Messerattacke

Für ihren Mut - Ravensburger Helfer nach Messerattacke geehrt

Ravensburg / Lesedauer: 3 min

Vier Helfer wurden vom „Weißen Ring“ für ihr mutiges Eingreifen bei der Messerattacke in Ravensburg geehrt
Veröffentlicht:13.11.2018, 16:39
Aktualisiert:22.10.2019, 14:00

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„Zivilcourage hat viele Gesichter“, sagt Erwin Hetger, Landesvorsitzender des „Weißen Rings“ aus langer Erfahrung. Vier ganz unterschiedliche Menschen, die auf ganz unterschiedliche Weise Opfern einer Gewalttat beigestanden und Schlimmeres verhindert haben, hat er am Dienstag in Ravensburg mit dem Zivilcouragepreis geehrt. Olaf Klingler , Aferdita Gau, Bilal Hasan und Nina Bäumler eint, dass sie bei der Messerattacke Ende September auf dem Marienplatz nicht weggeschaut haben, als Menschen in höchster Not waren.

„Wenn Unbeteiligte stets so entschlossen für das Opfer Partei ergreifen würden, wie das in Ravensburg der Fall gewesen ist, könnte mancher Übergriff verhindert werden“, sagte Erwin Hetger während einer Feierstunde im kleinen Sitzungssaal des Rathauses. Ganz besonders gelte dies für Olaf Klingler, der den „Zivilcouragepreis plus“ verdient habe.

Klingler, Tourist aus Hessen, saß mit seiner Familie vor dem „Engel“, als der Angreifer mit dem blutigen Messer in der Hand über den nördlichen Marienplatz gestürmt war. Mit einem Stuhl stellte er sich dem mutmaßlich psychisch kranken 21-Jährigen aus Afghanistan in den Weg und wurde dabei selbst schwer verletzt. „Sie haben weit mehr getan, als man verlangen darf“, sagte der Vorsitzende des „Weißen Rings“ dem Hanauer. „Ich würde wieder so handeln“, sagte Klingler am Dienstag, „man darf sich nicht wegducken“. Die Wunden des 52 Jahre alten Busfahrers sind äußerlich verheilt, doch nach dem dramatischen Geschehen hat er sich Unterstützung geholt, um auch psychisch mit der Tat klarzukommen.

Es gibt viele Asylbewerber unter uns, die Gutes tun

Erwin Hetger, Weißer Ring

Wenige Augenblicke vor Olaf Klinglers Eingreifen hatte der Angreifer auf zwei junge Syrer an der Bushaltestelle am Marienplatz eingestochen und beide ebenfalls schwer verletzt. Unter Umständen hat einer der beiden nur deshalb überlebt, weil Aferdita Gau und Bilal Hasan sich entschieden vor das Opfer gestellt und weitere Attacken verhindert hatten. Die junge Frau war dem bewaffneten Mann gar mit erhobenen Händen entgegengetreten. Die beiden Helfer hatten sich danach um den stark blutenden Syrer gekümmert. „Auch das ist wichtig: Es gibt viele Asylbewerber unter uns, die Gutes tun“, sagte Hetger mit Blick auf den jungen Flüchtling Bilal Hasan.

Erst jetzt bekannt geworden ist die Geschichte der 16 Jahre alten Nina Bäumler, die den anderen schwer Verletzten, der vermutlich unter Schock und stark blutend weiter Richtung Frauentor gelaufen war, verbunden und betreut hatte.

Und dann gab es noch Ravensburgs Oberbürgermeister Daniel Rapp, der zusammen mit einem dazueilenden Polizisten den Messerstecher zur Aufgabe bewegen konnte. Rapp wollte am Dienstag ausdrücklich nicht geehrt werden, er habe wie der Beamte in dieser Situation als Amtsträger gehandelt. „Als Amtsträger kann man aber nur so handeln, wenn man als Mensch so gepolt ist“, entgegnete der Chef der „Weißen Rings“.

Rapp zog den Kreis thematisch noch etwas weiter: „Zivilcourage beginnt jenseits solch außergewöhnlichen Engagements schon viel früher. Wir alle sind gefordert, mutig für die demokratische Grundordnung einzustehen.“ Angesichts eines sich verschärfenden „Lagerdenkens“ appellierte Rapp, sich auf eine gemeinsame Grundlage zu verständigen: „Das muss das Grundgesetz sein. Die Würde des Menschen ist unantastbar und bei einem körperlichen Angriff wird diese Würde ganz besonders verletzt.“