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Gigantische Dimensionen

Windpark Altdorfer Wald: Es werden die größten Anlagen der Region 

Ravensburg / Lesedauer: 6 min

Höhe, Fläche, Folgen. Nun ist bekannt, wie die Pläne im Altdorfer Wald aussehen. Das Prestigeprojekt wird die Landschaft wesentlich verändern. Alle Informationen.
Veröffentlicht:09.02.2023, 17:00

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Im grünen Herzen Oberschwabens, im Altdorfer Wald, soll Baden-Württembergs größter Windpark entstehen. Es ist ein Prestigeprojekt der grün-schwarzen Landesregierung, das wegen der Debatte um die Flugrouten des Hubschraubergeschwaders Laupheim sogar auf den Tisch der Bundesregierung gelangt war.

Zuerst sah es so aus, als ob das Projekt sterben müsste. Doch nach den Vermittlungen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und seinem grünen Parteifreund, Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, mit der damaligen Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) ist jetzt ein Weg gefunden worden für den Windpark Altdorfer Wald.

Die Planungen sind schon so konkret, dass sich die Projektverantwortlichen mit Details an die Öffentlichkeit wagen. Doch sie machen klar, dass dies nur der Stand zu Planungsbeginn ist.

Änderungen können sich im Verlauf des Projekts ergeben. Schon jetzt wird aber deutlich: Das Projekt wird die Landschaft im Voralpenland wesentlich verändern, aber auch wesentlich zur Erzeugung von erneuerbarer Energie beitragen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Projekt:

Wo genau soll der Windpark entstehen?

Auf einer Fläche von 2000 Hektar soll der größte Windpark Baden-Württembergs entstehen. Die Flächen gehören zum Großteil Forst BW, also dem Land Baden-Württemberg, und dem Fürstlichen Haus Waldburg-Wolfegg-Waldsee. Das Gebiet umfasst Teile der Gemarkungsflächen der Gemeinden Baienfurt, Baindt, Bergatreute, Schlier, Vogt, Waldburg und Wolfegg.

Wer steckt hinter dem Projekt?

Den Zuschlag für die Flächen haben die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) bekommen, die zusammen mit der iTerra Energy GmbH aus Gießen den Park planen. Die SWU sind ein kommunaler Energieversorger aus Ulm – vergleichbar mit den Technischen Werken Schussental (TWS). Die iTerra Energy GmbH ist ein Projektentwickler für Windenergie und Photovoltaikanlagen.

Wie groß wird der Windpark genau?

Ursprünglich sind die Projektplaner von bis zu 50 möglichen Windrädern ausgegangen. Später reduzierten sie die Zahl auf bis zu 42. Nach heutigem Stand gehen die Planer von 39 aus. Wie viele es letztendlich konkret werden, lässt sich heute noch nicht sagen.

Beispiele von anderen Windparks wie etwa dem im Röschenwald zeigen, dass sich immer wieder Veränderungen ergeben. Ursprüngliche Planungen sahen dort sechs Windräder vor. Im Genehmigungsverfahren sind es jetzt noch vier Anlagen.

Wie groß werden die Anlagen?

Es werden die größten Anlagen der Region – deutlich größer als alle, die bisher geplant wurden. Die SWU planen mit Windrädern des dänischen Windradbauers Vestas, Typ V172-7.2. Diese Windräder haben eine Nabenhöhe von 199 Metern. Die Gesamthöhe mit Rotor beläuft sich auf 285 Meter. Zum Vergleich: Der Stuttgarter Fernsehturm hat eine Gesamthöhe von 217 Meter, der Eiffelturm in Paris 324 Meter. Vestas ist nach einem Bloomberg-Ranking der drittgrößte Windradhersteller der Welt.

Warum werden so große Anlagen eingesetzt?

Andreas Ring, Projektverantwortlicher bei den SWU und Geschäftsführer der neu gegründeten Windpark Altdorfer Wald GmbH, begründet das so: „Wir sind ursprünglich von einer Nabenhöhe von 160 Metern ausgegangen, doch in der Zwischenzeit hat es einen Technologiesprung gegeben.“

Je höher die Anlagen sind, desto mehr Energie können sie erzeugen. Eine Anlage hat eine Leistung von 7,2 Megawatt. Mit dem Windpark Altdorfer Wald lassen sich nach heutigen Berechnungen der SWU 170.000 Haushalte mit Strom versorgen. Damit wäre rein rechnerisch der Landkreis Ravensburg mit seinen 284.000 Einwohnern überversorgt. Doch Strom wird auch für die Industrie benötigt.

Wann sollen sich die ersten Windräder drehen?

