die Grundlagenausdauer. Statt am Leistungsmaximum fährt Elvira also in einem Bereich, in dem ihre Herzfrequenz noch niedrig bleibt. „Ich bin stolz, dass ich auch mit jüngeren Fahrern mithalten kann.“ Die Handzeichen, Rufe und Abläufe beim Fahren im Team hat sie inzwischen gut drauf. „Jeder fährt ein bisschen anders, aber mit der Zeit weiß man, wie jeder reagiert.“

In den Dörfern, die wir durchqueren, schallt es „links“, „rechts“, Halt“. Nach zwei ruhigeren Corona-Jahren hören die Anwohner die Rufe der Rennradgruppen in Biberach, Weingarten und Tettnang jetzt wieder häufiger. Mancher winkt sogar vom Balkon.

Einige Dauerbrenner sind dabei

Was es als Anfänger auch erst einmal zu lernen gilt, ist das Fahren mit Klickpedalen. Ich bin auch eines der ersten Male mit den Klickpedalen dabei und achte akribisch darauf, an den Kreuzungen und Pausenstopps rechtzeitig den Schuh aus dem Pedal zu klicken. Denn sonst würde ich wahrscheinlich umfallen. Mein Rad ist außerdem ein Gravelbike, ich sitze also aufrechter als die anderen, das Rad ist schwerer und meine Reifen sind dicker und haben auch noch Profil. Ob das einen Unterschied macht, kann ich nicht sagen. Michael ist auch mit dem Gravelbike dabei. Er fährt aber sonst auch mit dem Rennrad mit. Sein Bauchgefühl ist, mit dem Gravelbike ist er circa zehn Prozent langsamer.

In der Gruppe sind manche das zweite Jahr dabei, andere schon zum neunten Mal. Annkathrin fährt das zweite Jahr mit, weil es ihr Spaß macht, einen Trainingsplan zu befolgen und sich weiterzuentwickeln. Uschi ist froh, dass die Gruppe sie zum Radfahren motiviert. Auch wenn mal schlechteres Wetter ist. „Allein würde man dann vielleicht einfach zu Hause bleiben.“

Alle sagen, die Motivation und Freude am Radfahren, die Uwe Peschel ausstrahlt, übertrage sich auf sie. Auch deshalb melden sie sich jedes Jahr wieder an. Mir tun am Ende der Po und der Rücken weh und ich habe ordentlich Durst. Ganz anders die Teilnehmer: Die sind alle gut im Training und stecken die Ausfahrt deutlich besser weg als ich. Zum Abschluss machen wir noch Gymnastik am Montfortplatz in Tettnang, bevor jeder wieder seines Weges geht und noch einiges vom Samstag übrig hat. Und ich bin stolz und froh, dass ich es geschafft und so viele nette Menschen getroffen habe.