Läuft alles nach Zeitplan, drehen sich im ersten Quartal 2029 die ersten Windräder im Altdorfer Wald. Doch bevor es so weit ist, müssen diverse Gutachten erstellt werden, die es für das Genehmigungsverfahren braucht. Dieses Genehmigungsverfahren soll für den Windpark Anfang 2025 beim Landratsamt Ravensburg eingehen. Baubeginn ist für 2027 vorgesehen.

Wie stark wird der Eingriff in die Natur?

Um ein Windrad aufzustellen, müssen Bäume gefällt werden. Pro Windrad rechnet Andreas Ring mit einem Hektar Wald, entspricht etwa anderthalb Fußballfeldern, der für die Bauarbeiten gerodet werden muss. Nachdem das Windrad aufgestellt ist, wird wieder aufgeforstet. Letztlich fehlen dauerhaft pro Anlage 0,5 Hektar Wald.

Für den Transport der Bauteile sollen die bestehenden Waldwege genutzt werden, die laut Ring sehr gut ausgebaut sind. „Jeder, der die 40-Tonner-Forstfahrzeuge in den Wald fahren sieht, weiß, dass da viel möglich ist“, so Ring. Bei der Auswahl der Standorte für die Windräder wolle man darauf achten, dass weniger wertvoller Wald priorisiert wird.

Wie groß werden die Fundamente sein?

Damit ein so großes Windrad den Widerständen standhält, braucht es ein tiefes Fundament. Die Dimension: etwa vier Meter tief, der Durchmesser kommt auf rund 30 Meter.

Wie sieht es mit der Trinkwasserproblematik aus?

Der Altdorfer Wald hat Wasserschutzgebiete, unter anderem Damoos für die Gemeinde Vogt und Weißenbronnen für die Gemeinden Baienfurt und Baindt. Zudem sieht der neue Regionalplan auf dem Plangebiet sogenannte „Vorranggebiete zur Sicherung von Wasservorkommen“ vor. Dies stellt ein planerisches Hindernis, also einen Zielkonflikt, dar. Andreas Ring ist aber überzeugt, dass sich dies mit dem neuen Teilregionalplan Energie, der derzeit erarbeitet wird, lösen lässt.

Die SWU sind auch Wasserversorger in Ulm. Wir werden nichts tun, was das Trinkwasser gefährdet,

sagt Ring.

Jedoch lässt das Gesetz Windräder auch in manchen Zonen von Wasserschutzgebieten zu. Dies zeigt auch der Blick nach Nord- und Mitteldeutschland, wo dies schon praktiziert wird. Die SWU wollen nächstes Jahr ein hydrogeologisches Gutachten für das Plangebiet erstellen lassen.

Wie wird der Strom transportiert?

Dies soll über Erdkabel erfolgen, die entlang von Waldwegen gelegt werden sollen, damit keine Bäume gefällt werden müssen. Um die Unmengen an Strom ins Netz einzuspeisen, müssen Umspannungswerke gebaut werden. Die Planer gehen von zwei bis drei solcher Anschlüsse aus.

Wie sieht es mit Ausgleichsflächen aus?

Beim Windpark Röschenwald hat sich gezeigt, dass es Probleme wegen fehlender Ausgleichsflächen für den Eingriff in die Natur gegeben hat. Das hat zu Verzögerungen geführt. Laut SWU sei man bereits in Gesprächen.

Wird es während des Projekts eine Öffentlichkeitsbeteiligung geben?

Ja, denn die sieht das Gesetz bei Windparks mit mehr als 20 Windrädern vor. Das bedeutet, dass nach den eingereichten Unterlagen für das Genehmigungsverfahren jeder Bürger auf den Rathäusern der betroffenen Kommunen und beim Landratsamt die Planungsunterlagen einsehen kann. Zudem kann jeder Bürger, der sich in seinen Rechten verletzt fühlt oder Bedenken hat, eine Stellungnahme abgeben.

Werden sich die Bürger an dem Windpark beteiligen können?

Eine Bürgerbeteiligung ist vorgesehen. Welche Modelle angeboten werden, werde derzeit noch erarbeitet, sagt Ring. Denkbar seien Beteiligungsformen durch eine Bürgerenergiegenossenschaft, Sparbriefe oder Anliegerstrom, der vergünstigten Strom für Anlieger vorsieht.

Wann ist die nächste Bürgerinformation vorgesehen?

Einen konkreten Termin gibt es noch nicht. Nach Angaben von Jakob Lenz vom Forum Energiedialog im Auftrag des Landes Baden-Württemberg soll es nach Ostern einen Termin geben. Zudem soll eine Dialoggruppe mit Vertretern aus den Gemeinden und Bürgerinitiativen installiert werden. Diese Gruppe soll, so Lenz, in den nächsten Wochen aufgestellt werden. Das Forum Energiedialog soll die Projektentwicklung begleiten und vermitteln.